Bundesliga im Test : Hoffenheim: Wo Schönheit mit Erfolg flirtet

Ein alter und neuer Zugang lässt Hoffenheim auf eine Wiederholung der vergangenen Hinrunde hoffen. Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil zwölf: 1899 Hoffenheim.

Sven Goldmann
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Volle Pulle. Der genesene Vedad Ibisevic soll wieder für Hoffenheim treffen. Foto: dpadpa

Was hat sich verbessert?


Ein halbes Jahr lang hat Hoffenheim den schönsten Fußball der Bundesliga gespielt. Dann rissen Bänder von ein paar Spielern, es gab ein paar Rote Karten und die Erkenntnis, dass der Kader nicht breit genug besetzt war. Also hat der Verein für seine zweite Bundesligasaison noch einmal geschätzt 16 Millionen Euro in neues Personal investiert, allein sieben Millionen in Josip Simunic. Der beste Innenverteidiger der Liga macht Hoffenheim dort besser, wo das Team bisher schwach war. 49 Gegentore hatte die Mannschaft kassiert, nur fünf weniger als Absteiger Karlsruhe.

Wer sind die Stars?
Vom Argentinier Franco Zuculini behauptet ein gewisser Diego Maradona, der werde im kommenden Sommer einer der Stars bei der WM in Südafrika sein. Das verpflichtet, genauso wie die auf 80 Millionen Euro taxierte Ablösesumme, die sich Carlos Eduardo in seinen bis 2013 verlängerten Vertrag schreiben ließ. Wenn der Brasilianer sein Temperament in den Griff bekommt, könnte er im zentralen Mittelfeld zu einer der überragenden Spielerpersönlichkeiten der Bundesliga werden, vorsichtshalber hat er sein Leibchen mit der Nummer 33 gegen das mit der prestigeträchtigen 10 getauscht. Und dann ist da noch einer, der auch als Zugang gelten kann, weil er so lange weg war. Vedad Ibisevic kehrt ein halbes Jahr nach seinem Kreuzbandriss zurück. Der Bosnier reanimiert Hoffnungen, die er mit seiner sagenhaften Quote (18 Tore in 17 Hinrundenspielen) selbst geweckt hat.

Welche Taktik ist zu erwarten?
Im vergangenen Jahr präferierte Ralf Rangnick eigentlich ein 4-4-2 mit dem Angriffsduo Demba Ba und Chinedu Obasi. Dann aber musste Obasi zur nigerianischen Olympiamannschaft, sein Vertreter Ibisevic schlug großartig ein, und weil der Hoffenheimer Trainer keinen seiner drei Angreifer draußen lassen mochte, stieg er auf ein 4-3-3 um. Vor dieser Saison sieht es anders aus. Zwar ist Ibisevic fit, und auch Obasi hat die komplette Vorbereitung mitgemacht. Dafür hat Ba durch seinen Flirt mit dem VfB Stuttgart Sympathien verspielt. Weil der Franko-Senegalese außerdem mit Verletzungsproblemen kämpft, dürfte Rangnick zum Saisonstart eine Besetzung im 4-4-2-Format aufbieten, mit einer Raute, deren Fixpunkte die zentralen Mittelfeldkräfte Carlos Eduardo (offensiv) und Luiz Gustavo (defensiv) sind.

Wie viel Macht hat der Trainer?
Als die Not nach dem Einbruch in der Rückrunde am größten war, hat Ralf Rangnick einen Mini-Aufstand gegen Hoffenheims Finanzier Dietmar Hopp gewagt. Die Botschaft war vorsichtig formuliert, ihr Inhalt aber bedeutete: Entweder es wird neues Geld in die Mannschaft investiert, oder ich gehe. Das wirkte ein bisschen deplatziert, schließlich war eine Mitschuld des Trainers am Sturz ins Mittelfeld nicht auszuschließen. Für ein paar Tage schien Rangnick auf der Kippe zu stehen, aber dann spielte Hoffenheim die alte Saison anständig zu Ende und bereitete die neue nach den Vorgaben des Trainers vor. Das viele Geld, das Hoffenheim investierte, spricht für das Ansehen, das Ralf Rangnick auch bei Dietmar Hopp nach wie vor genießt.

Was erwarten die Fans?
Drei Wochen vor Saisonbeginn stellte der Verein nach 20 000 verkauften Dauerkarten den Vorverkauf ein, um einem Restpublikum den Kauf einer Tageskarte zu ermöglichen. An Rhein und Neckar sind sie nach dem rasanten Aufstieg der vergangenen Jahre so genügsam, dass sie nichts erwarten, bestenfalls erhoffen: dass Schönheit und Erfolg wieder eine Symbiose eingehen wie in der ersten Hälfte der vorigen Saison.

Was ist in dieser Saison möglich?
Niemand in Hoffenheim spricht offiziell vom internationalen Geschäft als Saisonziel. Wo aber soll es schon hingehen für ein Team, das als Aufsteiger lange an der Tabellenspitze stand, das für viel Geld punktuell verstärkt wurde und endlich wieder auf die Tore jenes Mannes bauen kann, der oft mit Gerd Müller verglichen wird? Hoffenheim wird wohl nicht um den Titel spielen, könnte aber gute Chancen für einen Champions-League-Platz haben.

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