Bundesliga-Plan : Anpfiff um 15.30 Uhr - sonntags

Die Bundesliga braucht Fernsehgeld. Dafür entwickelt sie intern einen neuen Spielplan. Fußball-Fans dürfte das freuen, denn die Spiele könnten ab nächster Saison wieder um 15:30 Uhr beginnen. Aber gleichzeitig würden die Spieltage noch weiter zerstückelt werden.

Joachim Huber,Robert Ide

Die Bundesliga soll um 15 Uhr 30 spielen. Das fordern Fußballfans immer wieder, wenn sie sich gegen die Zerfledderung der Spieltage zugunsten des Fernsehens wehren. Ab nächster Saison könnte dem Wunsch der Fans entsprochen werden – und die Spieltage dennoch mehr zerfleddert werden: wenn die Bundesliga sonntags um 15 Uhr 30 spielt. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Funktionärskreisen.

Demnach plant die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der anstehenden Ausschreibung der Fernsehrechte für die Saison 2009/2010 ein Modell mit zwei oder drei Sonntagsspielen, davon eines oder zwei um 15 Uhr 30. „So erhöhen wir die Exklusivität fürs Bezahlfernsehen“, sagte ein hoher Funktionär, der nicht genannt werden möchte. Der Ligaverband hat darüber bereits Gespräche mit dem Deutschen Fußball-Bund geführt. Dort gibt es Widerstand gegen diesen Plan, da somit den Amateurligen Zuschauer verloren gehen könnten. Und mancher Spieler würde dann vielleicht lieber ein Bundesliga-Spitzenspiel seiner Mannschaft sehen als den Hartplatzhelden zu markieren.

Nun soll es ein Kompromisspaket geben, nach dem die Zweite Liga weniger am Sonntag spielt und damit der Druck auf die Amateurklassen etwas abmildert. Zusammengenommen, so der Plan, sollen nicht mehr Erst- und Zweitligaspiele am Sonntag stattfinden wie bisher. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schweigt zu.

Der Ligaverband beginnt die Ausschreibung um die Bundesliga-Rechte der kommenden drei oder vier Jahre am Freitag nächster Woche. Ziel der DFL ist es, wenigstens einen Gesamterlös wie in dieser Saison zu erzielen, also mindestens 409 Millionen Euro.

Angesichts der Finanzkrise und der Probleme von Pay-TV-Anbieter Premiere sollen mehr Extras für das Abofernsehen angeboten werden. Beim derzeit favorisierten Modell bliebe es bei einem Spiel am Freitag (20 Uhr 30), sechs Spielen am Samstag (vielleicht nur fünf mit Anstoß 15 Uhr 30) und zweien am Sonntag (15 Uhr 30 und 17 Uhr 30). Heftig umstritten, nicht nur bei der ARD, ist der Plan eines Samstagspiels um 18 Uhr 30 – parallel zur „Sportschau“.

Die ARD will weniger zahlen

Flexibilität ist angesagt. Damit aber tun sich Fußball und Fernsehen gleichermaßen schwer. Die Offensive der Liga, den Sendern über möglichst viele Anstoßzeiten möglichst viele exklusive Übertragungszeiten anzubieten, wird an ihre Grenzen stoßen. Natürlich muss der Pay-TV-Sender Premiere, der alle Spiele live zeigen will, zufriedengestellt werden, damit die Rupert-Murdoch-Fernsehstation erneut über 200 Millionen Euro pro Saison zahlt.

Wenn Torsten Fricke. Sprecher des Pay-TV-Senders, sagt: „Wir sind registriert und nehmen am Bieterverfahren teil“, gilt für alle „üblichen Verdächtigen“ aus den öffentlich-rechtlichen wie kommerziellen Reihen, vom Free-TV bis zum Abo-Fernsehen. Falls es am Samstag tatsächlich nur fünf Spiele um 15 Uhr 30 gibt, die die dann eine „Sportschau“ im Ersten oder ein anderer Free-TV-Anbieter vor 20 Uhr zusammenfasst, wie es das Bundeskartellamt wünscht, wie reagiert darauf der ARD-Platzhirsch? Bei bislang sechs Spielen am Samstag zahlt der Marktführer im deutschen Fernsehen rund 100 Millionen pro Saison an die Bundesliga-Klubs.

Schon hört man aus ARD-Kreisen, dass der Wegfall eines Spieles (vielleicht gar der Spitzenpartie) für die „Sportschau“- Zusammenfassung die Neigung mindert, wieder an die 100 Millionen pro Spielzeit zu überweisen. Gerne weist man hinter vorgehaltener Hand darauf hin, dass diese Summe deutlich zu viel war. Bei der letzten Vergaberunde war der Privatsender RTL mit 60 Millionen im Angebot, das das Erste ohne wirkliche Not deutlich erhöht hat.

Eine erste Zahl kursiert: Bei nur noch fünf Spielen plus gleichzeitiger Konkurrenz im Pay-TV wären 65 Millionen Euro doch ein ordentlicher Betrag, oder? Hinter einem möglicher 18-Uhr-30-Begegnung vermutet mancher ARD-Hierarch eine Retourkutsche der DFL, weil die Liga nach wie vor argwöhnt, die ARD hätte dem Kartellamt das Muss einer Zusammenfassung eingeflüstert. Von einem Live-Spiel parallel zur „Sportschau“ würde wieder das ZDF profitierem mit seinem „Aktuellen Sport-Studio“, weil die Sendung über dieses Spiel als erste Free-TV-Station berichten könnte.

Sonntagsspiele nicht nur am frühen Abend, sondern auch am Nachmittag. Hier wachsen die Blütenträume der kommerziellen Sender. Premiere im Pay-Bereich, klar, aber auch RTL oder Sat 1 oder wer- auch-immer im Free-TV. Privatsender sind immer an großflächigem Livesport interessiert, nicht an Zusammenfassungen. Und Fans am Anstoß um 15 Uhr 30.

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