Bundesliga im Test : Bayern München: Spione in den Nachtklubs

Unter Louis van Gaal hat die Disziplin Einzug gehalten in München – wenn selbst er nicht den Erfolg zurückbringt, hat der FC Bayern ein größeres Problem.

Sebastian Krass[München]
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Er soll's richten. Alle Münchner Hoffnungen lasten auf Louis van Gaal. -Foto: dpa

Was hat sich verbessert?


Zunächst einmal die Reputation des Cheftrainers. Der alte – Jürgen Klinsmann – hatte noch nie eine Vereinsmannschaft trainiert, der neue – Louis van Gaal – hat schon die Champions League gewonnen (1995 mit Ajax Amsterdam). Außerdem die Tischmanieren beim Mittagessen. Im Trainingslager saßen alle Spieler – auch Luca Toni, wie es erstaunt hieß – kerzengerade am Tisch, ganz wie es dem Disziplinliebhaber Louis van Gaal gefällt. Gänzlich neue Dimensionen erreicht die Überwachung der FC-Bayern-Profis. Rund um den Trainingsplatz hat van Gaal mehrere Kameras installieren lassen, damit ihm und seinen Assistenten kein falscher Laufweg und kein Däumchendreher entgehen. Und auch in Münchens nächtlichen Vergnügungsstätten will der Trainer Späher postieren, die ihm die Ausritte der Profis rapportieren. Klingt wie ein Witz? Stimmt. Aber in Barcelona hat van Gaal daraus Ernst gemacht, „und ich mache das auch hier“, sagt er.

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04.08.2009 18:18Das Transfer-Karussell dreht sich. VfL Wolfsburg: Dieses Jahr war die Trainerfluktuation genauso hoch, wie die der Spieler....



Wer sind die Stars?


Geht man nach dem bestimmenden Thema der vergangenen Wochen, ist der Hauptstar Franck Ribéry. Auch wenn der Franzose gestern wieder ins Training einstieg, weiß niemand, wie sehr er noch an Bayern hängt. Deshalb brauchen die Bayern neue Strahlemänner. Da trifft es sich gut, dass sie schon einen haben: Mario Gomez. Wer 35 Millionen Ablöse gekostet hat, ist per se ein Star. Dass er auch noch das Versprechen vieler Tore und Nebenjobs als Anzugmodel vorweisen kann, macht es schon fast unheimlich. Anatolij Timoschtschuk wurde auch für eine Planstelle als neuer Held gehandelt. Aber das wird wohl erst mal nichts: Erstens hat er nur elf Millionen Euro gekostet. Zweitens kann er nicht einmal das Versprechen vieler Balldiebstähle im defensiven Mittelfeld vorweisen, weil er im Moment keinen Stammplatz hat.



Welche Taktik ist zu erwarten?

Louis van Gaal hat sich früh festgelegt und ist seitdem nullkommanull von dieser Linie abgewichen: Ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld und Positionstreue auf dem ganzen Platz sei das System, „das am besten zu den Fähigkeiten der Spieler passt“, behauptet der Trainer. Dass er mit Mark van Bommel und Timoschtschuk eigentlich eine wunderbare Doppelsechs im Kader hat, beeindruckt van Gaal genauso wenig wie die Zweifel, ob der Freigeist Ribéry sich wirklich auf der zentralen Position des Zehners festketten lässt.

Wie viel Macht hat der Trainer?
So viel, wie der Vorstand ihm lässt. Jürgen Klinsmann hatte nur so lang Narrenfreiheit, bis Uli Hoeneß das Gefühl hatte, die Narreteien nähmen überhand. Erst verbot der Vorstand Klinsmann, Rensing zu degradieren. Dann verweigerte er Klinsmann den Kauf von Landon Donovan. Dann musste Klinsmann gehen. Ob Louis van Gaal Timoschtschuk auf der Bank versauern lassen darf?


Was erwarten die Fans?
Titel, Titel, Titel, was sonst? Und dass Jürgen Klinsmann nie, aber wirklich niiiieee mehr das Vereinsgelände an der Säbener Straße betritt.

Was ist in dieser Saison möglich?
Am wahrscheinlichsten ist natürlich erst einmal die Meisterschaft – wie jede Saison bei diesem Verein. Aber die vergangene Spielzeit hat gezeigt, wie wenig all die Positiv-Propaganda aus der Vorbereitungszeit wert ist, wenn die Saison erst mal läuft. Es ist auch durchaus denkbar, dass Louis van Gaal scheitert – an sich, an seinen Untergebenen und/oder an seinen Vorgesetzten. Doch wenn auch dieser Trainer nicht den erhofften Erfolg bringt, steht dem FC Bayern eine gewaltige Führungskrise ins Haus.

Morgen: VfL Wolfsburg. Alle Folgen: www.tagesspiegel.de/fussball


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