Bundesliga : Kernkompetenz Sitzfleisch

Das Schicksal des Bankdrückers ist schwer zu ertragen. Viele wechseln den Verein, ein paar können sich irgendwann doch durchsetzen. Doch einige wenige bleiben jahrelang mit buddhistischem Gleichmut sitzen und sitzen. Und sitzen. Ein Überblick.

Neuendorf
Berliner Bank: "Zecke" Neuendorf, ganz links. -Foto: ddp

1. Ugur Tütüneker (Bayern München, 1984-86)
Zwei Deutsche Meistertitel und einen Pokalerfolg haben nicht viele Fußballer in ihrer Vita stehen. Ugur Tütüneker schon. An den Titeln hat er jedoch nur einen bescheidenen Anteil, ist er doch so etwas wie der Julio dos Santos der Achtziger. Nur schlimmer. In seinen zwei Jahren bestritt der Mittelfeldspieler nicht ein einziges Ligaspiel für die Bayern. An der Konkurrenz in Gestalt von Dremmler, Nachtweih, Flick, Lerby und Matthäus gab es für den Deutsch-Türken kein Vorbeikommen.

2. Andreas "Zecke" Neuendorf (Bayer Leverkusen und Hertha BSC, 1994-2007)
Der ewige Pendler zwischen Berlin und Leverkusen hat es in seinen 14 Spielzeiten in der Bundesliga im Schnitt nur auf etwa 15 Partien pro Saison gebracht – meistenteils als Aus- oder Einwechselspieler. In all den Jahren hat „Zecke“ einiges erlebt: Koks-Affäre und Fast-Meisterschaft in Leverkusen, Fast-Abstieg und Champions League mit der Hertha – jedoch alles zumeist von der Bank aus. Statt weitere Jahre als Teilzeitarbeiter zu fungieren, will es der 32-jährige nun in Ingolstadt noch einmal wissen, und ist bei dem ambitionierten Regionalligisten zum ersten Mal in seiner Karriere im Mittelfeld gesetzt.

3. Ibrahim Tanko (Borussia Dortmund und SC Freiburg, 1994-2007)
Bereits in seiner ersten Profisaison beim BVB kam der damals erst 17 Jahre alte Ibrahim Tanko auf 14 Bundesligaeinsätze und mischte sogar in der Champions League unbekümmert die gegnerischen Abwehrreihen auf. Der Ghanaer wurde als neuer Wunderstürmer gehandelt, doch in den Folgejahren schaffte er nie den Durchbruch. Nach einen positiven Dopingprobe in Folge von Marihuana-Konsum floh er 2000 nach Freiburg. Mit dem SC stieg er auf und wieder ab, doch auch dort schaffte er es in sieben Jahren nicht zum Stammspieler. Das ist bei einer Quote von 0,07 Toren pro Spiel auch nicht weiter verwunderlich. Da hatte selbst Berti Vogts eine bessere (0,08). Man munkelt, dass Volker Finke dem Offensivspieler zuletzt nicht auf Grund seiner fußballerischen Fähigkeiten einen neuen Vertrag gab, sondern lediglich wegen seiner Hilfe bei der Integration der vielen afrikanischen Spieler im Kader der Breisgauer.

4. Ibrahim Sunday (Werder Bremen, 1975-77)
Als afrikanische Spieler in der Bundesliga noch Exoten waren, verpflichtete der SV Werder Bremen den hoch gehandelten ghanaischen Nationalspieler Ibrahim Sunday, seines Zeichens „Afrikas Fußballer des Jahres 1971“. Doch die schwarze Perle erwies sich für die körperbetonte Spielweise in der Bundesliga als gänzlich ungeeignet. Diese war er aus seiner Heimat nicht gewohnt, so dass er in den Zweikämpfen so gut wie nichts zu bestellen hatte. Dennoch ließ er sich ohne Aussicht auf einen Einsatz im Training nie hängen und legte stets unermüdlichen Eifer an den Tag. Als Belohnung dafür schenkte ihm Otto Rehhagel 1976 im letzten (für Bremen unbedeutenden) Saisonspiel einen Einsatz und wechselte ihn im Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen zur zweiten Halbzeit ein.

5. Stefan Kohn (Leverkusen, Hannover, Bochum, Bremen, Köln und Schalke, 1986-97)
Dass Stürmer häufiger von Ein- und Auswechsellungen betroffen sind als andere Spieler, ist gemeinhin bekannt. Es gilt im Besonderen für Stefan Kohn. Kein Spieler in der Bundesligageschichte wurde so häufig eingewechselt wie der Schütze des „Tores des Jahres 1986“. In seiner Karriere schickten ihn seine Trainer 91 Mal als Joker in eine Bundesligapartie. Vielleicht wechselte der Vagabund deshalb spätestens alle zwei Jahre den Verein, jeweils in der Hoffnung auf einen Stammplatz.

6. Igor Belanow (Borussia Mönchengladbach, 1989-01/91)
Mit der Verpflichtung von „Europas Fußballer des Jahres 1986“ hoffte Gladbach, wieder an bessere Zeiten anknüpfen zu können. Doch Belanow, einer der ersten osteuropäischen Spieler, die in die Bundesliga wechselten, hatte seinen Leistungszenit zum Zeitpunkt des Transfers schon überschritten. Gleichwohl überwies die Borussia für den damals 29-Jährigen die beträchtliche Ablösesumme von 1 Mio. Mark an Dynamo Kiew. Der sowjetische Nationalspieler konnte die in ihn gesetzten Erwartungen indessen nie erfüllen. In seinem ersten Jahr am Bökelberg kam er auf bescheidene 14 Spiele und dürftige vier Tore, im Laufe der seiner zweiten Saison wechselte er nach zehn Spielen ohne Tor in der Winterpause in die 2. Liga zu Eintracht Braunschweig. Vorher beherrschte er dann aber doch noch mal die Schlagzeilen, jedoch nicht aus sportlichen Gründen: Er hatte in einem Einkaufszentrum Hemden und einen Schlips geklaut.

7. Sven Scheuer (Bayern München, 1988-1999)
Torhüter sind fürs Bankdrücken im besonderen Maße prädestiniert. Allen voran der ewige Sven Scheuer. In München sammelte in er viele Titel, aber nur wenig Spielpraxis. Mit neun Titeln ist er vom Papier her einer der erfolgreichsten deutschen Torhüter - nur gesehen hat die Öffentlichkeit davon nicht viel. In seinen elf Jahren beim FCB absolvierte Scheuer magere 20 Ligaspiele. Und hätte Oliver Kahn sich 1995 keinen Kreuzbandriss zugezogen, wären es noch deutlich weniger gewesen.

8. Artur Wichniarek (Hertha BSC, 2003-01/2006)
Mit der Verpflichtung des Trios Fredi Bobic, Nico Kovac und Artur Wichniarek war die Hertha dem Irrglauben erlegen, ernsthaft um die Meisterschaft mitspielen zu können. Keiner der drei Neuzugänge erwies sich als Volltreffer. Besonders die Leistungen „König Arturs“ waren alles andere als majestätisch. Er absolvierte nur etwa jedes zweite Spiel für die Hertha und erzielte in zweieinhalb Jahren trotz bester Torchancen nur armselige vier Buden.

9. Marek Heinz (HSV und Bielefeld, 2000-03; M´Gladbach, 08/2004-08/2005)
In drei Jahren beim HSV konnte sich der talentierte, aber sensible Stürmer nie einen Stammplatz erkämpfen, und so wechselte er im Anschluss ins beschauliche Bielefeld. Doch auch bei der Arminia kam er nicht zurecht. Das Glück schien dem Tschechen in Deutschland nicht hold zu sein. Mit den Worten »Nie wieder nach Deutschland« verließ er die Ostwestfalen nach nur einer Saison wieder in Richtung Heimat zu Banik Ostrau. Hätte er seinen Vorsatz doch nur eingehalten! Nachdem er in der ersten tschechischen Liga Torschützenkönig wurde und die Deutschen aus der EM 2004 schoss, holten ihn die kaufwütigen Gladbacher zurück nach Deutschland. Heinz knüpfte jedoch nahtlos an seine enttäuschenden Bundesligazeiten an. Auch in Gladbach drückte er meist die harte Ersatzbank.

10. Lilian Laslandes (1. FC Köln, 01/2002-06/2002)
Nach der Hinrunde der Saison 2001/02 steckte der 1. FC. Köln bis über beide Ohren im Abstiegskampf. Die Hoffnungen auf eine bessere Rückrunde ruhten auf den Wintereinkauf des international erfahrenen Lilian Laslandes. Doch alle Kölner Hoffnungen wurden enttäuscht. In gerade einmal fünf Partien für die Kölner blieb der Mittelstürmer ohne Torerfolg. Einen Eintrag in die Statistikbücher der Bundesliga hat der Franzose trotzdem sicher, sah er doch im Spiel gegen den HSV drei Minuten vor Spielende die Rote Karte, nachdem er Sergej Barbarez aufs gröbste umgetreten hatte. Am Ende der Spielzeit stieg Köln ab. Doch die Fans bewiesen Humor: Auf Grund seiner dürftigen Leistungen tauften sie den ehemaligen Nationalspieler auf den Namen „Laslandesliga“.

Mit freundlicher Genehmigung von 11freunde.de.

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