Bundesliga : Mönchengladbach entlässt Trainer Frontzeck

Borussia Mönchengladbach hat sich von Cheftrainer Michael Frontzeck getrennt. Der Tabellenletzte der Bundesliga zog damit einen Tag nach der 1:3-Niederlage beim FC St. Pauli die Konsequenz aus dem sportlichen Absturz.

von
Michael Frontzeck.
Michael Frontzeck.Foto: dapd

Einen seiner Lieblingsausdrücke benutzte Michael Frontzeck auch noch, als der Dauer-Spruch vom „ohne Wenn und Aber“ nun wirklich nicht mehr passte. „Ich stelle mich der Situation, ohne Wenn und Aber“, erklärte der 46-jährige Fußballlehrer mit der fast vollendeten Glatze, als er gestern Mittag um kurz vor eins den Borussia-Park verließ. Sportdirektor Max Eberl, Vizepräsident Rainer Bonhof und Geschäftsführer Stephan Schippers, die sich da schon seit Stunden die Köpfe darüber zerbrachen, wie es nach Gladbachs 1:3-Niederlage bei Aufsteiger St. Pauli am Samstag weitergehen sollte, ließ er noch wissen: „Ich werde meinen Vertrag erfüllen. Punkt, aus.“

Aber selbst der Trainer erahnte da bereits sein nahendes Ende als Borussen-Coach. „Wer weiß schon, was morgen ist“, murmelte Frontzeck noch, als er in seinen Wagen stieg. So lange musste der gebürtige Mönchengladbacher dann aber gar nicht warten: Fünf Stunden später waren die Führungsspitzen des Liga-Schlusslichts so weit, die Trennung von Frontzeck offiziell bekannt zu geben, nur wenige Minuten nach Beginn der vereinseigenen Karnevalssitzung.

Lange genug gewartet hatten sie mit dieser Entscheidung. Wegen der bewegten Vergangenheit, in der Trainer kamen und gingen, und der positiven Erfahrungen, die sie in der vergangenen Saison mit ihrer Treue zu Frontzeck gemacht hatten, wollten sich die Gladbacher dem Gesetz verweigern, dass der Trainer am Ende die Schuld für alles trägt und als Erster gehen muss. Trotz der andauernden Gegentorflut und der Disziplinlosigkeiten im Team, die Trainer Frontzeck bis zum Schluss nicht in den Griff bekam.

Der letzte böse Bube war Igor de Camargo, der die Borussia in St. Pauli zunächst in Führung brachte, ehe er seinem Team mit einen überflüssigen Kopfstoß gegen Hamburgs Matthias Lehmann inklusive dem dazugehörigen Platzverweis auf die Verliererstraße brachte. Es war die siebte Rote Karte für einen Gladbacher Spieler in der laufenden Runde – ein rekordverdächtiger Wert, der am Sonntag auch gleich seine Fortsetzung erlebte: Statt am gemeinsamen Auslaufen nach dem Vormittagstraining teilzunehmen ging de Camargo seiner eigenen Wege.

„Das kommt natürlich nicht so gut. Alle sollten darauf setzen, dass wir wieder zu einem Mannschaftsgefüge kommen“, rügte Martin Stranzl den Ego-Trip des Belgiers und machte mit seinen Bemerkungen deutlich, wie sehr Frontzeck die Fäden in den letzten Wochen und Monaten entglitten waren. Besonders gut zu beobachten war der besorgniserregende Zustand der Borussia bei den letzten Niederlagen gegen die Klassenkampf-Konkurrenten Stuttgart und St. Pauli. Beim 2:3 gegen den VfB verspielte die Frontzeck-Elf im Handumdrehen eine 2:0-Pausenführung. Und nach der Pleite am Millerntor meinte selbst Winter-Einkauf Mike Hanke: „Langsam muss etwas passieren.“

Gestern Abend wurde Hanke erhört. „Nach den beiden Niederlagen gegen unsere direkten Konkurrenten Stuttgart und St. Pauli mussten wir unsere Situation neu überdenken“, ließ Sportchef Eberl, dessen Schicksal eigentlich eng mit dem des Trainers verknüpft war, nach der Beurlaubung des Trainers ausrichten und schob etwas beschämt hinterher: „Das war für uns eine sehr schwierige Entscheidung.“ Auch Vizepräsident Rainer Bonhof („Wir hätten uns alle sehr gewünscht, die gesteckten Ziele gemeinsam mit Michael Frontzeck zu erreichen“) bemühte sich um ein freundliches Adieu für den glücklosen Coach, der seinen Rausschmiss selbst sehr gefasst kommentierte: „Natürlich ist die Enttäuschung groß. Aber ich kann schon verstehen, dass der Verein die letzte Option ziehen will.“

Die letzte Option ist gezogen - und die nächsten Optionen für die Frontzeck-Nachfolge werden auch schon gehandelt: Die Schweizer Christian Gross, Marcel Koller und, natürlich, Gladbachs Dauer-Retter Hans Meyer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar