Bundesliga : Schalke stürzt ins Mittelmaß

Eine alte Schwäche erreicht bei Schalke eine neue Qualität: Das einstige Spitzenteam trifft nicht mehr ins Tor

Jörg Strohschein[Hannover]

Es ist immer ein schlechtes Zeichen für eine Mannschaft, wenn der gegnerische Torhüter zum besten Spieler seines Teams gewählt wird. An diesem Nachmittag in Hannover gab es aber wohl niemanden im Stadion, der anderer Meinung war. Robert Enke hatte Hannover 96 das 1:0 über den FC Schalke 04 gerettet und dabei teils atemberaubende Paraden gezeigt. „Besser kann ein Comeback nicht laufen“, sagte der Nationaltorhüter, der nach fast viermonatiger Verletzungspause zum ersten mal wieder spielte. „Das war ein Zeichen in Richtung Nationalmannschaft. Und das vor den Augen des Bundesttorwarttrainers Andreas Köpke“, sagte Enke stolz.

Enkes Freud war der Schalker Leid. Noch lange nach dem Schlusspfiff konnten sie nicht fassen, was ihnen widerfahren war. So eine Anzahl bester Möglichkeiten hatten sie sich wohl in der gesamten Saison noch erspielt. Doch die Unfähigkeit der Schalker vor dem gegnerischen Tor ist kein Phänomen eines einzelnen Spiels, sondern eine alte Schwäche, die gegen Hannover allerdings ein neue Qualität erhalten hatte. „Ich kann der Mannschaft kaum einen Vorwurf machen. Aber um ein Spiel zu gewinnen, muss man Tore schießen, das ist uns nicht gelungen“, sagte Trainer Fred Rutten. Und Manager Andreas Müller ergänzte: „Es tut verdammt weh. Wir können uns keinen Ausrutscher mehr erlauben.“ Die beiden sportlich Verantwortlichen vermieden es erneut, Kritik an ihren Spielern zu üben. „Es ist keine Frage mangelnder Qualität, unsere Stürmer haben schon in der Bundesliga und der Nationalmannschaft bewiesen, dass sie treffen können“, sagte Müller. Von Mittelfeldspielern, die ebenfalls Torgefahr ausstrahlen könnten, war nicht die Rede.

Und so werde es auch keine weitere Verstärkung mehr für die Rückrunde geben, obwohl die Schalker noch bis heute Mittag Zeit hätten für eine Verpflichtung. Stürmer, die Tore garantieren, gibt es in der Winterpause nicht. Und im Sommer wohl auch nicht, „weil Schalke diese Leute nicht bezahlen kann“, wie Müller sagt. Nach dem Absturz auf Platz neun, ins graue Mittelmaß der Bundesliga, wird Schalke es schwer haben, noch einen Platz im Uefa-Cup oder gar in der Champions League zu erreichen.

Andreas Müller versuchte sich trotzdem in Optimismus: Neun Heimspiele hätten die Schalker noch, lediglich sieben Mal müssten sie auswärts antreten, „und die ganzen Kontrahenten um die internationalen Plätze kommen noch zu uns“. Doch in der Bundesliga-Hinrunde gelang den Schalkern gegen eben diese Konkurrenz nur ein einziger Sieg – gegen Hertha BSC. Jörg Strohschein

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