Bundesliga-Saisonvorschau (14) : VfL Wolfsburg: Charmanter klotzen

Am 22. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 52. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 14: VfL Wolfsburg.

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Neuzugang Nicklas Bendtner (Mitte) bringt den Ruf eines Problemprofis mit nach Wolfsburg.
Neuzugang Nicklas Bendtner (Mitte) bringt den Ruf eines Problemprofis mit nach Wolfsburg.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Auch wenn es angesichts seiner enormen Finanzkraft kurios klingen mag: Irgendwie hat es der VfL Wolfsburg geschafft, bodenständiger und vernünftiger zu wirken. Unter der Regie von Dieter Hoeneß und Felix Magath war es angesichts von hamsterartigen Spielereinkäufen nicht gelungen, Demut walten zu lassen. Seitdem Klaus Allofs Geschäftsführer des VfL ist, wird charmanter geklotzt. Profis wie der Brasilianer Luiz Gustavo und der Belgier Kevin de Bruyne sind seine bisherigen Königstransfers. Wenn Allofs seinen Einkaufswagen durch die internationale Fußball-Welt schiebt, greift er gezielter zu als seine wuchtigen Vorgänger.

Wer sind die Stars?

Gustavo ist der Leitwolf des Teams. Der brasilianische Nationalspieler, im Sommer vergangenen Jahres dem FC Bayern München abgekauft, besitzt eine tief verinnerlichte Dominanz. Er muss nicht viel reden, um ein Mittelfeld vor sich zu sortieren. Gustavo ist ein Könner auf der Sechser-Position, den sich so mancher europäische Spitzenklub gerne leisten möchte. Doch der 27-Jährige ist bereit für weitere Taten mit den Niedersachsen. Das dürfte an seinem gut dotierten Arbeitsvertrag liegen, aber auch an der greifbaren Chance, sich hinter dem Deutschen Meister aus München und Borussia Dortmund als ernsthafter Bewerber für einen Champions-League-Platz zu positionieren.

Wer hat das Sagen?

Eindeutig Allofs. Auch wenn er über die ganz großen Buchungsposten nicht allein entscheiden darf: Der 56-Jährige ist das Gesicht des VfL, seit er Werder Bremen im Winter 2012 nach 13 Jahren verlassen hatte, um unter deutlich besseren Rahmenbedingungen arbeiten zu können. „Wir werden in der Liga respektiert und anders wahrgenommen“, sagt Allofs über das, was ihm am meisten am Herzen liegt. Er soll dazu beitragen, dass es in den gegnerischen Fankurven seltener Golfsburg statt Wolfsburg heißt. Seine Argumente sind gar nicht so schlecht. Ja, dem VfL Wolfsburg fehlt es an Tradition. Aber der Verein war schon Deutscher Meister (2009) und gehört der Bundesliga seit 17 Jahren an.

Was erwarten die Fans?

Dass die Mischung stimmt. Es ist nicht zu überhören, dass der Wolfsburger Anhang Lust auf eine Saison mit Auftritten in der Europa League hat und auch weiterhin reisen möchte. Aber der Erfolg muss nicht mit Gewalt erzwungen werden. Dass VfL-Trainer Dieter Hecking mit Robin Knoche und Maximilian Arnold regelmäßig zwei im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildete Spieler in seine Stammelf beruft, tut dem gesamten Wolfsburger Projekt gut.

Die Fans des VfL hatten ja in der jüngeren und älteren Vergangenheit über Jahre einige Mühe, sich all die Namen der gekauften und verkauften Berufsfußballspieler zu merken. Sie haben sogar nostalgische Anwandlungen, wenn ein Liebling wie Marcel Schäfer für ein paar Minuten eingewechselt wird. Der Linksverteidiger steht für ein Stück Bodenständigkeit und ist bereits seit sieben Jahren im Verein. Zwischenzeitlich gehörte er auch mal zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Beim modernen und stark verbesserten VfL Wolfsburg aber kommt Schäfer über die Rolle des Reservisten schon lange nicht mehr hinaus. Und doch sind die Fans froh, dass er immer noch da ist.

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Was ist in dieser Saison möglich?

Mehr als Allofs und Hecking öffentlich sagen. Wenn es den Wolfsburgern gelingt, den Spagat zwischen nationalen und europäischen Auftritten unfallfrei hinzubekommen, sind sie ein Kandidat für die Champions League.

Und sonst?

Die Verpflichtung des 26 Jahre alten Dänen Nicklas Bendter lässt aufhorchen. Der frühere Torjäger von Arsenal London entspricht nicht dem gewohnten Wolfsburger Beuteschema. Bendter war ablösefrei zu bekommen und bringt den Ruf eines Problemprofis mit an den Mittellandkanal. „Er ist ein bunter Vogel. Aber das kann auch gut sein“, findet Hecking, der als Ergänzung für den nimmermüden Ivica Olic unbedingt einen guten Stürmer benötigte. „Ich bin überzeugt, dass das hier der richtige Platz für mich ist“, sagt Bendter. Sein Vertrag läuft bis 2017 und gibt ihm die Chance, mehr schöne Tore zu schießen, anstatt wie zuletzt für nudistisch angehauchte Skandälchen zu sorgen.

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