Bundesliga im Test : Attraktiv durch Disziplin

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 16: Mit dem holländischen Trainer Fred Rutten hat den FC Schalke 04 auch eine neue Philosophie erreicht – und mehr Potenzial im Angriff.

Jörg Strohschein
Rutten
Fred Rutten -Foto: dpa

Was hat sich verbessert?


Der Glaube daran, dass auch der FC Schalke 04 seine Anhänger mit ästhetischen Vorstellungen unterhalten kann. Das Wort Attraktivität im Zusammenhang mit den Darbietungen der Schalker Profis in der abgelaufenen Saison zu erwähnen, hätte sich nicht einmal Andreas Müller getraut. Und der ist immerhin Manager des Klubs. Mit dem Peruaner Jefferson Farfan für den Angriff und dem holländischen Mittelfeldakteur Orlando Engelaar sind zwei Spieler geholt worden, die nicht nur teuer waren – sie kosteten den Verein rund 16 Millionen Euro. Beide haben in der Vorbereitung bereits gezeigt, dass sie mit dem Ball durchaus etwas anfangen können. Und in der Offensive ist Nationalstürmer Kevin Kuranyi nun nicht mehr auf sich allein gestellt. Wohl die erfolgversprechendste Verbesserung.


Wer sind die Stars?
Der Star ist der dritte Neuzugang der Schalker: Fred Rutten. Dem holländischen Trainer ist es innerhalb weniger Wochen gelungen, ein neues Klima bei den Königsblauen zu schaffen. Hart, aber herzlich und gleichberechtigt geht es jetzt zu. Und: Trainingseinheiten von drei Stunden Dauer sind keine Ausnahme. Wer zu spät kommt, zahlt 250 Euro in die Mannschaftskasse. Wer diszipliniert ist, hat bei Fred Rutten nichts zu befürchten. „Aber wehe du drückst den falschen Knopf bei ihm. Dann geht er richtig in die Luft“, sagt Orlando Engelaar, der schon in Enschede unter Rutten trainiert hat.


Welche Taktik ist zu erwarten?
Bei einem holländischen Trainer eine schnell zu beantwortende Frage: natürlich ein 4-3-3. Doch weniger die Taktik, sondern deren Interpretation dürfte die entscheidende Rolle spielen. Ziellose lange Bälle aus der Abwehr heraus sollen unter Rutten der Vergangenheit angehören. Passspiel mit ausgeprägtem Ballbesitz ist das neue Ziel. Auch wenn die Abwehrarbeit weiterhin wichtiger Bestandteil des Schalker Spiels ist, scheint es nun mehr darum zu gehen, Tore zu schießen, als Gegentreffer zu verhindern.


Wer hat das Sagen im Verein?
Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ist der mächtige Mann im Hintergrund. Der Fleischfabrikant hilft schon mal mit einem millionenschweren Kredit aus. Sportlich ist Manager Andreas Müller die entscheidende Person. Die Aufgaben sind klar verteilt.


Wie ist die Stimmung im Stadion?

Selbst denjenigen, die sich zunächst am Ergebnisfußball unter dem letztjährigen Trainer Mirko Slomka erfreuten, war am Ende der Spaß vergangen. Doch auch zu den Schalke-Anhängern ist mittlerweile die Zuversicht zurückgekehrt. Die stets ausverkaufte Gelsenkirchener Arena dürfte nun wieder häufiger brodeln.


Welche Platzierung ist zu erwarten?
Viel hängt von der Champions-League-Qualifikation gegen Atletico Madrid ab – das Hinspiel findet heute (20.15 Uhr/live bei Sat 1) in der Schalker Arena statt. Das Erreichen der Gruppenphase würde den Glauben an die neue Stärke sicher verfestigen. Die Schalker sind durch die neuen Spieler deutlich variabler und weniger berechenbar. Läuft es optimal, können sie um die deutsche Meisterschaft mitspielen. Das Selbstvertrauen dafür können sie sich bereits heute Abend holen.

Morgen: Werder Bremen. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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