Bundesliga-Saisonvorschau (14) : Schalke 04: Ein Klub erfindet sich neu

Am 26. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 54. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 14: FC Schalke 04.

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Sieg in der ersten Pokalrunde, aber das interne Ziel lautet Champions League.
Sieg in der ersten Pokalrunde, aber das interne Ziel lautet Champions League.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Ob sich etwas verbessert hat, wird sich erst noch erweisen müssen. Zumindest gibt es eine wesentliche Veränderung im Verein: die Chefs auf Schalke sind neu. Manager Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl versuchen, dem Klub sportlichen Erfolg und auch ein neues Image zu geben. Eines der wichtigsten Bestreben Heidels ist es, dass die bundesweite Öffentlichkeit außerhalb Gelsenkirchens die Worte Schalke und Chaos künftig nicht mehr automatisch in Einklang bringt. Dieses hehre Ziel kann der Manager aber wohl nur dadurch erreichen, dass er Kontinuität bei den handelnden Personen erzielt und nicht nach einer Saison schon wieder eine Personalrotation eintritt – so wie in den vergangenen Jahren.

Mit Weinzierl hat Heidel einen Trainer verpflichtet, der anders als sein Vorgänger André Breitenreiter weniger Wert auf große Worte, sondern ganz im Gegenteil geradezu wortkarg aber überaus intensiv an den Geschicken seines Teams arbeitet. Die beiden Neuen haben sich bislang bei den Anhängern des Klubs durch ihre zurückhaltende, bodenständige Art viel Zustimmung erarbeitet.

Wer sind die Stars?

Da mit Leroy Sané der größte (Jung-)Star den Klub gerade für 50 Millionen Euro in Richtung Manchester City verlassen hat, können sich gleich mehrere Spieler um diesen imaginären Titel bewerben. Einer der Top-Kandidaten ist wie schon seit Jahren Alt-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, sollte er seine alte Treffsicherheit wiedererlangen. Aber auch der von Heidel jüngst verpflichtete, erst 19 Jahre alte Angreifer Breel Embolo, für den die Schalker bis zu 27 Millionen Euro Ablöse bezahlen müssen, könnte sich von einem großen Versprechen zu einem Liebling der Fans entwickeln.

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Erstes Training nach Sané-Transfer: Mit Baba und Embolo
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Mit dem Spanier Coke haben die Schalker einen Führungsspieler vom FC Sevilla und den dringend benötigten rechten Verteidiger verpflichtet, der sich aber erst einmal eine Kreuzbandverletzung zugezogen hat. Für Trainer Weinzierl spielen solche Diskussionen ohnehin keine Rolle. Für ihn ist die Mannschaft der Star. Und diese Haltung muss er den Schalkern einimpfen.

Wer hat das Sagen?

Tatsächlich hat sich der erst lange höchst umstrittene Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dazu verpflichtet, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen – vor allem mit seinen (oft Verwirrung stiftenden) Statements in der Öffentlichkeit. Alle Macht ist laut Tönnies-Dekret an Heidel übergegangen. Und der 53 Jahre alte Manager ist eifrig dabei, seine Rolle wahrzunehmen und Veränderungen herbeizuführen. Die Umbauarbeiten sind in vollem Gang. Die Infrastruktur auf dem Trainingsgelände wird unter Anleitung Heidels genauso intensiv verändert wie die Mannschaft. Über beide Arbeiten, die Heidel als wenig intensiv angekündigt hat, er aber umso ausschweifender angeht, verliert der Manager keine großen Worte, was geradezu für Verzückung im Umfeld sorgt. Zumal sich Tönnies tatsächlich zurückhält.

Was ist in dieser Saison möglich?

Die Schalker arbeiten gerade daran, sich eine neue Spielidee und damit eine Identität zu verschaffen, die es erlaubt, flexibel auf Spielsituationen zu reagieren. Die bisherige Methode, dem Gegner lediglich viel Wucht und individuelle Fähigkeiten entgegenzusetzen, hat zuletzt zunehmend an Wirkung verloren. Die Schalker wollen dadurch den Anschluss an die Spitze wiederherstellen. Es wird davon abhängen, wie überzeugend Weinzierl auf seine Spieler einwirken kann. Das interne Ziel Champions League ist möglich, allerdings nur in einer Saison, in der das berühmte Schalker Chaos tatsächlich ausbleibt.

Und sonst?

Ohne Superlative geht es bei Schalke auch weiterhin nicht. Der „geilste Klub der Welt“, wie sich die Schalker oft selbst nennen, hat nun auch mit rund 305 Quadratmetern Europas größten Videowürfel unter dem Stadiondach.

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