Bundesliga-Rückrunde : Die Hoffnung ist ein alter Mann

Am Freitag beginnt die Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Etliche Traditionsvereine kämpfen gegen den Abstieg. So der Tabellenletzte Borussia Mönchengladbach, der vor allem auf den 36 Jahre alten Tomas Galasek setzt.

Stefan Hermanns[Mönchengladbach]
Gladbach sucht einen neuen Testgegner

Der Ausflug ins Fach der Spielervermittler ist für Hans Meyer in diesem Sommer mit einem grandiosen Misserfolg geendet. Dabei hatte er ein durchaus interessantes Objekt in seinem Portfolio: Nationalspieler und EM-Teilnehmer, guter Charakter mit bescheidenen Gehaltsvorstellungen. Meyer mühte sich vergeblich. Mehreren Zweitligisten hatte der beurlaubte Trainer des 1. FC Nürnberg die Dienste des Tschechen Tomas Galasek angeboten, niemand wollte ihn haben. Meyer hat das sehr bedauert, weil er Galasek gerne geholfen hätte; inzwischen aber muss er gottfroh sein über seinen Misserfolg. Seit drei Monaten arbeitet Meyer wieder als Trainer, er soll Borussia Mönchengladbach vor dem dritten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bewahren – und Tomas Galasek wird ihn fortan bei diesem schwierigen Unterfangen unterstützen. „Ich weiß, was ich an ihm habe“, sagt Meyer.

Für Borussias Trainer ist das ein halbwegs beruhigendes Gefühl in unruhiger Zeit. Mit elf Punkten und 35 Gegentoren sind die Gladbacher Tabellenletzter, gleich vier neue Spieler hat der Klub in der Winterpause geholt, und jede einzelne Verpflichtung hat ihre Berechtigung: Logan Bailly, 23 Jahre alt, ist ein Torhüter mit Ausstrahlung, Innenverteidiger Dante, 25, soll der Viererkette Sicherheit verleihen und Außenverteidiger Paul Stalteri, 31, seine Erfahrung einbringen. Die Schlüsselfigur für den Klassenerhalt aber ist Galasek, der für 50 000 Euro von Banik Ostrau gekommen ist: Dem Tschechen wird als Sechser im defensiven Mittelfeld die Aufgabe zukommen, das wacklige Gesamtgebilde zu stabilisieren. „Die Stärken von Tomas werden nicht so sehr im individuellen Spiel Mann gegen Mann sichtbar“, sagt Meyer. „Aber ich hoffe, dass er die anderen allein durch seine Anwesenheit ein bisschen besser macht.“

Die Hoffnung ist berechtigt. Galasek hat 69 Länderspiele bestritten, er bringt genügend Erfahrung mit und kennt aus seiner Zeit in Nürnberg die Bundesliga. „Die jungen Spieler können meine Erfahrung brauchen“, sagt er. Die Sache hat nur einen Haken: Der Tscheche ist gerade 36 geworden. Natürlich hat das eine gewisse Skepsis provoziert. „Er ist kein Blitz mehr“, sagt Meyer. Doch an der generellen Befähigung für die Bundesliga zweifeln sie in Gladbach nicht. „In den letzten zwölf Jahren hat er in jeder Saison mindestens 30 Spiele bestritten – über 90 Minuten“, sagt Sportdirektor Max Eberl. In Ostrau fehlte Galasek in der Hinrunde nicht eine einzige Minute.

Der Borussia-Park in dieser Woche: Die Gladbacher verlieren ihr vorletztes Testspiel vor dem Rückrundenstart 2:4 gegen Dortmund. Am nächsten Tag jault die Boulevardpresse über den anhaltenden Misserfolg ihres Lieblingsfeinds Meyer, doch Borussias Trainer hat neben den kindischen Fehlern vor den Gegentoren auch Fortschritte erkannt. Als Trainer ist Meyer ein Strukturalist. Das Spiel seiner Mannschaft soll klaren Linien folgen, nicht den Eingebungen des Zufalls. „Wir brauchen eine Grundordnung“, sagt er. Im Test gegen Dortmund ist diese Struktur zumindest in Ansätzen zu erahnen.

Das liegt vor allem an Galasek. „Er ist der Denker und Lenker“, sagt Borussias Sportdirektor Eberl. „Er hilft der Mannschaft, die Ordnung zu halten, indem er immer die Ruhe bewahrt und den Kopf oben hält.“ Galasek erkennt Gefahren rechtzeitig, er besitzt eine hohe Spielintelligenz und eine mehr als solide Balltechnik, die ihn auch in Bedrängnis nicht nervös werden lässt. Dadurch ist er immer anspielbar. „Tomas sieht auf dem Platz deutlich mehr als alle anderen, die ich habe“, sagt Hans Meyer. „Er ist ein typischer Hans-Meyer-Spieler.“

Borussias Trainer hat ein Faible für diese strategisch denkenden und klar spielenden Sechser. Für Leute wie Zvonimir Soldo, der am Ende seiner Karriere, mit fast 40, kaum noch laufen konnte, aber allein durch seine überlegene Art das Spiel des VfB Stuttgart gelenkt hat. Galasek war 33, als Meyer ihn 2006 ablösefrei von Ajax Amsterdam zum 1. FC Nürnberg geholt hat. Die Mannschaft, ein Jahr zuvor noch Abstiegskandidat, beendete die Saison als Sechster und gewann den DFB-Pokal. „Ohne Meyer wäre der Club wahrscheinlich auch Pokalsieger geworden“, sagt Hans Meyer, „ohne Galasek auf keinen Fall.“

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