Bundesliga : Machtkampf bei Hannover 96 eskaliert

Nur wenige Tage nach dem umstrittenen Trainerwechsel eskaliert bei Hannover 96 der Ärger in den Führungsgremien. Vordergründig ist die Verlängerung des Vertrages von Manager Ilja Kaenzig der Auslöser der Streitigkeiten.

Hannover - Dahinter steckt allerdings ein Kampf um Eitelkeiten und Einfluss bei dem Fußball-Erstligisten mit seinem kaum zu durchschauenden Geflecht von insgesamt vier Wirtschaftsbetrieben. «Da blickt doch keiner mehr durch», wird Kaenzig in Hannovers «Neue Presse» (Montag-Ausgabe) zitiert.

Angefangen hatte die Unruhe vor rund drei Monaten, als Martin Kind als Vorstandsvorsitzender des Vereins und Geschäftsführer der Kerngesellschaft Sales & Service GmbH & Co. KG zurückgetreten war. Als Mehrheitsgesellschafter besitzt Kind aber weiter enormen Einfluss. Zur Verlängerung des 2006 auslaufenden Vertrages von Kaenzig als einer von zwei Geschäftsführern der für die Bundesliga zuständigen Hannover 96 KGaA sagte er der Tageszeitung «Die Welt»: «Ich muss noch darüber nachdenken, was ich dann antworten werde.» Daraufhin attackierte ihn der neue Vereinschef Götz von Fromberg in der «Bild-Zeitung»: «Ich bin es Leid. Es ist unerträglich und unerhört. Warum lässt er uns nicht in Ruhe arbeiten?»

Von Fromberg war es indes, der für die größte Posse der vergangenen Wochen gesorgt hatte: Dem Notar ist es nicht erlaubt, wie gewünscht als Geschäftsführer der Sales & Service zu arbeiten. Mit dem Geschäftsbetrieb der Bundesliga darf er sich nach Einspruch des Oberlandesgerichts Celle nicht beschäftigen und ist als ehrenamtlicher Vereinschef lediglich für die Amateur-Abteilungen zuständig. Der ehemalige Alleinherrscher Kind hatte von Fromberg wegen dieser juristischen Fehleinschätzung («unerträglich») heftig kritisiert - und musste deshalb den Konter von Kind einstecken.

Von Fromberg nutzt jetzt offenbar den kleinen Hebel der Macht, den er als Aufsichtsratsmitglied der 96-Management GmbH hat, die zumindest nominell über Kaenzigs Vertragsverlängerung entscheidet. Zudem gilt der wortgewaltige Anwalt als Vertrauter von Carsten Maschmeyer. Der Chef des Finanzdienstleisters AWD ist neben Kind der zweite große Geldgeber des Clubs.

Der Aufsichtsrat hat sich bereits für Kaenzig ausgesprochen, der vor anderthalb Jahren von Bayer Leverkusen gekommen war und zu Beginn seiner Tätigkeit noch Kinds erklärter Liebling war. Auch der erst 32 Jahre alte Schweizer möchte bleiben und sagt: «An mir soll es nicht liegen.» Doch im Machtkampf scheint er zwischen die Fronten geraten zu sein. Seine Zukunft bei Hannover 96 hängt aber vor allem vom sportlichen Abschneiden nach der Entlassung von Trainer Ewald Lienen und der Verpflichtung von Peter Neururer ab. Geht es in der Tabelle weiter abwärts, wird wohl auch Kaenzig gehen müssen. (Von Michael Rossmann, dpa)

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