Bundesliga im Test (1) : Fortuna Düsseldorf: Wir sehen uns beim Platzsturm!

In unserer neuen Serie testen wir jeden Tag einen Fußball-Bundesligisten. Los geht's mit Aufsteiger Düsseldorf, wo Andrej Woronin der Star ist – zusammen mit den Fans.

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Ich bin ein Star, lasst mich hier rein. Der frühere Herthaner Andrej Woronin steht jetzt bei Herthas Relegationsbezwinger Düsseldorf in Dienst.
Ich bin ein Star, lasst mich hier rein. Der frühere Herthaner Andrej Woronin steht jetzt bei Herthas Relegationsbezwinger...Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Objektivität ist hier und heute nicht zu haben, das gleich vorweg. Ein Fan (fast) der ersten Stunde schreibt. Was sollte sich, ganz objektiv gefragt, also verbessern bei der Fortuna? Ist Perfektion überhaupt zu steigern? Also gut, der Status hat sich verbessert. Die Fortuna ist jetzt Bundesligist. Das war sie viele Jahre lang nicht. Jetzt ist sie es wieder, und zwar nach – Hallo, Hertha-Fans! – grandiosen Spielen in der Relegation gegen einen schlechten Verlierer. Und kommt damit Uli Hoeneß entgegen. Dieser kluge Mann hat mal vor einigen Jahren gesagt, dass er die Fortuna langfristig als ernsthaftesten Konkurrenten der Bayern fürchtet. Wegen der tollen Fans, wegen der Wirtschaftskraft, dem tollen Stadion. Darf man Hoeneß widersprechen?

Wer sind die Stars?

Gute Güte, der Platz reicht nicht aus, um alle Stars der Fortuna aufzuzählen, die Gebrüder Allofs, Bockenfeld, Bommer, Zewe, Seel, ach so, es geht um heutige Stars. Also da wäre, mhmm, äh, ja, genau, Andrej Woronin, der war ja schon überall Star, auch schon beim eingangs erwähnten schlechten Verlierer, jetzt ist er es bei der Fortuna. Und sonst? Star ist Lumpi Lambertz, aber weniger wegen seiner Leistung, Star ist Axel Bellinghausen, mehr wegen seiner Vereinstreue. Ansonsten haben die Verantwortlichen ungefähr 24 neue Spieler verpflichtet, und zwar unter der Vorgabe, dass niemand sie kennt, damit sie auch nicht auszurechnen sind. Clevere Taktik.

Wer hat das Sagen?

Wolf Werner, mit 70 Jahren der gefühlt älteste Fußballmanager der Welt. Alter ist aber kein Makel. Im Gegenteil: Werner ist so erfahren, dass er Spieler kennt, die sonst keiner kennt. Und er kennt den linken Niederrhein und die dortige Borussia aus Mönchengladbach. Das ist wichtig, weil die Borussia, nun, da der FC aus der Stadt mit Dom nicht dabei ist, aus Sicht der Fans vorrangig besiegt werden muss. Und Trainer Norbert Meier hat das Sagen. Zumindest bis Mike Büskens kommt. Aber die Fans haben den Frieden mit Meier gemacht, weitgehend, man kann einem Aufstiegstrainer schließlich nicht böse sein.

Was erwarten die Fans?

Vielleicht den ein oder anderen Platzsturm? Ansonsten alles. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den 16. Mai 1979, der Tag als die Fortuna im Europapokalfinale der Pokalsieger gegen den FC Barcelona antrat, der Ausgang des Spiel spielt jetzt keine Rolle. Und erinnert sei an die Saison 1978. Da spielte der FC Bayern München bei der Fortuna. Er verlor 1:7. Es ist eben alles möglich. Oder, wie man in Düsseldorf zu sagen pflegt: Wir sind Fortuna, alles andere ist nur Fußball. Wenn der Fan seine Erwartungen aber mal weniger objektiv beschreibt, dann erwartet er: nichts. Denn es gilt die alte Regel: Von der Fortuna lernen, heißt verlieren lernen. Nicht die schlechteste Erfahrung, die man im Leben machen kann.

Was ist in dieser Saison möglich?

Wenn es gut läuft, gibt es am Ende der Saison zwei Relegationsspiele gegen einen nicht näher benannten Klub aus der Hauptstadt, deren Spieler im Angesicht feiernder Fortunen in Todesangst verfallen. Wenn es weniger gut läuft, gibt es in der darauffolgenden Saison zwei Spiele gegen den FC aus der Stadt mit Dom, sofern der nicht aufsteigt. Möglich ist natürlich alles. Angeblich soll man auch schon Pferde vor der Apotheke gesehen haben, die sich übergeben. Aber das stimmt nicht; das gibt es gar nicht, es wäre mindestens ein Wunder. Um im Bild zu bleiben, die Fortuna braucht für den Klassenerhalt eine ganze Herde Pferde vor der Apotheke.

Und sonst?

Und sonst sei aus der Fankurve zitiert: „Die Fortuna ist mein Verein, mein Herz, das schlägt für Düsseldorf am Rhein, da kannste jeden in Deutschland fragen, F 95 ist einfach nicht zu schlagen!“

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