Bundesliga im Test : Der spirituelle Meister

Bis heute haben wir die Vereine der Bundesliga auf Stars, Stimmung und Chancen getestet. Letzte Folge: Beim FC Bayern München ist unter Jürgen Klinsmann vieles anders geworden – aber auch besser?

Sebastian Krass
Klinsmann
Jürgen Klinsmann -Foto: dpa

Was hat sich verbessert?



Eigentlich alles: Essen, Freizeitangebot, Stimmung, spirituelles Umfeld, Trainer sowieso. Mit dieser Aufzählung ließen sich mühelos mehrere Seiten füllen, wenn man alles zusammentrüge, was laut den Bayern angeblich besser geworden ist. Aber viel interessanter ist, was nicht besser geworden ist: der Kader, der vorige Saison zwar das Double gewann, aber zu schlecht war, das Uefa- Cup-Finale zu erreichen. Die einzigen Zugänge sind Tim Borowski und Jörg Butt. Die Vorbereitung hat Borowski weitgehend verpasst. Und Butt soll erst gar keine Verstärkung werden, er ist ja nur Ersatztorwart. Die Frage kann man besser nach 100 Tagen Klinsmann beantworten. Jeder Spieler soll jeden Tag, also 100-mal, ein Stück besser geworden sein.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Die Vision ist One-Touch-Fußball, um mal ein Steinchen aus Klinsmanns Wortbaukasten zu verwenden. Schnell, vertikal, offensiv, kurzum: spektakulär soll es werden. Die Gegenwart aber ist Fußball alter Schule. Gegen Inter Mailand (Test) und Erfurt (DFB-Pokal) spielten die Bayern langsam, meist horizontal, konfus, kurzum: öde. Die taktische Formation aber zeichnet sich ab. Die Bayern werden mit zwei Stürmern spielen. Klinsmann hält nichts vom Trend zum Solo-Stürmer. Der reibe sich vorn nur auf, glaubt der ehemalige Angreifer. Insgesamt wird es auf ein 4-4-2 hinauslaufen. Wenn die Bayern aber auf einen Gegner mit nur einem Stürmer treffen, will der Trainer auf 3-5-2 umstellen, weil er glaubt, dass sonst eine Position in der Defensive verschenkt wäre.



Wer sind die Stars?

Mangels neuer Spieler am ehesten weiterhin Franck Ribéry und Luca Toni. Allerdings sind beide verletzt und heute beim Start in die Saison gegen den Hamburger SV (20.30 Uhr, live in der ARD) nicht dabei. Ausgleichende Gerechtigkeit könnte man das nennen, den Hamburgern fehlt auch ihr bisher einziger Star Rafael van der Vaart. Die deutschen Nationalspieler im Kader der Bayern (Klose, Podolski, Schweinsteiger, Lahm, Jansen, Borowski) haben nach der Vorbereitung vorerst keinen Star-Status verdient.

Wer hat das Sagen im Verein?

Jürgen Klinsmann, wer sonst? Die beiden Platzhirsche Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge mussten einiges von ihrem Einfluss abgeben. Doch bisher ist das Verhältnis zwischen den alten Machthabern und dem neuen Bestimmer laut offizieller Sprachregelung bestens. Uli Hoeneß darf sogar weiterhin auf der Bank sitzen.

Wie ist die Stimmung im Stadion?

In der Arena herrscht eine „Scheißstimmung“ – um Manager Hoeneß, in allerdings stark verkürzter Weise, zu zitieren. In Wirklichkeit hat er bei seinem legendären Auftritt auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen November gesagt: „Eure Scheißstimmung, dafür seid ihr und nicht wir verantwortlich!“ Normalerweise würden die Bayernbosse das natürlich nie so sagen, wahrscheinlich auch nicht denken. Sonst täte ihnen jede Rate, die sie für den Prunkbau abzahlen müssen, noch mehr weh als ohnehin schon. In Wirklichkeit ist die Stimmung im Stadion – nun ja. Wenn man bedenkt, dass es praktisch immer ausverkauft ist und dass die Fans jemanden wie Franck Ribéry spielen sehen dürfen, dann ist die Stimmung mit Hoeneß’ Formulierung eigentlich ganz gut charakterisiert.

Welche Platzierung ist zu erwarten?

Platz eins – trotz allen Ärgers, der auch zu erwarten ist.

Die komplette Serie im Internet: www.tagesspiegel.de/sport

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