Bundesliga : Köln bekommt den Anti-Daum

Der 1. FC Köln hat einen neuen Trainer. Zvonimir Soldo soll dem Karnevalsverein Seriosität vermitteln.

Gregor Derichs

Köln - Er wolle noch eine Schlussbemerkung loswerden, sagte Michael Meier. Der Manager des 1. FC Köln hatte bei seiner Vorstellung von Zvonimir Soldo als neuem Trainer des Fußball-Bundesligisten keinen Zweifel daran gelassen, dass er den Kroaten als personifizierte Seriosität speziell im Vergleich zu dessen Vorgänger Christoph Daum einstuft. Meier rundete gestern seine wohlwollenden Worte für den 41-Jährigen und seinen Assistenten Michael Henke mit einem Bonmot ab. „Vom Erscheinungsbild haben wir das am besten aussehende Trainerpaar der Bundesliga“, sagte Meier. Soldo konnte ein Grinsen nicht unterdrücken.

Als Spieler in Stuttgart hatte sich der Kroate in zehn Jahren mit 301 Bundesligaeinsätzen bis zum Sommer 2006 einen Ruf als ausgeprägt ernsthafter Vertreter des schillernden Fußballgeschäfts erarbeitet, als Kapitän war er auf dem Spielfeld für viele Trainer wegen seines Spielverständnisses und seiner Führungsqualitäten der verlängerte Arm. Doch als Trainer weist Soldo noch keine große Erfahrung auf. Nachdem er in Köln die Lizenz als Fußballlehrer erwarb, arbeitete er lediglich eine Saison bei Dinamo Zagreb. Nach sechs Monaten als Juniorentrainer übernahm er im Januar 2008 das Profiteam, das er zu Meisterschaft und Pokalsieg führte. Weil mit Luka Modric der beste Spieler an Tottenham verkauft wurde, trat er zurück – ein Hinweis auf die Gradlinigkeit des 61-maligen Nationalspielers.

„Als ich den Anruf von Michael Meier bekommen habe, war ich überrascht“, sagte Soldo. Der Kölner Manager besitzt bei Trainer-Entscheidungen viel Mut. Der 59-Jährige holte in Dortmund Ottmar Hitzfeld als unbekannten Trainer aus der Schweiz, auch in Köln überraschte er mit der Verpflichtung des Schweizers Hans-Peter Latour. Soldo war es dann selbst, der den 52-jährigen Henke anrief, um ihn als Assistenten zu gewinnen.

Nach dem oft hektischen, launenhaften Daum holten die Kölner nun bewusst einen ruhigeren Trainer an Bord. Meier hatte betont, dass der neue Trainer nach einem Profil ausgewählt wurde, bei dem eine hohe Identifikation und ausgeprägte moralische Eigenschaften die wichtigsten Werte gewesen seien. Dies war auch eine Kritik an Daum, der die Kölner mit seiner plötzlichen Flucht zu Fenerbahce Istanbul geschockt hatte. Gregor Derichs

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben