Bundesliga : Loben als Methode

Hertha BSC tut alles, um Bielefeld zu schlagen

Michael Rosentritt

Berlin - Bei Hertha BSC ist man vorsichtig geworden. Während der Trainingseinheit des Fußball-Bundesligisten am gestrigen Vormittag hatte Trainer Lucien Favre nur lobende Worte für sein Personal gefunden. „Ja, gut Bryan“, rief er in Richtung des Flanken schlagenden Amerikaners Bryan Arguez. Dabei hatte Arguez wahrlich keine fußballerischen Kunststücke zu vollbringen. Dem Trainer genügte es offenbar, dass Arguez zwei, drei dieser langen Bälle hintereinander relativ unfallfrei in die Nähe des Strafraums beförderte. Beinahe konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Komplimente für eigentlich nichts dem 19-Jährigen peinlich waren.

Aber was tut man nicht alles für eine positive, hoffnungsfrohe Atmosphäre. Kunststücke sind in Herthas Situation nicht gefragt, dafür ist die Lage zu ernst. Favres Lobhudeleien folgen nur einem Zweck. Niemand möchte beim Berliner Bundesligisten nach dem überraschenden Sieg in Stuttgart am vergangenen Wochenende die ersten zarten Anflüge von Selbstvertrauen zerstreuen. Schon morgen muss sich Hertha im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (15.30 Uhr, Olympiastadion) erneut beweisen.

Dabei spielt nur eine untergeordnete Rolle, von welcher Qualität der Gegner ist. Hertha war bisher eine Wundertüte, meist zu eigenem Leidwesen. Aber, das ist die frohe Botschaft der jüngsten Dienstreise ins Schwäbische: die schlechteste Mannschaft des Jahres 2007, die mit einer 0:3-Heimniederlage gegen Frankfurt ins neue Jahr gestartet war und sich an den Rand des Abstiegskampfes befördert hatte, hat ihre Talfahrt erst einmal unterbrochen. Der Erfolg in Stuttgart erhellte die allgemeine Stimmung kurzfristig. Die Mannschaft hat es am Samstag selbst in der Hand, ob sich die Aufhellung der Gemütslage verstetigen lässt. Ein Sieg über Bielefeld könnte der Mannschaft unstrittig hilfreich sein, von Selbstvertrauen kann aber keinesfalls die Rede sein. Das Gebilde Hertha präsentiert sich noch immer wackelig, was wegen der vielen personellen Veränderungen im Januar keine große Überraschung ist.

Der Ausgang des Spiels könnte aber einen Trend vorgeben. Für Hertha geht es darum, ob man „etwas entspannter“ die nächsten Aufgaben angehen kann, wie es Manager Dieter Hoeneß gestern sagte, und Tuchfühlung zu jenen Regionen in der Tabelle herstellt, die man anstrebt. Andernfalls drohen hektische Tage in Charlottenburg. Eine Niederlage würde Hertha dem Abstiegskampf wieder näher bringen. Für Letzteres scheinen weder Trainer noch Mannschaft ausreichend gewappnet zu sein.

Bisher ist es der runderneuerten Mannschaft in der Saison 2007/08 noch immer gelungen, nach einem siegreichen Spiel zu versagen. In steter Regelmäßigkeit enttäuschte die Mannschaft. Dem Heimerfolg im August gegen Stuttgart folgte ein 0:2 in Bielefeld. Nach einem viel besungenen 3:2-Sieg über Borussia Dortmund folgte eine 1:3-Heimniederlage gegen Rostock. Diese Serie der verlässlichen Aufeinanderfolge von Triumph und Ernüchterung ließe sich fortsetzen bis in den tristen, völlig sieglosen Spätherbst hinein. „Die Situation ist klar, jetzt muss man nachlegen“, sagte Hoeneß. Bisher ist es Hertha erst einmal gelungen, zwei Spiele hintereinander zu gewinnen.

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