Bundesliga im Test : VfL Bochum: Tabellenletzter bei den Fans

Der VfL Bochum hat kaum Dauerkarten verkauft – aber immerhin im Kader gilt das Prinzip Hoffnung.

Richard Leipold[Bochum]
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In Bochum kein Held. Shinji Ono ist nur in Japan ein Star. Foto: ddpddp

Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil fünf: VfL Bochum.

Was hat sich verbessert?
Die Ergebnisse der Testspiele. Im vergangenen Sommer gelang dem VfL während der Vorbereitung kein Sieg, diesmal hat die Mannschaft vier der ersten fünf Spiele gewonnen. Außerdem werden die Wege kürzer, wenn auch nicht unbedingt auf dem Rasen: Das neue Mannschaftsquartier, ein Hotel mit vier Sternen, liegt nur ein paar Schritte vom Bochumer Stadion entfernt. Warum also in die Ferne schweifen? Die Mannschaft hingegen hat sich wohl kaum verbessert. Ein schwedischer Mittelfeldspieler namens Johansson und ein slowenischer Stürmer namens Dedic stehen, wie viele Ankömmlinge vor ihnen, für das Prinzip Hoffnung.

Wer sind die Stars?

Wozu braucht der VfL Bochum Stars? Ein Verein ohne Stars kann auch Charme haben, vor allem wenn er sich so hartnäckig hält wie dieser unauffällige, familiär angehauchte Ruhrgebiets-Bundesligist. Mittelfeldstratege Shinji Ono mag in seiner Heimat Japan ein Star sein, in Bochum hat er sich auch im zweiten Jahr nur als technisch versierter, aber nicht gerade robuster Mitläufer erwiesen. Torjäger Stanislav Sestak könnte ein Star werden, ist es aber noch nicht – sonst wäre er vermutlich schon weg.

Welche Taktik ist zu erwarten?
Unabhängig vom 4-4-2, mit oder ohne Raute, mit Ono oder mit Epalle als Regisseur, geht es für den VfL darum, ein bisschen weniger schlecht Fußball zu spielen als drei oder im Notfall zwei andere Mannschaften. Vor allem geht es darum, in den unmittelbaren Vergleichen gegen Mitbewerber aus der unteren Tabellenhälfte möglichst viele Punkte zu holen. Das ist der Plan. In mehr als drei Jahrzehnten Bundesligazugehörigkeit ist er oft aufgegangen, manchmal aber auch nicht.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Von Macht zu sprechen erscheint bei Marcel Koller übertrieben. Aber solange der stets beherrscht wirkende Coach den Aufsichtsratschef Werner Altegoer auf seiner Seite hat, kann ihm nichts passieren. Selbst dann nicht, wenn der formal für die Trainerfrage zuständige Vorstand ins Grübeln kommt wie nach der schwachen Hinrunde der vorherigen Saison. Altegoer hält viel von Koller, „fachlich und charakterlich“. Das hilft dem Trainer gegen Anfeindungen von außen – wie im vergangenen Dezember, als ein Machtwort aus dem Aufsichtsrat die Zweifel an Kollers Verbleib umgehend zerstreute.

Was erwarten die Fans?
Offenbar nicht viel. Der VfL Bochum hat 6700 Dauerkarten abgesetzt. Hier ist der Revierklub Tabellenletzter, mit einem Rückstand, der die Verantwortlichen deprimieren muss. Der SC Freiburg, Vorletzter in der Rangliste, hat fast doppelt so viele Abos verkauft. So mancher Bochumer scheint des ewigen Abstiegskampfes überdrüssig. Von denen, die regelmäßig ins Stadion gehen, würden viele gern den Trainer fortjagen. „Koller raus!“-Rufe gehören längst zum Repertoire der Fans, sobald der VfL zwei oder mehr Spiele am Stück verliert. Der Fußballlehrer aus der Schweiz hat die Herzen der Bochumer nie erreicht, obwohl er zum vierten Mal nacheinander mit dem VfL in eine Erstligasaison geht. Dieses Kunststück haben vor ihm nur zwei Trainer fertiggebracht. Deren Namen verraten, wie lange das her ist: Heinz Höher und Rolf Schafstall.

Was ist in dieser Saison möglich?
Als der VfL jüngst seinen neuen Hauptsponsor vorstellte, sagte ein Geschäftsführer des Markendiscounters „Netto“, Bochum solle dem Stellenwert der Firma entsprechend versuchen, die Nummer drei zu werden, „nicht nur im Ruhrgebiet, sondern national“. Ob der Mann dieses Ziel noch in diesem Jahrhundert erreicht sehen will, blieb offen. Für den VfL ist es so weit entfernt wie netto von brutto. Dennoch könnte Platz drei oder vier für die notorischen Abstiegskämpfer ein Richtwert sein – von unten betrachtet.

Morgen: Eintracht Frankfurt. Alle Folgen der Bundesliga-Serie zum Nachlesen: www.tagesspiegel.de/fussball

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