Bundesliga im Test (3) : Greuther Fürth: Nur die Liga zählt

In unserer neuen Serie testen wir jeden Tag einen Fußball-Bundesligisten. Heute: Greuther Fürth. Der Aufsteiger spielt erstmals in der Bundesliga, hat wenig Erfahrung, aber einen Kai Pflaume in der Mannschaft.

von
Noch Single? Gerald Asamoah jobbte zuletzt nicht nur als Reporter fürs Lokalfernsehen, sondern versuchte auch, Mitspieler wie Michael Hefele an die Frau zu bringen. Foto: dapd
Noch Single? Gerald Asamoah jobbte zuletzt nicht nur als Reporter fürs Lokalfernsehen, sondern versuchte auch, Mitspieler wie...Foto: dapd

Was hat sich verbessert?

Die Liga. Greuther Fürth ist in der Bundesliga – das mag banal klingen, kam aber jahrelang einer Utopie gleich. Denn die Fürther verteidigten so oft wie kein anderer Gold in der nicht-olympischen Disziplin „Schlimmer Scheitern“. Mit dem Mythos der Unaufsteigbarkeit haben sie am Ronhof gleich den Fürther Defätismus beerdigt. Vor zwei Jahren telefonierten die Spieler noch den abgesprungenen Dauerkarteninhabern hinterher. Nun war der Ansturm auf die 13 000 verfügbaren Dauerkarten so groß, dass die Bestellseite zusammenbrach. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen selbst in Nürnberg Fürther Fans gesichtet worden sein.

Wer sind die Stars?

Trainer Mike Büskens ist der unumstrittene Liebling. Er wird zwar an der Seitenlinie Kilometer machen, doch einen Stammplatz in der ersten Elf traut man Büskens ebenso wenig zu wie seinem früheren Mitspieler Gerald Asamoah. Auch der steht in der Gunst der Fürther Fans ganz oben, kann aber kaum die Lücke des nach Frankfurt abgewanderten Topstürmers Olivier Occean füllen. Sportliche Hoffnungsträger sind andere: der umsichtige Mittelfeldakteur Stephan Fürstner, der dänische Nationalspieler Tobias Mikkelsen sowie die agilen Außenbahnspieler Sercan Sararer und Bernd Nehrig. Ebenso stark agierte im vorigen Jahr Heinrich Schmidtgal auf der linken Abwehrseite, doch der Kasache ist verletzt. Für Ersatz wäre theoretisch gesorgt: Büskens spielte früher auf der gleichen Position.

Wer hat das Sagen?

Das Wichtigste bei Dankesreden ist, niemanden zu vergessen. Als die Fürther auf dem Rathausbalkon den Aufstieg feierten, ergriff Oberbürgermeister Thomas Jung das Mikro. Er dankte ausdrücklich Präsident Helmut Hack, Trainer Büskens und dem lieben Gott. Viele hätten in der Auflistung statt des lieben Gottes den irdischen Rachid Azzouzi vermutet. Der Mann, der je sieben Jahre als Spieler und Manager am Aufstiegsbaum nagte, blieb unerwähnt. In Fürth steht nun einmal Präsident Hack im Mittelpunkt. Stadionumbau, Dauerkartenverkauf und Stürmersuche bewältigt er nun allein. Azzouzi ging zum FC St. Pauli.

Was erwarten die Fans?

„Das Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt Matthias Schreppel von den Fanorganisation „Sportfreunde Ronhof“, um ironisch anzufügen: „Alternativ als Ziel: vor Nürnberg landen.“

Was ist in dieser Saison möglich?

Entscheidend wird sein, ob man Ersatz für Occean findet. Der Kanadier war der Fixpunkt im schnellen Umschaltspiel der Fürther, ihm gelangen vergangene Saison 17 Tore und neun Vorlagen. Doch ist der Kern der Aufstiegself geblieben. Die meisten Spieler haben Bundesligaformat, doch wenig Bundesligaerfahrung. Prognose: Fürth wird so manchen Großen ärgern, den Trainer zu so mancher Wutrede veranlassen, am Ende aber die Klasse halten.

Und sonst?

Gerald Asamoah wurde in der Saisonvorbereitung zum Kai Pflaume von Fürth. In Videos auf der Facebook-Seite interviewte er seine Mitspieler und pries die Singles der Mannschaft den zuschauenden Damen an.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar