Bundesliga im Test (14) : Borussia Dortmund: Die Halbstarken

Am 20. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken und Schwächen der Vereine. Heute: Dortmunds junge Mannschaft ist ein Jahr älter geworden. Die Fans erwarten viel von Jürgen Klopps Team.

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Spaß an der Arbeit. Die Dortmunder Patrick Owomoyela (Mitte) und Jakub Blaszczykowski (rechts) durften schon mit ihrem neuen Kollegen Shinji Kagawa jubeln.
Spaß an der Arbeit. Die Dortmunder Patrick Owomoyela (Mitte) und Jakub Blaszczykowski (rechts) durften schon mit ihrem neuen...Foto: dpa

Am 20. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil 14: Borussia Dortmund.

Was hat sich verbessert?

Dortmunds zumeist noch junge Spieler haben ein Jahr Wettkampfpraxis in der Bundesliga mehr als im vergangenen Sommer. Hoffnungsvolle Profis wie Subotic, Hummels, Schmelzer, Bender oder Sahin lernen viel und nähern sich langsam aber sicher dem besten Fußball-Alter. Ein Umstand, der sich positiv auf die Darbietungen eines Ensembles auswirken sollte, das frisch und munter drauflos spielt, dabei jedoch bisher die nötige Konstanz vermissen ließ. Oft führte der BVB mit 1:0, konnte den Vorsprung dann aber nicht ins Ziel bringen. „Wenn die Spiele bei Halbzeit abgepfiffen würden, wären wir jetzt mit Sicherheit Meister“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Die Zugänge sollen ihren Teil dazu beitragen, das Manko der allzu wankelmütigen Darstellungen abzustellen. In Lukasz Piszczek (25), Robert Lewandowski (21) und Shinji Kagawa (21) hat der BVB drei Spieler verpflichtet, die Trainer Jürgen Klopp wesentlich mehr Optionen eröffnen. Der ehemalige Herthaner Piszczek kann auf beiden Außenbahnen flexibel eingesetzt werden, Kagawa im offensiven Mittelfeld. Und der polnische Torschützenkönig Lewandowski ist als zweiter gefährlicher Mann neben Lucas Barrios eingeplant.

Wer sind die Stars?

Die Stars sind in Dortmund nicht auf, sondern neben dem Rasen zu finden. Zum einen der Mann, der auf der Bank sitzt – beziehungsweise daneben auf und ab hüpft: Trainer Jürgen Klopp geht beim BVB in die dritte Saison, von den Fans und den Dortmunder Medien wird er nach wie vor wie ein Heilsbringer verehrt. Der zweite Star steht auf der Südtribüne. Mit der Gelben Wand hat Borussia Dortmund nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal, das den Revierklub nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit hervorhebt.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Klopp, der früher ein glühender Verfechter des 4-4-2-Systems mit Raute war, ist längst umgeschwenkt und lässt auch in Dortmund das mittlerweile gängige Spielsystem mit der Doppelsechs und einer Spitze spielen. In Zahlen ausgedrückt: 4-2-3-1. Als einziger Stürmer ist Lucas Barrios gesetzt, wenn er fit ist. Neuzugang Robert Lewandowski muss sich also anpassen und sich eine Position hinter dem Mann aus Paraguay suchen.

Wie viel Macht hat der Trainer?

So viel Macht, wie ein Trainer überhaupt haben kann. Klopps Wort ist Gesetz, mit Sportdirektor Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bildet er ein Trio, das bislang ausnahmslos mit einer Stimme gesprochen hat. Am liebsten würde der Klub dem 43-Jährigen einen Vertrag auf Lebenszeit geben. Eines Tages werden sich die Wege aber trennen, auch wenn sie beim BVB fest gewillt sind, mit ihrem Liebling eine Ära zu bestreiten. Doch was kann einer wie Klopp als nächste Stufe auf der Karriereleiter anvisieren? Im Grunde genommen kommen in Deutschland nur zwei Jobs infrage: Der Ruf aus München oder die Beförderung zum Bundestrainer.

Was erwarten die Fans?

Eine Menge. Die Zeiten der Demut, als Dortmunds Zuschauermassen in wirtschaftlich lebensbedrohlichen Zeiten in erster Linie froh waren, überhaupt noch Erstligaspielen beiwohnen zu dürfen, sind definitiv vorbei. Mit 51 000 verkauften Dauerkarten hat der BVB mal wieder einen neuen Bundesligarekord aufgestellt. Mit solch gigantischen Zahlen lässt sich die Vermarktung prima ankurbeln, aber sie bedeuten auch eine enorme Verpflichtung. Zorc weiß genau, „dass die Erwartungshaltung in Dortmund immer überhöht ist“. Warum auch nicht? Wer bereit ist, so viel zu geben, der darf ruhig auch fordern.

Was ist in dieser Saison möglich?

Platz fünf in der vergangenen Saison war aller Ehren wert. Daran wird die umsichtig verstärkte Mannschaft gemessen. Allerdings fühlen sie sich beim BVB noch nicht bereit für den Angriff auf die Plätze, die für den Start in der Geldmaschine Champions League berechtigen. Schließlich muss der Klub weiter gesunden und Schulden abtragen. Megatransfers wie beim Nachbarn auf Schalke oder beim Werksklub aus Wolfsburg verbieten sich daher. „Vom Etat her sind wir in der Liga die Nummer acht oder neun“, weiß Zorc: „Dazu kommt die Zusatzbelastung in der Europa League. Das muss eine so junge Mannschaft erst einmal verkraften.“ Tatsächlich scheint die spannendste Frage zu sein, wie Klopps Männer mit der ungewohnten Zusatzbelastung klar kommen.

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