Bundesliga : Rassiger Beginn

Im Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga trennen sich Meister Stuttgart und Vizemeister Schalke 2:2.

1. Spieltag
Das lange Warten hat ein Ende. Die Bundesliga ist in ihre 45. Saison gestartet. Das Eröffnungsspiel zwischen Meister Stuttgart und...Foto: dpa

Es war halb neun, als der FC Schalke 04 gestern Abend eine quasi höchstinstanzliche Provokation über sich ergehen lassen musste: Es war der Moment, in dem die Meisterschale auf den Rasen den Stuttgarter Daimlerstadion geführt wurde. Seit jeher gehört dieser Programmpunkt zur offiziellen Eröffnung für die neue Saison der Fußball-Bundesliga, doch in den vergangenen Tagen war darüber spekuliert worden, dass die Schalker, die ewigen Schalenverpasser, die Präsentation der Trophäe als unfreundlichen Akt auffassen könnten. Zur Strafe pfiffen deren Fans in die Eröffnungsworte des VfB-Präsidenten Erwin Staudt hinein, ihre Unmutsbekundungen wurden jedoch vom Stuttgarter Jubel überstimmt, als Staudt im Namen der Schale den Wunsch aussprach, sie „möchte am liebsten hier bleiben“. Beide Mannschaften untermauerten gestern in einem vor allem in der zweiten Hälfte aufregenden Spiel ihre Ambitionen auf die Schale. Am Ende trennten sich Meister und Vizemeister der vergangenen Saison 2:2 (0:1). „Ich freue mich für die Bundesliga, dass es so ein rassiges Spiel war“, sagte Schalkes Trainer Mirko Slomka.

Der VfB trat zunächst dominant auf, bemühte sich um ein klug angelegtes Kombinationsspiel, obwohl Trainer Armin Veh vier Spieler (Bastürk, Gledson, Delpierre, Gomez) ersetzen musste. Die Schalker begannen die neue Saison ausschließlich mit Spielern, die auch schon in der vergangenen da waren. Nicht der Vier-Millionen-Einkauf Ivan Rakitic spielte zunächst hinter den Spitzen, sondern der 18 Jahre alte Mesut Özil.

Der Deutsch-Türke hinterließ bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung zur Pause einen guten Eindruck und verantwortete nach einer Viertelstunde auch die erste ansprechende Offensivaktion der Schalker. Sein Flachschuss aus 18 Metern ging knapp am Tor vorbei. Schalke stand in der Defensive sehr sicher, ließ anfangs nur eine Chance durch Cacau zu, der mit seinem schwachen Abschluss aber an Torhüter Manuel Neuer scheiterte. Nach 20 Minuten hatten die Gäste mit ihrer entschlossenen Abwehrarbeit das Spiel des VfB weitgehend lahm gelegt, in der Folge wurden sie, zunächst mit Kontern, selbst aktiver. Die Führung für die Schalker aber kam nur mit Glück zustande. Einen schlappen Fernschuss von Lewan Kobiaschwili lenkte Stuttgarts Außenverteidiger Roberto Hilbert mit der Sohle ins eigene Tor.

Rein statistisch konnten die Schalker gar nicht gewinnen. Seitdem dem Meister im Jahr 2002 zum ersten Mal die Ehre zuteil geworden ist, die Saison offiziell zu eröffnen, hat er sein Auftaktspiel noch nie verloren. Erschwerend kam für die Schalker ihre persönliche Bilanz beim VfB hinzu. Von den letzten sieben Spielen in Stuttgart hatten sie nicht ein einziges gewonnen – und insgesamt genau ein Tor geschossen.

Der Rückstand machte es für die Stuttgarter nicht einfacher, zumal es dem Sturmduo Cacau und Marica noch an Abstimmung fehlte. Der Rumäne hatte trotzdem die beste Chance zum Ausgleich: Nach einer langen Flanke von Boka nutzte Marica einen Stellungsfehler in der Schalker Abwehr, köpfte den Ball über Neuer hinweg, aber auch über die Latte.

Auch nach der Pause fanden die Stuttgarter zunächst kein Mittel gegen die starke Schalker Defensive, die Gäste hatten sogar die besseren Chance zum vielleicht vorentscheidenden 2:0: Pander setzte einen Freistoß knapp am Tor vorbei, Ernst scheiterte aus fünf Metern an Schäfer, und Kuranyis Schuss wurde von Hilbert im letzten Moment geblockt. Kurz darauf schien sich das Spiel zu wenden. Bordon rutschte an einem Pass in die Spitze vorbei, Sami Khedira traf zum 1:1. Fortan war es ein Duell ohne taktische Zwänge: Stuttgart stürmte weiter, ging nur vier Minuten nach dem Ausgleich durch einen von Pavel Pardo verwandelten Foulelfmeter (Neuer an Marica) in Führung, musste aber schon kurz darauf durch den eingewechselten Rakitic das 2:2 hinnehmen. Völlig ungerecht war das irgendwie nicht.

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