Bundesliga im Test (8) : TSG Hoffenheim: Die Neustarter

Am 20. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken und Schwächen der Vereine. Heute: Die TSG Hoffenheim versucht nach Grabenkämpfen und Umstrukturierung das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen.

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Er gibt die Richtung vor. Trainer Ralf Rangnick muss sich mit seinen Forderungen zurückhalten, ist aber durch den Abgang von Manager Jan Schindelmeiser gestärkt.
Er gibt die Richtung vor. Trainer Ralf Rangnick muss sich mit seinen Forderungen zurückhalten, ist aber durch den Abgang von...Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Im Nachhinein haben sich die vielen Positionskämpfe der vergangenen Saison gelohnt. Das klingt vielleicht seltsam, ist es aber nicht. Der ganze Zoff im Klub führte zu klareren und strafferen Strukturen. Jetzt steht unverrückbar fest: Über allem thront Mäzen Dietmar Hopp. Der lässt keine Gelegenheit aus, das deutlich zu machen. Sportlich ist Trainer Ralf Rangnick wieder ganz allein der starke Mann. Aus diesen Gründen weiß jeder, an wen er sich zu halten hat. Im vergangenen Jahr war das nicht so, was zu zahlreichen Grabenkämpfen und Neiddebatten führte. Hoffenheim hat durch den plötzlichen Abgang von Manager Jan Schindelmeiser, dem Psychologen Hans-Dieter Hermann und diversen Trainern offenbar Ballast über Bord geworfen. Jetzt geht es um einen Neustart, der nur gelingt, wenn sich Erfolge einstellen. Andernfalls droht Ärger.

Wer sind die Stars?

Von Stars und ihren Allüren hat man im Kraichgau eigentlich genug. Man predigt nach dem Neustart lieber unverdrossen das Hohelied des Kollektivs. Carlos Eduardo, der von seiner Klasse her die besten Voraussetzungen zum Star hätte, spricht zu viel von „großen Klubs“, scheint manchem in der badischen Provinz deplatziert und zu oft zu lustlos. Tobias Weis und Andreas Beck versuchen diese Lücke nach Kräften auszufüllen. Hoffenheim will das Team wieder in den Vordergrund stellen. Trainer Rangnick spricht gerne von flacher Hierarchie.

Welche Taktik ist zu erwarten?

4-4-2 mit einer Doppelsechs in der Mitte – alles immer variabel ausgelegt, wie es Trainer Ralf Rangnick sagen würde. Man träumt in Hoffenheim von einer Neuauflage des Traumfußballs von 2008, als die TSG in der Hinrunde mit ihrem schnellen Kurzpassspiel die gesamte Konkurrenz an die Wand spielte. Deshalb will Rangnick mit seiner Mannschaft „das fitteste Team der Liga“ werden und steigerte die Trainingsintensität. „Wir haben noch nie so hart trainiert“, sagt er und erwartet, dass das Mammutprogramm Auswirkungen hat.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Theoretisch sehr viel. Aber die Saison 2010/11 ist für den Vater des Hoffenheimer Aufstiegsmärchens aus der Dritten Liga bis in die Bundesliga ein Bewährungsjahr. Gelingt der Neuaufbau, könnte man sich sogar entschließen, wieder mehr zu investieren. Vorher steht Rangnick unter Beobachtung von Mäzen Hopp und dem von ihm neu installierten Beirat. Der Trainer müsse sich mit den Gegebenheiten des Standortes Hoffenheim abfinden, drohte Hopp. Die Aussage durfte auch als Warnung verstanden werden. Er sei immer der Meinung gewesen, Rangnick sei der richtige Trainer, sagte Hopp, „problematisch wird es nur, wenn er sagt, ich bin ein Champions-League-Trainer“. Es lauert Konfliktpotenzial im Verhältnis Hopp – Rangnick. Der Trainer hält sich zurück, fordert nur zaghaft neue Spieler und wirkt nach den Umbesetzungen (Jugendkoordinator Ernst Tanner wurde Nachfolger Schindelmeisers) erleichtert. Er muss sich nun beweisen.

Was erwarten die Fans?

Keine Meisterschaft, keinen Pokal – aber eine Mannschaft auf dem Platz. Als solche hatte sich das Team ihnen in der vergangenen Saison kaum einmal präsentiert. Im Gegenteil. Es gab gellende Pfiffe und viele Zuschauer, die lange vor Abpfiff das Stadion verließen. Nach dem traumhaften Aufstieg aus dem Amateurlager hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Hoffenheims Spieler müssen das Vertrauen der Fans zurückgewinnen.

Was ist in dieser Saison möglich?

Geht es nach Dietmar Hopp, nicht sehr viel außer Mittelmaß und Bescheidenheit. Ob der Mäzen mit derartigen Aussagen auch die Euphorie bremsen wollte, bleibt sein Geheimnis. Was man in Hoffenheim vor allem braucht, ist eine Art Neustart in die Bundesliga. Hopp erklärte den VfB Stuttgart zum großen Vorbild. Dem Nachbarn gelinge es fast jedes Jahr, die Früchte einer sehr guten Nachwuchsarbeit zu ernten. Das müsse auch bald in Hoffenheim gelingen. Ein einstelliger Tabellenplatz sollte drin sein, die internationalen Plätze dürften allerdings außer Reichweite liegen.

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