Bundesliga im Test : Zurück in der Realität

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 13: Vom Meistertitel geblendet. Der VfB Stuttgart muss erst einmal Ordnung in die Abwehr bringen

Lukas Hermsmeier

Was hat sich verbessert?

Als die vergangene Spielzeit schon längst begonnen hatte, war ein Großteil der Stuttgarter mit den Gedanken noch bei der Meisterfeier auf dem Schlossplatz. Doch das zurückliegende, ernüchternde Jahr hat die Überraschungs-Meister von 2007 wieder in die Realität geholt. Speziell die jungen Spieler haben aus diesen Erfahrungen gelernt. Dass die Erwartungshaltung in diesem Sommer deutlich geringer ist, kann für den VfB demnach nur von Vorteil sein. Zudem wurde der Kader erfolgreich ausgedünnt. Mitläufer wie Antonio da Silva oder Alexander Farnerud wurde der VfB genauso los wie den ungeliebten Torwart Raphael Schäfer. Auch Kapitän Fernando Meira wurde abgegeben.

Wer sind die Stars? Stürmer Mario Gomez steht über allen. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Gomez zu Bayern München wechselt. Weil Gomez seinen Vertrag beim VfB bis 2012 verlängert hat, werden die Münchner allerdings auch 2009 viel Geld überweisen müssen. Konkurrenz hat Gomez in Nationaltorhüter Jens Lehmann bekommen. Zum neuen Kapitän wurde Musterprofi Thomas Hitzlsperger bestimmt. Seine extrem höfliche Art wird aber verhindern, dass er zum Star wird.

Welche Taktik ist zu erwarten?
Das klassische 4-4-2 ist das favorisierte System von Trainer Armin Veh. 57 Gegentore in der letzten Saison – damit hatte der VfB die drittschlechteste Abwehr der Liga. Alle drei Absteiger kassierten weniger Gegentore. Daher wird dieses Jahr auch die Hauptaufgabe darin bestehen, die Defensive zu stabilisieren. Weil der Franzose Matthieu Delpierre in der Innenverteidigung gesetzt ist und Veh weder auf den jungen Serdar Tasci noch auf den holländischen Neuzugang Khalid Boulahrouz verzichten will, wird ein gelernter Innenverteidiger wohl nach rechts außen rücken. Im offensiven Mittelfeld hat Neuzugang Jan Simak so überzeugt, dass Veh ihm die Spielmacherrolle zugesichert hat. Somit hat Yildiray Bastürk seinen Stammplatz verloren.

Wer hat das Sagen im Verein? Seit fünf Jahren ist Erwin Staudt hauptamtlicher Präsident. Er hat den Verein für Bewegungsspiele schuldenfrei gemacht. Der 60-jährige ehemalige IBM-Chef hat vom Fußball allerdings keine Ahnung. Zuletzt gab sich Staudt vor wenigen Monaten in der SWR-Sendung „Sport im Dritten“ Blöße, als er davon sprach, mit Raphael Schäfer gern weiterarbeiten zu wollen, obwohl Trainer Veh und Manager Heldt dem Torwart schon längst mitgeteilt hatten, dass er keine Zukunft mehr in Stuttgart habe. Zum Glück haben sie in Stuttgart den Manager Horst Heldt. Der ehemalige Spielmacher hat den VfB mit Armin Veh wieder zu Erfolgen gebracht.

Wie ist die Stimmung im Stadion? Das weitverbreitete Klischee, dass das schwäbische Publikum größtenteils aus so genannten Bruddlern besteht – es stimmt. Die VfB-Fans sind äußerst kritisch. Vor allem der größte Anhängerverbund, das „Commando Cannstatt“, bezieht in Form von Plakaten und Choreographien regelmäßig Stellung und vertritt in aller Härte die Interessen der Fans – auch gegen das eigene Team. Ihren Einfluss haben die Fans demonstriert, als sie Raphael Schäfer nach nur einem Jahr beim VfB aus dem Tor ekelten. Dieser hatte bei seinem letzten Einsatz für Nürnberg im Pokalendspiel 2007 für den VfB-Stürmer Cacau die Rote Karte gefordert.

Welche Platzierung ist zu erwarten?
Manch einer im Umfeld träumt von einem Wunder, wie es 2007 über Stuttgart kam. Kapitän Hitzlsperger redet vom Titel, Neuzugang Simak von der Champions League. Doch etwas Zurückhaltung würde nicht schaden. Realistisch ist ein Platz unter den ersten Fünf.

Morgen: VfL Wolfsburg. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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