Bundesliga im Test (13) : VfB Stuttgart: Die Übergänger

Am 20. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir die Stärken und Schwächen der Vereine. Heute: VfB Stuttgart. Ohne Jens Lehmann, Sami Khedira und Horst Heldt ist der VfB noch auf der Suche nach einer neuen Identität.

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Vom Aussortierten zum Star. Cacau ist wieder beliebt in Stuttgart.
Vom Aussortierten zum Star. Cacau ist wieder beliebt in Stuttgart.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Wenig. Das Stadion ist auf dem Wege zu einem reinen Fußballtempel. Die Umbauarbeiten sind erst in einem Jahr abgeschlossen. Bis dahin muss der Klub Mindereinnahmen verkraften, weil die Besucherkapazität reduziert werden muss. Auch die Qualität der Mannschaft konnte nicht gehalten werden. Erfahrene Profis wie Jens Lehmann, Sami Khedira und Alexander Hleb fehlen. Im Tor steht beispielsweise der 21-jährige Sven Ulreich. Der Klub spricht gerne von einem „Übergangsjahr“. Der neue Sportdirektor Fredi Bobic, Nachfolger von Horst Heldt, muss sich einarbeiten.

Wer sind die Stars?

Wer hätte noch vor ein paar Monaten an einen Mann wie Cacau gedacht? Aber genau der gebürtige Brasilianer entwickelt sich in Ermangelung von Alternativen zu dem Gesicht der Schwaben. Der Nationalstürmer hat die meisten Interviewanfragen, wenn er Autogramme gibt, kreischen die Mädchen. Das Verwunderliche: Jahrelang war er bei den Stuttgarten immer ein Kandidat auf der Verkaufsliste. Nun ist der stille Laienprediger einer der Stars in Stuttgart, wenn nicht gar der Star – lange vor den anderen Nationalspielern Serdar Tasci, Christian Träsch und Christian Gentner.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Auch diese Saison wird Trainer Christian Gross ein 4-4-2 mit einer Doppelsechs spielen lassen. Diesmal aber fordert Gross mehr Druck über die Außenpositionen. Das sollen Neuzugänge schaffen und die Außenverteidiger. Gross wünscht sich auch ein schnelleres Kurzpass-Spiel.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Geht das Projekt Übergangsjahr einigermaßen gut, muss Gross nichts befürchten. Bei einem Fehlstart aber könnten erste Risse auftauchen. Macht hat der Trainer dieses Jahr nicht in dem Maß, wie er sie in seinem ersten Stuttgarter Jahr besaß, als er den VfB retten musste – und das mit Bravour tat. Jetzt musste sich Gross den vom Klub verordneten Sparmaßnahmen beugen. Der Schweizer dachte schon in der Vorbereitung an mögliche Probleme. „Ich mache mir große Sorgen“, sagte er. Immerhin bekam er den Schweizer Philipp Degen (ausgeliehen vom FC Liverpool). Bei anderen wird noch um die Ablösesumme gepokert. Gross fordert vor allem Spieler für die Außenbahn.

Was erwarten die Fans?

Ob die Fans das Übergangsjahr ohne Murren mitmachen, steht bisher nicht endgültig fest. Positiv wurde registriert, dass Sami Khedira nächstes Jahr nicht ablösefrei zu den Bayern geht, sondern jetzt 14 Millionen Euro von Real Madrid einbrachte. Der Klub bittet in Gesprächen um Geduld, bis das „neue“ Stadion steht.

Was ist in dieser Saison möglich?

Mit dem Kader ist der VfB kein Kandidat für die Champions-League-Plätze. Mit der jungen und wesentlich billigeren Mannschaft hofft man vielmehr auf den Sprung in die Europa League. Zu schwer wiegen die Abgänge. Im Mittelfeld wurde nur Christian Gentner aus Wolfsburg geholt, der zusammen mit Träsch und Kuzmanovic die Lücke Khediras schließen soll. Im Sturm spielt Pawel Pogrebnjak auf Bewährung. Damit es läuft, müsste Cacau seine gute Quote aus der vergangenen Saison halten und auch Ciprian Marica treffen. Die Einkäufe müssen einschlagen. Ein Leitspruch von Trainer Gross lautet. „Ich hasse Mittelmaß.“

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