Bundesliga im Test (8) : TSG Hoffenheim: Offensiv nach Europa

Am 24. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 50. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 8: Die TSG Hoffenheim will ins internationale Geschäft.

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Markus Babbel will mit Hoffenheim nicht mehr nur ein Ausbildungsverein sein.
Markus Babbel will mit Hoffenheim nicht mehr nur ein Ausbildungsverein sein.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Im fünften Jahr der Erstligazugehörigkeit sind die Hoffenheimer zum ersten Mal so ehrlich, ihre Ziele auch nach außen offensiv zu verkaufen. Trainer Markus Babbel will ins internationale Geschäft. Er selbst spricht von der Europa League. Und für den neuen Torhüter Tim Wiese, nicht eben ein Kind von Bescheidenheit, muss es sogar die Champions League sein.

Wer sind die Stars?

Tim Wiese redet nicht nur von der Champions League, er hat dort auch schon gespielt. Angeblich zog er das Engagement in Hoffenheim sogar einer Anfrage von Real Madrid vor. Interessanterweise hat Bundestrainer Joachim Löw Wiese gleich mal mit der einstweiligen Ausbootung aus der Nationalmannschaft abgestraft. Quasi als Kompensation trug ihm Markus Babbel das Kapitänsamt in Hoffenheim an. Auch die ebenfalls neu verpflichteten Matthieu Delpierre (Stuttgart) und Eren Derdiyok (Leverkusen) werden sich in der mannschaftsinternen Hierarchie nicht hinten anstellen. Und dann ist da noch der Stürmer mit dem spektakulären Namen Joselu, der eigentlich José Luis Sammartin Mato heißt, in Stuttgart geboren wurde und von Real Madrid kommt. Dort war er Torschützenkönig, allerdings nur in der zweiten Mannschaft in der dritten Liga.

Wer hat das Sagen?

Die allumfassende Machtfülle wird immer noch Dietmar Hopp zugewiesen. Der hat früher mal in Hoffenheim gespielt und sein schönstes Tor hält er heute noch in so liebevoller Erinnerung, als wäre es ihm gestern geglückt. Hopp hat die schöne Jugend im Stadion auf dem Berg nicht vergessen und einen hübschen Teil seines mit dem Software-Giganten SAP verdienten Geldes in seinen Jugendklub investiert. Im Schatten dieser alles überstrahlenden Figur hat sich aber längst ein zweiter Machthaber etabliert: der Spielerberater Roger Wittmann, dessen Klienten einen Großteil der Stammplätze in der neuen Mannschaft besetzen. Wittmanns bislang letzter Clou war die Platzierung von Tim Wiese im Kraichgau.

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Was erwarten die Fans?

Die Hoffenheimer Anhängerschaft ist ausschließlich zwischen Rhein und Neckar beheimatet. Da zählt weniger der Erfolg als die regionale Verbundenheit. Tief sitzt die Kränkung und das Misstrauen, nachdem die vormals von den Kraichgauern adoptierten Aufstiegshelden Carlos Eduardo, Demba Ba oder Vedad Ibisevic höchstselbst ihre Transfers zur zahlungskräftigeren Konkurrenz provozierten. Als Markus Babbel in der vergangenen Saison die einheimische Jugend nicht für gut genug befand, hatte das einen mittleren Aufstand zur Folge. Auch Tim Wiese wurde nicht gerade herzlich empfangen, weil für ihn der unter den Fans geschätzte Tom Starke seinen Platz räumen musste. Auf einem Transparent stand: „Wiese – betreten verboten!“ Im Falle sportlichen Misserfolgs wird die Tribüne Babbel und seiner neuen Mannschaft nicht übermäßig viel Geduld entgegenbringen.

Was ist in dieser Saison möglich?

Hoffenheim hat sich in allen Mannschaftsteilen deutlich verbessert. Markus Babbel muss jetzt zusammenfügen, was noch nicht zusammengehört. Gelingt ihm das, könnte es klappen mit einem Einlauf irgendwo um Platz sechs herum.

Und sonst?

Damit auch jeder Spieler Woche für Woche daran denkt, dass die Reise für die TSG 1899 aus Heidelberg in die Europa League gehen soll, hat die Geschäftsführung für den neuen Mannschaftsbus ein eindeutiges Nummernschild bestellt: HD - EL 1899.

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