Bundesliga : Kahn will Titel - und dann zurücktreten

Oliver Kahn, Senior beim FC Bayern, denkt laut über seinen Rücktritt nach. Der 37-Jährige will zuvor allerdings noch Champions League und die deutsche Meisterschaft gewinnen. Den Vergleich mit Bremen findet er lächerlich.

Dubai - Auch auf der Zielgeraden seiner Karriere stellt Oliver Kahn höchste Ansprüche an sich selbst - und diese entscheiden letzten Endes auch über den Zeitpunkt seines Rücktritts. "Ich denke mal, dass ich meinen Vertrag bis 2008 noch erfüllen werde", sagte der Kapitän des FC Bayern München in Dubai - allerdings unter einer Bedingung: "Es hängt immer davon ab, ob ich noch fähig bin, die allerhöchste Leistung zu bringen. Wenn ich spüre, dass das nicht mehr möglich ist, ist es bei mir sofort zu Ende. Ganz einfach."

Im Trainingslager am Persischen Golf verbreitet der 37 Jahre alte Team-Senior allerdings nicht den Eindruck, dass schon im Sommer alles vorbei sein könnte. Beim Torwarttraining mit Sepp Maier arbeitet Kahn so besessen wie eh und je. "Das ist eine Frage der inneren Disziplin. Ich brauche den Druck, die Spannung und die Aggressivität."

Kahn will kein "Elder Statesman" sein

Auch nach 516 Bundesligaspielen und 100 Champions-League-Partien sieht er sich noch nicht auf einer Abschiedstournee. "Ich möchte hier nicht der 'Elder Statesman' sein. Ich will Top-Leistung bringen, allerhöchstes Niveau, auch in Europa. Mein Anspruch ist immer der höchste und die Ziele sind klar: Ich spiele hier nicht, um irgendetwas ausklingen zu lassen, sondern um deutscher Meister zu werden und die Champions League zu gewinnen", erläuterte Kahn.

Dass Abwehrspieler Willy Sagnol für die kommende Saison bereits öffentlich Ansprüche auf seine Kapitänsbinde angemeldet hat, hält Kahn für "legitim", aber verfrüht. "Warum das jetzt diskutiert wird, ist mir ein Rätsel. Diese Frage stellt sich jetzt nicht", meinte er.

"FC Bayern ist nicht Real Madrid"

Für Kahn zählt zunächst nur die Rückrunde, in der er in Bundesliga und Champions League triumphieren will. Dafür fordert der Kapitän von seinen Teamkollegen größere "taktische Disziplin" und "höhere Konzentration" auf dem Platz. Als lächerlich empfindet er Forderungen, der FC Bayern solle so erfrischenden Fußball wie Herbstmeister Werder Bremen bieten. "Das sind Klischees, über die ich nur lächeln kann: Was ist erfrischender Fußball? Um Titel zu gewinnen, gehören noch ein paar andere Dinge dazu, als 'nur' erfrischenden Fußball zu spielen. Die Bundesliga ist ein Marathon über 34 Spiele, da musst du im entscheidenden Moment big points machen. Wer Meister wird, hat am Ende den besten Fußball gespielt", kommentierte Kahn.

Der 86-malige Nationaltorhüter warnt sogar davor, den typischen Bayern-Stil verändern zu wollen. "Jeder Verein in Europa hat eine bestimmte Spielphilosophie. Der FC Bayern ist nicht Real Madrid und nicht der FC Barcelona. Unser Stil war schon immer, dass sich die anderen Mannschaften an uns die Zähne ausgebissen haben, weil wir in der Defensive sehr schwer zu knacken waren und trotzdem die Qualität hatten, Tore zu machen. Mit Hurra-Fußball wird es schwer, gegen abgezockte internationale Mannschaften weiterzukommen."

"Das sind absolute Schlüsselmomente"

Den Achtelfinal-Partien gegen Real Madrid weist Kahn eine wegweisende Bedeutung für den gesamten weiteren Saisonverlauf zu. "Wenn man gegen Madrid weiterkommt, gibt das einen enormen Schub. Du kriegst dann die Überzeugung, dass du gegen die ganz Großen bestehen kannst. Das sind absolute Schlüsselmomente in einer Saison. Wenn du scheitern solltest, ist das auch gefährlich für die Bundesliga."

Einen Spielmacher, wie ihn Titel-Rivale Werder Bremen in Diego hat, vermisst Kahn beim FC Bayern nicht. "Ich weiß nicht, ob man einen Spielmacher benötigt. Wir haben viele kreative Spieler in der Mannschaft." Dagegen habe sich die Verpflichtung von Mark van Bommel vom FC Barcelona als Gewinn erwiesen. "Er ist ein lauter Spielertyp, charismatisch, erfahren. Er hat diese aggressive Ausstrahlung. Er geht ähnlich wie früher Stefan Effenberg mal rustikal zur Sache, um ein Zeichen zu setzen." (Von Klaus Bergmann, dpa)

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