Bundesliga im Test : Mainz 05: Trainieren, bis der Arzt kommt

Der FSV Mainz 05 hofft auf die Genesung seiner vielen Verletzten, den Klassenerhalt – und zwei Siege gegen Eintracht Frankfurt.

Christian Tretbar[Mainz]
Ivanschitz
Der neue Star. Der Mainzer Zugang Andreas Ivanschitz ist zumindest in Österreich prominent. -Foto: dpa

Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil zwei: FSV Mainz 05.

Was hat sich verbessert? Die Perspektive. Keiner wusste zu Beginn der vergangenen Saison, ob das Jahr eins nach Jürgen Klopp auch so locker-flockig laufen würde. Der Kulttrainer ging nach Dortmund und mit Jörn Andersen kam ein Mann, der gerade mit seinem Verein Kickers Offenbach in die Dritte Liga abgestiegen war. Doch gleich im ersten Anlauf spielten sich die Mainzer wieder nach oben. Dort müssen sie auch bleiben, wenn sie sich ihre Perspektive nicht kaputt machen wollen: als etablierter Erstligist 2011 in ein eigenes neues Stadion einzuziehen.

Wer sind die Stars? Die Mediziner. Auf die kommt es angesichts mehrerer Verletzter jetzt wirklich an. Der Kader ist eigentlich gut bestückt. Mit Markus Feulner hat zwar ein wichtiger Mann die Mainzer verlassen, dafür haben sie sich gut verstärkt. Filip Trojan will endlich seinen Bundesliga-Durchbruch schaffen. Eugen Polanski, der ein Jahr unglücklich beim spanischen Erstligisten FC Getafe gastiert hat und zuvor bei Borussia Mönchengladbach gespielt hatte, soll im Mittelfeld Regie führen. Seit gestern ist außerdem der Wechsel von Andreas Ivanschitz perfekt, ein Star immerhin in Österreich. Er führte 2008 seine Nationalmannschaft als Kapitän an, kam aber in der vergangenen Spielzeit bei Panathinaikos Athen nicht mehr groß zum Einsatz. Das Problem ist nur, dass mit Trojan und Polanski zwei der drei Neuen verletzt sind. Hinzu kommen Lädierungen weiterer wichtiger Spieler. So fallen die Stürmer Srdjan Baljak und Chadli Amri aus, ebenso Innenverteidiger Bo Svensson. Sie alle werden wohl zum Saisonauftakt fehlen. Aber bis alle gesund sind, gibt es ja noch Aristide Bancé. Der Stürmer aus Burkina Faso hat schon mit seinen Toren im DFB-Pokal gegen Schalke und Leverkusen auf sich aufmerksam gemacht. Er könnte eine Bereicherung für die Liga werden – auch wegen seiner wasserstoffblond gefärbten Haare.

Welche Taktik ist zu erwarten? Eine mit Leidenschaft und Offensivgeist, was für eine denn sonst? Die Mainzer müssen als Aufsteiger zwar zusehen, dass sie vor allem defensiv gut stehen, aber es würde nicht zu ihrem Naturell passen, ein Abwehrbollwerk aufzubauen. Mainz lebt nun mal von Kampfgeist und Leidenschaft. Ein 4-4-2-System steht dem aber nicht im Weg; deshalb lässt Trainer Andersen das auch spielen. Er ist jedoch variabel, vor allem wenn so viele Spieler verletzt sind wie derzeit.

Wie viel Macht hat der Trainer? Genug. Jörn Andersen hat sich Respekt erarbeitet. Und, viel wichtiger noch, er hat sich schnell von seinem Vorgänger Jürgen Klopp emanzipiert. Dass so wenige Leistungsträger den Verein verlassen haben, zeigt auch, dass der Coach einen Draht zu seinen Spielern hat – und in die Führungsetage. So kann er das locker-flockig Aufgebaute festigen. Ein Alleinherrscher ist Jörn Andersen aber nicht, weil es so etwas in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt nicht gibt. Bis auf einen: Kurt Beck, aber der ist FCK-Fan und in der Zweiten Liga.

Was erwarten die Fans? Dramatik, den Klassenerhalt und zwei Siege gegen den Nachbarn aus Frankfurt am Main. Das sind die Saisonziele der Anhänger am Bruchweg-Stadion. Seit dem letzten Aufstieg 2004 hat sich dort eine relativ stabile Fanszene etabliert. Auch in der Zweiten Liga blieben die meisten von denen, die erst durch den Bundesliga-Aufstieg zum FSV gekommen sind, ihrem Verein treu. Ein paar Event-Fans gibt es zwar immer noch, aber einige von ihnen sind doch schon zu echten 05ern mutiert.

Was ist in dieser Saison möglich? Der Klassenerhalt, nicht weniger. Zwar könnte der Saisonstart schwierig werden, weil die Ärzte nicht alle Leistungsträger rechtzeitig fit bekommen dürften. Aber insgesamt hat der Kader eine gute Substanz. Die Euphorie ist in Mainz ohnehin das beste taktische Mittel und da läuft alles nach Plan. Denn schon am dritten Spieltag kommen die Bayern zum Gastspiel. Und gegen die Großen sehen die kleinen Mainzer immer am besten aus.

Morgen: SC Freiburg. Alle Folgen zum Nachlesen: www.tagesspiegel.de/fussball

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