Bundesliga : Mainz setzt sich an die Spitze

Die Mainzer Siegesserie hält: Die Mannschaft gewann am Samstag mit 2:0 (0:0) bei Werder Bremen und setzte sich mit zwölf Punkten erstmals an die Tabellenspitze.

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So sieht ein Seriensieger aus. Für Nikolce Noveski und Kollegen gab es in Bremen den vierten Erfolg im vierten Spiel.
So sieht ein Seriensieger aus. Für Nikolce Noveski und Kollegen gab es in Bremen den vierten Erfolg im vierten Spiel.Foto: dpa

Kurz vor dem Ende der Bundesligapartie des FSV Mainz 05 bei Werder Bremen hatte einer der Mainzer Anhängern eine Idee, die Idee für einen neuen Fangesang. Zu diesem Zeitpunkt stand es 2:0 für die Rheinhessen beim Champions-League-Teilnehmer Werder. Zeit also für einen Gesang, der vom Europapokal handelt. Es dauerte keine zwei Sekunden und der gesamte Mainzer Block schmetterte ihn aus vollen Kehlen mit. Es blieb beim 2:0-Erfolg, und Mainz 05 war erstmals in der Geschichte des Klubs Tabellenführer der Fußball-Bundesliga.

Manager Christian Heidel sang nicht mit. Er sagte: „Das ist doch lustig. Die Fans dürfen ruhig träumen von Europa.“ Aber er betonte sofort und unisono mit Trainer Thomas Tuchel, dass der Sturm auf den Gipfel bei den Mainzer Verantwortlichen keinerlei Hirngespinste auslösen werde. „Wir werden nicht einen Millimeter von unseren Vorgaben abrücken“, sagten die beiden.

Werder hat im Gegensatz zu Mainz reichlich internationale Erfahrung auf dem Buckel. Gestern spielte die Mannschaft von Thomas Schaaf wie eine Kreisklassenmannschaft. Das macht sie manchmal, dann aber nur für eine gewisse Phase des Spiels, um sich dann noch auf Champions-League-Niveau zu steigern und die Partie zu drehen. Gestern spielte Werder über 90 Minuten so unterirdisch, dass Schaaf noch nicht einmal lange nachdenken musste: „Ich kann mich an kein so schlechtes Spiel von Werder Bremen erinnern“, sagte der Coach. Fairerweise ergänzte er noch, die Leistung der Mainzer damit nicht schmälern zu wollen.

Die waren überglücklich über die drei Punkte und die Tabellenführung. „Das ist ein Traum“, sagte Marcel Risse, Torschütze zum 1:0. Etwas Ähnliches sagten auch Lewis Holtby und André Schürrle, der das 2:0 erzielte. Vor allem aber betonten sie zwei Dinge: dass sie sich den Erfolg hart erarbeitet hätten und dass der Schlüssel zum Erfolg in der mannschaftlichen Geschlossenheit liege. „Wir sind zusammengewachsen“, sagte Risse. „Es ist ein unheimlicher Geist in der Mannschaft“, sagte Schürrle.

Es war keine Gala, die Mainz im Weserstadion ablieferte, sondern eher eine disziplinierte und taktisch kluge Vorstellung. Zwar begannen die Gäste recht selbstbewusst, bekamen nach vorne allerdings auch nicht viel mehr als ein paar harmlose Distanzschüsse zustande. Werder hingegen ließen sie gar nicht ins Spiel kommen. „Das war der Plan“, sagte Marcel Risse. Und Heidel ergänzte: „Das, was die Mannschaft auf dem Platz gezeigt hat, hatte schon sehr viel mit dem zu tun, was der Trainer in der Besprechung vorgeben hatte.“

„Aggressiv verteidigen“, nannte Tuchel das und verteilte ein Sonderlob an seine extrem laufstarken Offensivspieler, die gestern die ersten Verteidiger waren. „Zum größten Teil mussten wir uns heute auskotzen“, beschrieb Marcel Risse die Spielweise seines Teams.

Die Spielweise der Bremer fanden deren Fans eher zum Kotzen. Insgesamt zwei Chancen hatten sich die pomadigen Werder-Profis während der gesamten 90 Minuten herausgespielt. „Wir haben uns nicht gewehrt“, stellte Thomas Schaaf fest. Und Kapitän Torsten Frings, der sich ebenfalls an kein so gruseliges Werder-Spiel erinnern konnte, sagte nach dem Pfeifkonzert beim Schlusspfiff: „Bei solchen Leistungen haben sie das Recht zu pfeifen.“ Der Mainzer Fanblock hingegen sang weiter von Europa.

Thomas Tuchel blieb gewohnt sachlich und sagte nur: „Die Mannschaft hat eine tolle Entwicklung genommen.“ Angst, dass der Hype um die überraschende Tabellenführung seine Spieler ablenken könnte, hat er nicht: „Morgen wird das Spiel analysiert, dann wird trainiert, und danach bereiten wir uns auf Köln vor. Da bleibt gar keine Zeit, sich von dem Tabellenplatz blenden zu lassen.“

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