Bundesliga im Test : Im Zweifel destruktiv

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 10: Eintracht Frankfurt. Fazit: Wer nach vorne will, muss mehr als attraktiven Fussball spielen.

Frank Hellmann
Ioannis Amanatidis
Der Frankfurter Kapitän Ioannis Amanatidis genießt großes Ansehen unter den Fans. -Foto: dpa

Was hat sich verbessert?



Das Potenzial des Kaders. Zwar ist Eintracht Frankfurt vom einstigen Ziel abgekehrt, junge deutsche Spieler aus der Region zu fördern, dafür investiert der Klub mit Kalkül in entwicklungsfähige ausländische Kräfte. Der österreichische Wirbelwind Ümit Korkmaz (brach sich dummerweise beim ersten Training den Fuß) oder der schlaksige Franzose Habib Bellaid sollten das Niveau ebenso verbessern, wie es der tschechische Wintereinkauf Martin Fenin schon tat.

Auch dem früheren Bayern-Profi Markus Steinhöfer und dem griechischen Oldie Nikos Liberopoulos wird einiges zugetraut. In der Breite sind die Hessen stärker. Aber nie und nimmer stark genug für den Sprung in die Spitze.

Wer sind die Stars?

Die Aufstiegsmannschaft 2005 war weitgehend eine starfreie Zone, mittlerweile kann der Klub auch wieder Stars und Sternchen vorzeigen. Kapitän und Torjäger Ioannis Amanatidis genießt größte Achtung und höchste Sympathiewerte, Sturmkollege Fenin ist nicht nur sehr talentiert, sondern auch sehr attraktiv und Schwarm aller jungen Singles im Rhein-Main-Gebiet. Eher belächelte Kultfigur ist der Brasilianer Caio César Alves dos Santos, genannt Caio.

Soll ein feiner Techniker sein, ist auf jeden Fall ein guter Esser und definitiv zu dick. Hinterließ seine Wohnung zudem ziemlich versudelt. Scheint ignorant gegen alle guten Ratschläge und dürfte das teuerste Missverständnis der Vereinsgeschichte werden. Caio wird von den Fans trotzdem manisch verehrt. Potenzial hat auch der kleine Korkmaz, wenn er denn nach seiner Genesung im Herbst mal losdribbeln darf.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Auch Trainer Friedhelm Funkel will schneller, direkter, attraktiver nach vorne spielen lassen. Hört, hört. Doch in der Praxis dürfte der 54-Jährige wieder den bewährten „kompakten Auftritt“ seiner Vertrauten einfordern. Das geschieht mal in einem 4-4-2-System, meist aber in einem 4-3-2-1. Will heißen: eine Spitze, zwei Halbstürmer, Dreier-Mittelfeld.

Und geht es gegen die Großen wie Bayern, Bremen, Schalke, sind alle defensiven und destruktiven Mittel recht. Übrigens auch die bewusste Provokation gegen Stars wie Diego oder das Lamentieren beim Schiedsrichter. Eines hat Funkel immerhin in solchen Partien abgeschafft: die Installation eines Liberos in einer Dreierkette.

Wer hat das Sagen im Verein?

Nur einer: Heribert Bruchhagen. Der knorrige Ostwestfale hat die beharrliche Fortentwicklung maßgeblich vorangetrieben, weil er sich nicht hat beirren lassen. Nach eigener Aussage beschäftigt sich der ehemalige DFL-Geschäftsführer, der bis heute eine besondere Vorliebe für seinen früheren Verein Arminia Bielefeld hegt, 24 Stunden am Tag mit Fußball.

Er lässt sich nicht treiben, nicht reinreden, nicht gängeln. Geduldet sind nur vertraute Berater, die in erster Linie Trainer Friedhelm Funkel und Scout Bernd Hölzenbein heißen. Eitle Selbstdarsteller und Plaudertaschen wie der sonnenhungrige Vereinpräsident Peter Fischer sind teilweise vom Informationsfluss abgeschnitten. Die meisten Transfers laufen so im Verborgenen ab.

Wie ist die Stimmung im Stadion?

Bestens. Besser geht es in der Bundesliga kaum. Eintracht Frankfurt weiß eine große Zahl Ultra-Anhänger hinter sich. Die Akustik in der schmucken Arena ist ohrenbetäubend, die Unterstützung vorbildlich, weil der Eintracht-Fan nach den langen Jahren fußballerischer Enttäuschungen immer noch mit wenig zufrieden ist.

Die Hälfte der Heimspiele war ausverkauft, der Zuschauerschnitt lag zuletzt bei 47 625. Tendenz: weiter steigend. 300 frei werdende Business-Seats waren zuletzt binnen wenigen Stunden verkauft, dasselbe galt für das Freundschaftsspiel gegen Real Madrid am 12. August. Hält der Boom so an, ist bald nicht mal mehr Platz für den Eintracht-Steinadler Attila.

Welche Platzierung ist zu erwarten?

Genau die, die Vorstand Bruchhagen ("Ein Platz im grauen Mittelmaß“) und Aufsichtsrat Herbert Becker ("Zwischen acht und elf“) auch offiziell ausgeben.

Morgen: Hannover 96. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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