Bundesliga : Klinsmann heuert bei Bayern an: "Ich freue mich riesig"

Es ist die Überraschung des Tages: Jürgen Klinsmann übernimmt die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld als Trainer des FC Bayern. Dafür gibt er sogar seinen Wohnsitz in Kalifornien auf. Auf der Pressekonferenz in München sprach Klinsmann über seine Beweggründe.

Christian Kunz,Klaus Bergmann[dpa]
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Strahlemann: Jürgen Klinsmann trainiert bald die Bayern. -Foto: ddp

MünchenAls Strahlemann hat sich Jürgen Klinsmann im grellen Blitzlichtgewitter auf der Bundesliga-Bühne zurückgemeldet und fiebert nach einer emotionalen Entscheidung der Arbeit beim deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München entgegen. "Ich weiß sehr wohl, auf was ich mich hier einlasse und freue mich riesig drauf. Es gibt nur wenige Möglichkeiten auf einem solchen Niveau zu arbeiten. Emotional war die Entscheidung sehr schnell gefallen", verriet der überraschend schnell als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld verpflichtete Klinsmann auf einer Pressekonferenz in München und gibt dafür sogar seinen heiß geliebten Wohnsitz mit der Familie in Kalifornien auf.

Vom 1. Juli an soll der derzeit noch in den USA lebende Kosmopolit für zunächst zwei Jahre das Star-Ensemble des deutschen Fußball- Rekordmeisters führen. Der 43-Jährige übernimmt dann 24 Monate nach seinem letzten Auftritt als DFB-Coach bei der Weltmeisterschaft in Deutschland erstmals das Traineramt bei einem Verein. Nach der WM war der 108-malige Nationalspieler, der als Spieler von 1995 bis 1997 bei den Münchnern unter Vertrag stand und Meisterschaft sowie Uefa-Cup gewann, unter anderem als Auswahltrainer in den USA, England und als Coach beim FC Chelsea im Gespräch - nun sagte er völlig überraschend beim FC Bayern zu.

"Unser absoluter Wunschkandidat"

"Jürgen Klinsmann wird mit seiner gesamten Familie nach München umziehen", verriet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Flankiert von Rummenigge und Manager Uli Hoeneß nahm Klinsmann, der zum Festtag sogar eine Krawatte trug, bei der mit Spannung erwarteten und von mehreren TV-Sendern live übertragenen Pressekonferenz Platz. "Wir haben mit Jürgen Klinsmann unseren absoluten Wunschkandidaten zum FC Bayern holen konnten. Wir standen in ständigem Kontakt über eine Zusammenarbeit", sagte Rummenigge, der die Idee zu dem Schachzug hatte, und verriet die geheime Kommandosache. "Wir konnten speziell die Weihnachtstage für diese wichtige Personalie nutzen."

Um Klinsmann herum werde es wie bei der Nationalelf ein Team an Spezialisten geben, erklärte die Bayern-Führung. Bundestrainer Joachim Löw freut sich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem früheren WM-Weggefährten und erwartet ein "spannendes Projekt".

"Reibereien gehören dazu"

Als Nationalcoach hatte Klinsmann sein US-Domizil mit Ehefrau Debbie und den zwei Kindern auch aus familiären Gründen als Rückzugsort beibehalten und war dafür mehrfach - gerade auch von den Verantwortlichen des FC Bayern - scharf kritisiert worden. Der deutsche Branchenprimus und Klinsmann waren sich schon zu Zeiten des Spielers Klinsmann nicht immer grün, die Streitigkeiten aus der Vergangenheit dürften aber beigelegt sein. "Reibereien gehören dazu", meinte Klinsmann, der ebenso wie der Verein mit dem hochinteressanten Projekt ein Wagnis eingeht. "Wir haben oft kontrovers diskutiert, aber in der Sache okay. Für beide Seiten waren das fruchtbare Gespräche", sagte Hoeneß, der von der Idee der Verpflichtung Klinsmanns "Feuer und Flamme" war.

"Ich freue mich auf die Zeit mit Jürgen Klinsmann. Ich finde die Entscheidung nicht mutig, sondern klug und durchdacht", sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. Der am Saisonende ausscheidende Hitzfeld gratulierte: "Glückwunsch an Bayern München. Das ist eine erstklassige Lösung. Jürgen Klinsmann ist ein hervorragender Trainer, ein großer Motivator."

Mutter Martha völlig perplex

Der Bayern-Coup überraschte nicht nur die Bundesliga. Selbst Klinsmanns Mutter Martha war völlig perplex. "Nee, das habe ich noch nicht gewusst. Ach du Scheiße", sagte sie dem Sender "Hit-Radio Antenne 1" in ihrer Stuttgarter Bäckerei. Sogar Kanzlerin Angela Merkel freute sich über die Rückhol-Aktion.

Klinsmann kommt nach dem dritten Platz bei der Heim-WM 2006 und einer Erholungspause mit viel Rückenwind zum FC Bayern und dürfte für den Club keine billige Lösung sein. Nachdem die Münchner für die laufende Saison über 80 Millionen Euro für neue Spieler ausgaben, setzten sie nun auch die große Lösung auf dem Trainerposten um.

Mit Spannung wird nicht nur das sportliche Abschneiden und das Umsetzen der Spielphilosophie des oftmals eigenwilligen Klinsmanns verfolgt werden, sondern auch, wie die Zusammenarbeit mit der machtbewussten Führungsriege um den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, Manager Uli Hoeneß sowie den omnipräsenten Beckenbauer funktioniert. Der FC Bayern dürfte mit Klinsmann auch als Verein eine Zäsur erleben.

Das Verhältnis von Klinsmann zu den Münchner Bossen war schon immer eine spannende Beziehung, bereits zu Spielerzeiten - wenngleich hier der Konflikt mit Lothar Matthäus für weit mehr Brisanz sorgte. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Bundestrainer war Klinsmann wiederholt extrem stark vom damaligen WM-Chef Beckenbauer und von Uli Hoeneß attackiert worden. Andererseits hatte ausgerechnet Hoeneß dem Nationalcoach nach dem 1:4 Anfang März 2006 gegen Italien in Florenz, als der Druck auf den Schwaben extrem zunahm, den Rücken gestärkt.

Kahn: "Eigentlich war er ja gar kein Trainer"

Für Hitzfeld wird durch die Verpflichtung von Klinsmann der Erfolgdruck noch größer, denn der frühere Stürmer wäre im Falle einer Misserfolgs-Serie des FC Bayern zum Rückrundenstart Anfang Februar prinzipiell auch sofort verfügbar. Probleme mit Oliver Kahn, den Klinsmann vor der WM 2006 um seinen Status als nationale Nummer 1 brachte oder den von ihm geschassten Torwarttrainer Sepp Maier dürfte es nicht geben, weil beide zum Saisonende aufhören. Kahn mochte die Verpflichtung nicht direkt kommentieren, sagte aber auch: "Eigentlich war er ja gar kein Trainer, sondern er hat die Nationalmannschaft trainiert. Im Vereinsfußball hat er noch keine Erfahrungen gesammelt."

Seine Bilanz als Nationalcoach ist glänzend. Mit offensivem Fußball erreichte er in 34 Spielen 21 Siege, 7 Remis und musste nur 6 Niederlagen einstecken. Die Torbilanz: 81:43. Für Klinsmann spricht zudem, dass er aus seiner Zeit als Profi im Ausland sprachgewandt ist und mit neuen Bayern-Stars wie Luca Toni oder Franck Ribéry kommunizieren kann. Als einst eigenwilliger Profi weiß er, wie Stars ticken. Klinsmann trifft zudem auf etliche seiner WM-Akteure wie Klose, Schweinsteiger, Philipp Lahm, Lukas Podolski oder Marcell Jansen.

In seiner aktiven Zeit beim FC Bayern schoss Klinsmann das Team 1996 mit 15 Toren zum UEFA-Cup-Gewinn, insgesamt gelangten ihm 31 Treffer in 65 Bundesligaspielen. Am meisten in Erinnerung blieb ein anderes Bild: Der Tonnentritt im Olympiastadion nach einer Auswechslung durch den damaligen Bayern-Coach Giovanni Trapattoni.

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