Bundesliga : In Möchengladbach läuft alles nach Plan

Die Borussia nimmt das 0:3 in Wolfsburg gelassen hin - Hans Meyer spricht von einem "guten Spiel".

Stefan Hermanns[Wolfsburg]

Die beste Show des Abends haben die Spieler von Borussia Mönchengladbach leider verpasst. In rasender Geschwindigkeit hatten sie den Platz in Wolfsburg verlassen, deshalb bekamen sie nicht mehr mit, was sich nach dem Abpiff vor der Fankurve des heimischen VfL abspielte: „Kai-Uwe!“, rief der Anhang, immer wieder: „Kai-Uwe!“ Dabei handelt es sich um die eingedeutschte Form des brasilianischen Fußballernamens Caiuby. Der junge Mann hat es in Wolfsburg bereits zum Liebling des Publikums gebracht. Und jetzt, nach dem 3:0-Sieg, sollte er die Humba anstimmen. Caiuby kletterte auf den Zaun, bekam vom Vorsänger das Mikro vor die Nase gehalten – und wusste nicht, was er tun sollte. Nach eingehender Einweisung in die Gepflogenheiten deutscher Fankurven brachte er ein zärtliches „U“hervor. „An den Deutsch-Kenntnissen müssen wir noch arbeiten“, sagte Zvejzdan Misimovic. Der Erfolg gegen den Abstiegskandidaten war da längst Nebensache, nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit.

Im Prinzip ist die 0:3-Niederlage ein Fortschritt

So ähnlich, nur umgekehrt, erging es den Gladbachern. Von viel mehr als nichts waren sie in ihren internen Planungen ohnehin nicht ausgegangen. „Es war klar, dass das nicht die einfachste Aufgabe wird“, sagte Linksverteidiger Alexander Voigt nach der erste Niederlage des neuen Trainers Hans Meyer im zweiten Spiel. „Die Wolfsburger haben ein klein bisschen andere Ambitionen als wir.“ Voigt wurde sogar gefragt, ob das 0:3 denn nun ein Fortschritt gewesen sei im Vergleich zu Meyers Einstandssieg am Wochenende gegen Karlsruhe.
Die Antwort lautet: Im Prinzip ja. Zumindest bis zum Rückstand kurz vor der Pause deutete sich ein leichter spielerischer Aufschwung an. Der Ball wanderte sehr gepflegt durch die Gladbacher Reihen, die defensive Ordnung stimmte, die Spieler kamen in die entscheidenden Zweikämpfe, und der 20 Jahre alte Torhüter Frederic Löhe verlebte bei seinem Debüt in der Bundesliga eine halbwegs ruhige erste Halbzeit. Bis zum 0:1 durch Grafites Elfmeter, den Löhe verschuldet hatte, war es „ein richtig solides, gutes Auswärtsspiel“, sagte Trainer Meyer – gemessen an der aktuellen Situation der Gladbacher natürlich und ihren beschränkten Möglichkeiten.

Gladbach hat keinen geeigneten Torwart für den Abstiegskampf

Der Mangel machte sich vor allem im Spiel nach vorne bemerkbar, das Meyer dem verständlichen Wunsch nach defensiver Sicherheit geopfert hatte. Sein Versuch mit Löhe als Torhüter war allerdings nur bedingt erfolgreich. Der 20-Jährige, normalerweise in Borussias Regionalliga-Mannschaft tätig, konnte nicht nachweisen, dass er eine für sein Alter überdurchschnittliche Begabung ist. Auf der Torhüterposition sind die Gladbacher alles andere als abstiegskampftauglich besetzt. Und das ist nicht das einzige Problem in ihrem Kader.
Trotzdem sagte Alexander Voigt nach der Niederlage in Wolfsburg, „dass wir nicht total verzweifeln sollten“. In den nächsten Spielen treffen die Gladbacher auf Gegner, mit denen sie sich eher messen können als mit dem VfL: erst auf Frankfurt, dann auf Bielefeld. Ob Borussia diese Begegnungen gewinnen müsse, wurde Kapitän Patrick Paauwe gefragt. „Muss?“, antwortete er. „Wir müssen nichts. Aber wir wollen alles."

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