• Bundesliga-Saisonvorschau (15): Bayer Leverkusen: Leicht zu begeistern, leicht zu frustrieren

Bundesliga-Saisonvorschau (15) : Bayer Leverkusen: Leicht zu begeistern, leicht zu frustrieren

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 15: Bayer Leverkusen.

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Hohe Erwartungen: "Unser Ziel ist es, perfekt zu spielen", sagt Leverkusens Trainer Roger Schmidt (4. v. r.).
Hohe Erwartungen: "Unser Ziel ist es, perfekt zu spielen", sagt Leverkusens Trainer Roger Schmidt (4. v. r.).Foto: imago

Was hat sich verbessert?

Bis jetzt nichts. Es scheint auch, als wolle sich Bayer 04 Leverkusen gar nicht verbessern, sondern den Status halten. Mit Rang vier, den die Mannschaft des Trainers Roger Schmidt in der vergangenen Saison erreichte, waren in Leverkusen jedenfalls alle zufrieden. Schmidt scheint es vor allem darum zu gehen, sein offensives Spielsystem weiter zu verfeinern. „Unser Ziel ist es, perfekt zu spielen. Was dabei herauskommt, kann ich nicht sagen“, betont der Trainer. Ihm steht ein Team mit viel Talent zur Verfügung, das in den bisherigen Spielen Schwächen in der Abwehr zeigte. Im Mittelfeld hat sich einiges geändert. Gonzalo Castro ging nach Dortmund, Stefan Reinartz ablösefrei nach Frankfurt. Der langjährige Kapitän Simon Rolfes beendete seine Karriere. Christoph Kramer, der aus Gladbach zurückgekehrt ist, und Neuzugang André Ramalho sind als Ersatz gedacht. Eine größere Rolle dürfte Charles Aránguiz zukommen. Der Wechsel des chilenischen Nationalspielers von Internacional Porto Alegre ist brasilianischen Medien zufolge bereits perfekt.

Wer sind die Stars?

Die hochbegabten Techniker Karim Bellarabi und Hakan Calhanoglu haben schon in der abgelaufenen Saison das Publikum begeistert. Was allerdings allen Leverkusener Stars auch unter Schmidt fehlt, ist echter Biss. Sie leben die in Leverkusen fest verwurzelte Vizekusen-Kultur, in der sie verlässlich versagen, wenn es darauf ankommt. Wie im Frühjahr im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Atlético Madrid, als Bayer im Elfmeterschießen scheiterte – und zum vierten Mal hintereinander in der Runde der letzten 16 ausschied.

Wer hat das Sagen?

Auf dem Platz gibt der neue Kapitän Lars Bender den Ton an. Er ist zwar erst 26 Jahre alt, aber schon lange ein Führungsspieler. Es war keine Überraschung, dass Schmidt ihn zu Rolfes’ Nachfolger bestimmte. Tonangebend neben dem Platz ist weiterhin Sportchef Rudi Völler, der Kommentare zu allem abgibt, was mit Bayer im Speziellen und Fußball im Allgemeinen zu tun hat. Dazu gehören gelegentliche Attacken gegen den FC Bayern, Kritiker aller Art und die Schiedsrichter. Ohne ihn wäre es sehr langweilig in Leverkusen.

Was erwarten die Fans?

Die Bayer-Fans sind glücklich und fühlen sich wohl, wenn sie schöne Spiele sehen. Niederlagen stecken sie in der Regel gefasst weg. Sehr, sehr wichtig ist es aber, den Lieblingsfeind 1. FC Köln zu schlagen, das hebt ihre Laune. Und natürlich wären sie unglücklich, wenn Leverkusen in den Champions-League-Play-offs gegen Lazio Rom versagen würde. Denn sie haben sich in den vergangenen vier Jahren daran gewöhnt, dass ab und an große europäische Vereine in Leverkusen vorbeischauen.

Was ist in dieser Saison möglich?

Falls Leverkusen es schafft, die Defensive zu stabilisieren, ist wieder ein Platz im erweiterten Verfolgerfeld des FC Bayern drin. Es wird viel davon abhängen, ob Bayer sich für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert, das Hinspiel in Rom findet am 18. August statt, das Rückspiel eine Woche später in Leverkusen. Ein Erfolg würde dem Team Elan und Selbstvertrauen für die Saison geben, eine Pleite der Leverkusener womöglich einen negativen Lauf einleiten. Schmidts Mannschaft ist mit einem Altersdurchschnitt von knapp 24 Jahren sehr jung und somit leicht zu begeistern, aber auch leicht zu frustrieren.

Und sonst?

Dass Gonzalo Castro nun wirklich für den BVB spielt, werden viele Leverkusener wohl erst begreifen, wenn sie ihn zum ersten Mal live in Schwarz-Gelb sehen. Castro kam schließlich 1999 als Zwölfjähriger nach Leverkusen. Die Begründung für den Wechsel, die der gebürtige Spanier vor kurzem zum Besten gab, klang wie eine Kapitulation: „Ich hätte gerne auch mit Bayer Titel geholt, wir waren ein paarmal nah dran. Die Wahrscheinlichkeit in Dortmund ist vielleicht etwas größer.“

– Morgen Folge 16: Borussia Mönchengladbach

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