Bundesliga : Leverkusen fertigt Stuttgart 4:0 ab

In der Champions League hat sich Stuttgart seine Chance auf das Weiterkommen gewahrt. In der Liga stecken die Schwaben im Abstiegskampf. Die Situation für Trainer Babbel wird immer schwieriger. Leverkusen ist wieder Tabellenführer.

Jörg Strohschein
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Leverkusen hatte vier Mal Grund zum Jubeln. -Foto: dpa

LeverkusenIn der Halbzeitpause war Horst Heldt schon völlig desillusioniert. Der Manager des VfB Stuttgart sprach von einer „Vollkatastrophe“ und forderte die Auswechslung aller elf Spieler. 0:2 lag der VfB bei Bayer Leverkusen zurück und nichts deutete darauf hin, dass sich etwas ändern könnte. Die Regularien verboten es Stuttgarts Trainer Markus Babbel, elfmal auszuwechseln, er ließ nur Cacau und Timo Gebhart in der Kabine. Der VfB verlor 0:4 und war völlig chancenlos.

Babbel und Heldt blieb nichts als Frust. Leverkusens Trainer Jupp Heynckes dagegen dürften vor allem Toni Kroos und Stefan Kießling durch diesen Sieg, mit dem die Leverkusener wieder Tabellenführer sind, noch ein bisschen mehr ans Herz gewachsen sein. „Sie haben überragend gespielt“, sagte Heynckes, der seiner gesamten Mannschaft attestierte, über weite Strecken erstklassigen Fußball gezeigt zu haben. „An so einem Spieltag, an dem die Kontrahenten für uns spielen, muss man die big points machen. Das haben wir geschafft“, sagte er. Kießling lieferte mit seinen drei Treffern noch einmal deutliche Argumente für seinen Einsatz in der Nationalmannschaft. Babbel dagegen sah eine desaströse Vorstellung seines Teams. „Das war absolut enttäuschend. Ich muss mich bei den Fans entschuldigen für diese Leistung. Wir sind mitten im Abstiegskampf“, sagte der Stuttgarter Trainer. Die Diskussionen um seinen Job dürften sich wieder verschärfen.

Dabei schienen die Leverkusener vor dem Anpfiff noch Bedenken gehabt zu haben. Auch in der vergangenen Spielzeit stand die Mannschaft nach dem dreizehnten Spieltag an der Tabellenspitze – danach ging es aber steil bergab. Deswegen wollte Rudi Völler die Zuschauer, aber wohl auch sich selbst beruhigen. „Denjenigen, die nicht an uns glauben, möchte ich sagen: Es wird nicht passieren.Wir sind stabil“, sagte der Leverkusener Sportdirektor. Zumindest für das Spiel gegen die Schwaben galt diese Aussage uneingeschränkt. Rund 15 Minuten brauchten die Leverkusener, um in das Spiel zu finden. Im Anschluss funktionierte das Offensivspiel so eindrucksvoll wie in den Wochen zuvor. Nachdem Toni Kroos nach einem Sololauf sowie einer präzisen Hereingabe von Stefan Kießling zunächst nur den Torpfosten getroffen hatte, dauerte es nur wenige Minuten, bis Bayer präziser wurde. Nach Freistoß von Toni Kroos legte Sami Hyypiä per Kopf ab und Kießling brauchte den Ball nur noch über die Linie zu drücken.

Diesem Schwung war der VfB nicht gewachsen. Der Erfolg in der Champions League gegen die Rangers aus Glasgow sollte Stuttgart eigentlich frisches Selbstbewusstsein verliehen haben. Allerdings blieb dieser Wunsch von Markus Babbel unerfüllt, auch weil Leverkusen eine Nummer zu groß war für die biederen Schwaben. Selbst Serdar Tasci, der trotz einer nicht vollständig ausgeheilten Fußverletzung ohne ärztliches Einverständnis und auf eigene Gefahr spielte, konnte den Stuttgartern keine Stabilität verleihen. Der überragende Toni Kroos setzte das Leverkusener Schauspiel dann fort, traf aus der Distanz aber wieder nur den Torpfosten. Das trübte aber die Spielfreude des 19-Jährigen keineswegs. Im Gegenteil. Nur wenige Minuten später flankte er millimetergenau auf Eren Derdiyok, der völlig allein gelassen den Ball zum 2:0 ins Tor köpfen konnte.

15 Minuten nach Wiederbeginn versetzte Kroos mit seinem Alleingang die 30 000 Zuschauer in Verzückung. Seinen fantastischen Pass verwandelte Kießling zum 3:0. Die Stuttgarter fügten sich nun gänzlich in ihr Schicksal. Das 4:0 erzielte erneut Stefan Kießling, diesmal mit einem Elfmeter drei Minuten vor Schluss. Es war der zwölfte Saisontreffer des 25-Jährigen.

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