Bundesliga im Test (17) : FC Schalke 04: Die Umgekrempelten

Am 20. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken und Schwächen der Vereine. Heute: FC Schalke 04. Felix Magath ist dort fast allmächtig – Führungsstil und Reformwut des Trainers sind aber umstritten.

Richard Leipold
Alles im Blick. Felix Magath hat in Raul einen seiner Wunschsspieler bekommen. Damit gibt sich der starke Mann von Schalke aber noch lange nicht zufrieden. Foto: ddp
Alles im Blick. Felix Magath hat in Raul einen seiner Wunschsspieler bekommen. Damit gibt sich der starke Mann von Schalke aber...Foto: ddp

Was hat sich verbessert?

Der Spielraum für Investitionen in kickendes Personal hat sich immens vergrößert. Felix Magath ist es gelungen, gegen Widerstände aus dem Klub durchzusetzen, dass er mindestens dreißig Millionen in die Mannschaft investieren darf, um Bayern München die Meisterschaft streitig machen zu können. Nachdem der Trainer Magath in der vergangenen Saison mit wenig Geld für Investitionen viel erreicht hat, will der Manager Magath die Mannschaft im zweiten Jahr so aufrüsten, dass sie jetzt Qualitätsfußball und nicht bloß Ergebnisfußball spielen kann. Kritiker sehen in der aktuellen Politik aber auch Risiken.

Wer sind die Stars?

Der neue Star heißt Raul. Bei Real Madrid zuletzt nur noch zweite Wahl, wechselte der legendäre Stürmer nach sechzehn Jahren von den Königlichen zu den Königsblauen. Er ist der berühmteste und, beim Gehalt, teuerste Profi, der je für Schalke gekickt hat. Bei diesem Ausnahmespieler macht sogar der strenge Herr Magath eine Ausnahme. Raul werde nicht behandelt wie jeder andere, sagt er. Aber auch den spanischen Torjäger hat man schon beim Arbeiten mit Medizinbällen gesehen. Starqualität besitzt auch Nationaltorwart Manuel Neuer, der immer mehr zum Gesicht des Vereins wird. Christoph Metzelder allerdings, bei Real ein nur vereinzelt eingesetzter Hinterbänkler, muss sich den Status eines Stars erst wieder erarbeiten. Der Star unter den Abgängen ist Kevin Kuranyi, der inzwischen für Dynamo Moskau spielt.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Grundsätzlich bevorzugt Magath ein 4-4-2-System mit Raute. Dafür fehlte ihm bisher jedoch ein kreativer Mittelfeldspieler für die Position hinter den Spitzen. Falls es noch gelingt, Zvjezdan Misimovic aus Wolfsburg abzuwerben, wäre dieses Problem gelöst. Ohne klassischen Spielmacher kommt in erster Linie eine Formation mit einer Doppel-Sechs im Mittelfeld und mit zwei Stürmern in Betracht.

Wie viel Macht hat der Trainer?

So viel wie kein anderer Fußball-Lehrer weit und breit. Noch nie ist ein deutscher Vereinstrainer mit so viel Einfluss und Macht in eine neue Saison gestartet – als Trainer, Manager und inzwischen auch Sprecher des Vorstands. Sogar der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies vermeidet es, in der Öffentlichkeit etwas zu sagen, was Magath missfallen könnte. Zudem hat Magath nicht nur im Trainerteam, sondern auch im mittleren Management des FC Schalke mehrere Mitarbeiter seiner Wahl installiert, um noch mehr Kontrolle zu haben. Dennoch beklagt er, die strukturellen Veränderungen im Traditionsklub kämen nicht schnell genug voran.

Was erwarten die Fans?

Vor allem, dass sie ihren Lieblingsverein noch wiedererkennen. Einem Teil der Anhänger gehen die Änderungswünsche des Managers zu weit. Jüngst ereiferten sich die Traditionalisten über die Abberufung des langjährigen Fanbeauftragten Rolf Rojek. Beim Pokalspiel in Aalen brachten Anhänger des FC Schalke ihren Unmut auf einem Transparent zum Ausdruck: „Unser Verein ist keine Diktatur“.

Was ist in dieser Saison möglich?

Das hängt davon ab, was Magath noch an Personal dazubekommt. „Wir haben Spieler im Auge, die mehr Qualität besitzen als diejenigen, die schon da sind“, sagt er. Am dringendsten werden ein kreativer Mittelfeldspieler gesucht und ein hochklassiger Stürmer, dessen Spielweise zu Raul passt. Wenn Magath sie findet und der Verein sie bezahlen kann, erscheint die abermalige Qualifikation für die Champions League möglich.

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