Bundesliga : Kloses große Reise

Der WM-Torschützenkönig wechselt mit sofortiger Wirkung von Werder Bremen zum FC Bayern. Damit endet ein manchmal absurd anmutendes Hickhack zwischen den beiden Vereinen.

Klaus Raab[München],Frank Hellmann[Bremen]
Klose
Wechsel für zwölf Millionen: Miroslav Klose geht zu den Bayern. -Foto: ddp

Sie werden jetzt noch fester beten in Höslwang: Der liebe Gott möge schönes Wetter schicken am 8. Juli, und um das zu erbitten, werden sie mit dem Pfarrer eine 35 Kilometer lange Prozession nach Tuntenhausen unternehmen. In Halfing darf es regnen, in Schonstett auch. Aber nicht am Sportplatz an der Endorfer Straße. Da spielt dann nämlich der FC Bayern München gegen die 13 Höslwanger, einen der großen Bayern-Fanklubs. Weltmeister Luca Toni kommt, Oliver Kahn kommt. Und, das wissen die Höslwanger seit gestern, der Klose, der auch.

Der FC Bayern München hat gestern auch die achte und letzte Neuverpflichtung für die neue Saison bestätigt und damit die spannendste und umstrittenste Transferfrage dieser Saison beantwortet: Nationalstürmer Miroslav Klose kommt nach München. Und zwar nicht erst 2008, wenn sein Vertrag mit dem SV Werder Bremen ausgelaufen und er ablösefrei gewesen wäre. Nachdem Klose wiederholt seinen Wechselwunsch vorgetragen, sein Haus in Lesum verkauft hatte und die Bosse des FC Bayern eigens am Montag zu Verhandlungen an die Weser gereist waren, um das ursprüngliche Gebot von zehn Millionen Euro aufzustocken, wechselt der 29-Jährige nun mit sofortiger Wirkung. „Der FC Bayern hat unsere Vorstellungen erfüllt, so dass wir unter den gegebenen Umständen dem Transfer zustimmen“, teilte Sportdirektor Klaus Allofs mit. „Wir wissen, dass wir einen erfolgreichen Spieler verlieren, aber der Sinneswandel von Miro in Verbindung mit dem neuen Angebot hat die Situation, die wir noch zum Saisonende vorgefunden haben, nachhaltig verändert.“

Werders Vorstands- und Finanzchef Jürgen L. Born sprach von „einem weit verbesserten Angebot“. Werders Geschäftsführung, die noch vor Wochen öffentlich versprochen hatte, Klose werde keinesfalls zum ungeliebten Ligarivalen wechseln, war längst zu dem Einsehen gelangt, dass es keinen Sinn gemacht hätte, den fremdelnden Torjäger zur Vertragserfüllung bis 2008 zu zwingen. Dafür war die Unruhe zu groß, die Kloses Bayern-Flirt zuletzt in den Verein getragen hatte.

Über die Ablöse haben beide Parteien nach dem wochenlangen Versteckspiel mit verklärenden Treuebekundungen, nervigen Gerüchten und gegenseitigen Schuldzuweisungen zwar Stillschweigen vereinbart, doch als Garantiesumme fließen wohl zwölf Millionen Euro von München nach Bremen. Weitere Parameter sind erfolgsabhängig – im Idealfall sollen zwischen drei und fünf Millionen Euro Nachschlag fällig werden, die sich einerseits am Erfolg des FC Bayern, andererseits an Kloses persönlicher Quote in Form von Einsätzen orientieren. „Es ist eine komplizierte Konstruktion“, bestätigt Born.

Mit dem Transfer endet ein manchmal absurd anmutendes Hickhack zwischen Werder Bremen und den Bayern, das damit begonnen hatte, dass Klose die Bayernverantwortlichen direkt vor einem wichtigen Uefa-Pokalspiel zu Gesprächen traf – was, falls es Vertragsgespräche waren, sogar verboten wäre, in keinem Fall aber den Regeln der Fairness entsprach. Umgekehrt musste Klose dafür recht derbe Schmähungen des eigenen Publikums ertragen.

Born empfindet diese Lösung daher als „das Beste für alle Beteiligten: Miro muss in Bremen keine Diffamierungen ertragen. Für ihn scheint ein Neuanfang das Beste – auch im Hinblick auf seine Nationalmannschaftskarriere.“ Auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karlheinz Rummenigge kommt zu dem Schluss: „Es handelt sich für beide Seiten um eine faire Lösung.“

Bereits am Donnerstag wird der Torschützenkönig der Weltmeisterschaft 2006 in München zur sportärztlichen Untersuchung erwartet, danach soll er einen Vierjahresvertrag unterschreiben. Am Freitag um zehn Uhr wird er den Trainingsauftakt der Bayern miterleben.

Für Roy Makaay könnte Kloses Ankunft hingegen der Abschied bedeuten. Der Stürmer hat stets angekündigt, Bayern in diesem Fall Richtung Heimat verlassen zu wollen und könnte nun in die Niederlande wechseln. Vor ihm hat schon Bayernspieler Andreas Görlitz Konsequenzen aus der Einkaufsoffensive der Bayern gezogen: Er spielt im nächsten Jahr beim Karlsruher SC.

Kloses Ersatz in Bremen könnte aus Südamerika kommen: Die Namen der argentinischen Stürmer Mauro Zarate (Velez Sarsfield/20 Jahre) und Ezuequiel Ivan Lavezzi (San Lorenzo/22) sind schon vor Wochen gehandelt worden. „Wir können auch ohne Miro Topleistungen bringen“, sagt Allofs, „und sind mit unseren etablierten Angreifern Markus Rosenberg, Hugo Almeida und Aaron Hunt gut besetzt.“ Auch die Empörung der Fans über die seit geraumer Zeit ohnehin erwartete Nachricht hielt sich in engen Grenzen. Werders Fanbeauftragter Dieter Zeiffer erfuhr in seinem Urlaub vom Transfer. „Gott sei Dank!“, sagte er. „Dann weiß zum Trainingsauftakt endlich jeder, was los ist. Reisende hat Werder Bremen noch nie aufgehalten.“

Auch in Höslwang sind alle zufrieden. Für das Spiel gegen den FC Bayern wurde eigens eine Tribüne für 10 000 Zuschauer errichtet.

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