Bundesliga im Test : Wolfsburg: Grün-weiß wird bolzplatztauglich

Mit einem fast unveränderten Team und aufpoliertem Image will der VfL Wolfsburg seinen Titel verteidigen.

Christian Otto[Wolfsburg]
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Die Wolfsburger Torjäger Dzeko und Grafite (unten) machen auch in dieser Saison die Strafräume der Liga unsicher. -Foto: dpa

Was hat sich verbessert?


Das Image. Fast alles rund um die VW-Arena – und mit diesem Namen fingen die Probleme bisher immer schon an – wirkt wie eine Mischung aus Serienproduktion und Disney-World. Dass das gesamte Trainingsgelände wie geleckt aussieht und perfekt zum Image eines Werksklubs passt, gleichen die Spieler mit ihrer sympathischen Art aus. „Isch werde diese Tag vergesse nie“, sagt Torjäger Grafite in bester Ailton-Manier und schwärmt immer noch von den vielen Papierschnippselchen, die bei der Meisterschaftsfeier vom Himmel rieselten und endlich einmal alles so schön unordentlich machten.



Wer sind die Stars?

Grafite und sein Sturmpartner Edin Dzeko. Der Bosnier lässt keine Gelegenheit aus, weiterhin zu betonen, dass eigentlich der AC Mailand sein Lieblingsverein ist. Dass ihm das in Wolfsburg niemand übel nimmt, liegt an seiner bubenhaften Erscheinung und den vielen Toren, die er gemeinsam mit Grafite produziert. Als Ersatzstar ist der Nigerianer Obafemi Martins von Newcastle United gekauft worden. Der Mann wird zunächst nur die Ersatzbank verstärken, kann aber sehr gut turnen. Für die investierten zehn Millionen Euro besteht die unterhaltsame Chance, dass er seine Torjubel-Flickflacks auch einmal auf dem sogenannten Trainingshügel des Leidens zeigt.



Welche Taktik ist zu erwarten?

Die gleiche wie auf dem Weg zur überraschenden Meisterschaft. Denn die erfolgreiche Mannschaft ist nahezu unverändert geblieben. Das wird bedeuten: Von hinten dirigiert der Schweizer Torhüter Diego Benaglio seine Vorderleute mit einem interessanten Kauderwelsch aus mindestens vier verschiedenen Sprachen. Den Ball bekommt der VfL meistens so ins gegnerische Tor: Grätsche des unkaputtbaren Andrea Barzagli, Drei-Meter-Pass von Kapitän Josué auf Spielmacher Zvjezdan Misimovic. Den Rest erledigen im Angriff Grafite und Dzeko.


Wie viel Macht hat der Trainer?
Mehr geht nicht. Zum schweren Erbe von Felix Magath gehört auch, dass Armin Veh die Rolle des Trainers, Sportdirektors und Geschäftsführers zugleich spielt. Diese Ämterhäufung führt dazu, dass der gebürtige Augsburger gleich zwei Büros in der VW-Arena bezogen hat. Eines im Untergeschoss in der Nähe der Umkleidekabine, wo er meistens in kurzer Hose anzutreffen ist. Das andere liegt zwei Etagen höher in der Teppichetage der VfL GmbH. Dort trägt Veh feinen Zwirn und macht – falls es etwas zu verhandeln gibt – ein deutlich ernsteres Gesicht als unten.



Was erwarten die Fans?

Weniger Hohn und Spott. Wer es in den vergangenen Jahren gewagt hat, mit einem Trikot vom Mittellandkanal eine Fußballkneipe zu betreten, hatte einen schweren Stand. Aber grün-weiß macht sich. Während der Sommerpause und der Schulferien war bundesweit nicht zu übersehen, dass sich kleine Jungen auf dem Bolzplatz durchaus trauen, in einem Wolfsburger Trikot als Edin Dzeko aufzutreten. Im Stadion werden die VfL-Fans erwarten, dass man ihnen endlich richtig zuhört. In der kleinen Fankurve wissen sie nämlich ganz genau, wie man den Namen von Grafite phonetisch korrekt brüllt. Der Mann heißt GRA-VIE-TEE. Und nicht Grafitschi, wie es der sture Herr Magath immer behauptet hat.

Was ist in dieser Saison möglich?
Es ist durchaus möglich, dass der VfL nicht noch einmal Deutscher Meister wird. Die großen Fußball-Standorte werden alles Erdenkliche dagegen unternehmen. In der Champions League aber, dort sieht sich Volkswagen in der Liga der Autobauer bekanntlich auch, könnte der mondäne Klub aus dem ehemaligen Zonenrandgebiet durchaus auch Madrid, Manchester oder Mailand ausbremsen.

Alle Folgen der Serie zum Nachlesen: www.tagesspiegel.de/fussball

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