Bundesliga im Test (10) : FSV Mainz 05: Die Braven

Am 20. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken und Schwächen der Vereine. Heute: Mainz 05, das an der zurückhaltenden Arbeit auch künftig nichts ändern will.

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Mit Hand und Fuß. Am Dienstag verpflichtete der Klub den früheren HSV-Torwart Martin Pieckenhagen.
Mit Hand und Fuß. Am Dienstag verpflichtete der Klub den früheren HSV-Torwart Martin Pieckenhagen.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Insbesondere die Qualität des Kaders. Mit Tim Hoogland (Schalke 04) und Malik Fathi (zurück nach Moskau) haben nur zwei Stammspieler den Klub verlassen; gekommen sind variabel einsetzbare Profis, die großes Potenzial haben und hohen Unterhaltungswert besitzen. Etwa Jungstar Lewis Holtby (ausgeliehen von Schalke 04) und der linke Verteidiger Christian Fuchs (VfL Bochum). Als hängende Spitze hinter Aristide Bancé erwartet Trainer Thomas Tuchel insbesondere von Jan Simak eine große Saison: „Er ist in einer völlig anderen Verfassung als zu Beginn.“ Eingespielt ist mittlerweile auch der hoch begabte Angreifer Adam Szalai, dessen Ausleihe von Real Madrid in einen Vertrag bis 2013 umgewandelt wurde. „Es ist wichtig, dass es in unserem Kader keine Karteileichen gibt“, sagt Tuchel.

Wer sind die Stars?

Niemand. Keiner soll sich als Star fühlen oder präsentieren. Tuchel hat feine Antennen für Allüren und lässt keine zu. In Mainz muss jeder für jeden rennen, nach vorne wie nach hinten, ohne Sonderrechte. Neuer (und alter) Kapitän dürfte der mazedonische Nationalspieler Nikolce Noveski werden, als listiger Stratege auf dem Spielfeld gilt aber Miroslav Karhan. Der Slowake hat wegen einer Achillessehnenverletzung die WM verpasst – und konnte sich so ganz auf seine Aufgaben in Mainz konzentrieren.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Wie in der vergangenen Saison das 4-2-3-1-System. Im Regelfall jedenfalls. Tüftler Tuchel hat selbstredend weitere Taktikvariationen parat. Obwohl das Mainzer Offensivspiel auf den bulligen Mittelstürmer Aristide Bancé und dessen brachiale Schussgewalt und Kopfball-Abrissbirnen-Mentalität zugeschnitten ist. Torgefährlich sind auch die jungen Wilden André Schürrle und Holtby sowie Ballkünstler Andreas Ivanschitz. Wenn der Österreicher denn spielen darf auf der linken Außenbahn. Was angesichts der Konkurrenz (Schürrle!) nicht sicher ist.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Anders formuliert: alle Kompetenzen, die ein Profiklub hergibt. Assistenztrainer Arno Michels ist ein Tuchel-Vertrauter, ebenso der neue Coach der U-23-Mannschaft in der Regionalliga, Martin Schmidt. Ein Jahr ist Tuchel jetzt im Amt, und falsch gemacht hat er seither eigentlich nichts. Dementsprechend turmhoch ist das Vertrauen seiner Vorgesetzten um Manager Christian Heidel und Klubchef Harald Strutz. Tuchel wird sich am Bruchweg ähnliche Niederlagenserien leisten können wie sein Vor-Vorgänger Jürgen Klopp, bevor es im braven Mainz zumindest etwas ungemütlich wird. Nicht zuletzt ist der völlig unerwartete neunte Platz der Vorsaison mit 47 Punkten (Vereinsrekord) ein erkleckliches Polster für stressfreies Arbeiten.

Was erwarten die Fans?

Generell ist der Mainzer Anhang genügsam – und froh, wenn man mit dem Abstiegskampf nichts zu tun hat. Vor einem Jahr hat das Team aber von einem sensationellen Saisonstart profitiert: Bayer Leverkusen wurde im Heimspiel-Debüt ein Remis abgetrotzt, Bayern München im Bruchwegstadion bezwungen. Das sind die Erwartungen, an denen das Umfeld zunächst alles messen wird.

Was ist in dieser Saison möglich?

Einiges hängt von den Torhütern ab. Die am Kreuzband verletzte Nummer eins Heinz Müller wird frühestens am siebten Spieltag auflaufen können. Zu Christian Wetklo hat der FSV gestern noch Martin Pieckenhagen verpflichtet. Der 38-Jährige stand lange in Holland unter Vertrag, war zuletzt aber arbeitslos. Für ihn hat sich die neue Saison schon gelohnt.

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