Bundesliga im Test : Trainer ohne Alibi

Frank Pagelsdorf steht unter Druck: Hansa Rostock kann kaum investieren, will aber den Abstieg vermeiden.

Karsten Doneck

Was hat sich verbessert?

Die Ligazugehörigkeit, aber sonst? Nach zwei Jahren reist der FC Hansa wieder Erster Klasse durch Fußball-Deutschland. Aber die Rostocker haben nach wie vor Schulden von geschätzt rund acht Millionen Euro. Es fehlt also Geld, um in dem Maße investieren zu können, wie das für einen Aufsteiger bitter nötig wäre. Durch die Vermarktung des Stadionnamens für 1,5 Millionen Euro pro Jahr (das Ostseestadion heißt dafür jetzt DKB-Arena) und dank des neuen Trikotsponsors, dem Bekleidungsdiscounter Kik, der rund zwei Millionen Euro spendiert, konnten wenigstens ein paar – maximal semi-prominente – Profis neu hinzugekauft werden.

Wer sind die Stars? In Rostock wird Wert gelegt auf funktionierendes Teamwork. Und als der Verein das Wagnis eingehen wollte, seine Mannschaft durch einen so genannten Stareinkauf etwas aufzupeppen, klappte das nicht: Den exzentrischen Stürmer Ailton schnappte der MSV Duisburg mit einem besseren finanziellen Angebot den Rostockern vor der Nase weg. Jetzt übernimmt ein Mann wie Stefan Beinlich die Führungsarbeit auf dem Platz. Sofern er kann. Beinlich ist mittlerweile 35 Jahre alt, hat 279 Bundesligaspiele in den Waden und häufiger schon mal Beschwerden im Bewegungsapparat. Hält er eine strapaziöse Erstliga-Saison überhaupt durch?

Wie sicher ist der Job des Trainers? Frank Pagelsdorf ist mit Hansa Rostock aufgestiegen. Ein solcher Erfolg gilt allemal als Arbeitsplatzgarantie – aber nur für die ersten Wochen einer Saison. Im Machtkampf mit Manager Stefan Studer hat sich Pagelsdorf unlängst klar behauptet. Studer hatte die Suche nach Verstärkungen – nach Pagelsdorfs Ansicht – zu sehr schleifen lassen. Der Manager wurde entlassen. Für Pagelsdorf ein zweifelhafter Erfolg. Ihm wurde sogleich unterstellt, er wolle sich nun in Rostock installieren wie Felix Magath beim VfL Wolfsburg: als Trainer und Manager in einer Person. Derlei Machtfülle empfand aber Aufsichtsratschef Horst Klinkmann als zu opulent. Er vereitelte den Plan, begleitet von ein paar mahnenden Worten. „Der Trainer hat jetzt kein Alibi mehr. Er steht in der Pflicht“, sagte Klinkmann.

Welche Taktik ist zu erwarten? Nur 30 Gegentore in 34 Spielen: Hansa hatte in der vorigen Saison die beste Abwehr der Zweiten Liga. Auf ihre Defensivstärke wird sich die Mannschaft auch eine Klasse höher stützen müssen. Hinten sicher stehen und gelegentlich den schnellen Weg an des Gegners Strafraum suchen – das wird die Devise sein. Mit Gledson (zum VfB Stuttgart) und Torwart Schober (Schalke) brachen aber zwei Eckpfeiler aus der Abwehr heraus. Anstelle des Brasilianers Gledson wird nun dessen Landsmann Orestes, von Naval 10 de Maio (Portugal) geholt, den Abwehrchef spielen. Das Tor hütet in Zukunft Stefan Wächter, zuvor Ersatzmann beim Hamburger SV.

Wer hat das Sagen im Verein? Professor Horst Klinkmann, Spezialist für Nierenheilkunde und Blutreinigung, gibt als Aufsichtsratsvorsitzender maßgeblich die Richtung vor. Einer muss es ja machen. Vorstandschef Dirk Grabow hält sich meist kleinlaut im Hintergrund. Der ehedem starke Mann aus dem Aufsichtsrat, Wolfgang Holz, hat sich vor einiger Zeit krankheitsbedignt aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Herbert Maronn ist ein Jahr nach seinem Rücktritt wieder Manager anstelle von Studer, hat aber aufgrund fehlender Finanzen nur einen begrenzten Handlungsspielraum.

Wie ist die Stimmung im Stadion? Hansa wird zur Anhebung des Zuschauerschnitts in der Bundesliga keinen Beitrag liefern können. 37 644 Zuschauer kamen in der vorigen Saison im Schnitt in die Stadien, Rostocks Arena fasst aber gerade mal 29 000. Vor dem Abstieg in der Saison 04/05 erreichte Hansa den dürftigen Schnitt von 19 020, nur ein Spiel - das gegen die Bayern - war ausverkauft. Bei manchem so genannten Fan wäre der Klub indes froh, wenn er denn während der Heimspiele zu Hause bliebe. Selbst bei der Aufstiegsfeier Ende Mai attackierten alkoholisierte Rowdys die Polizei. Ein Testspiel beim VfL Osnabrück, geplant für den 21. Juli, wurde auf Anraten der Polizei abgesagt – aus Sorge vor Ausschreitungen. Es gab die beunruhigende Nachricht, dass sich 80 gewaltbereite Rostocker auf den Weg nach Osnabrück machen wollten.


Welche Platzierung ist möglich? Es geht um nichts anderes, als drei andere Mannschaften hinter sich zu lassen. Und das wird schon schwer genug.

Morgen: Karlsruher SC

Folge 2:

FC HANSA

ROSTOCK

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