Sport : Bundesliga: Schocktherapie im Stadion

Robert Ide

Nun ist es passiert. Die KirchMedia GmbH hat am Montag Insolvenzantrag gestellt, die Zukunft von Kirchs Bezahlsender Premiere ist ungewiss. Damit steht die Fußball-Bundesliga, die ihre Fernsehrechte an Kirch verkauft hat, vor ihrer größten Finanzkrise. Der wichtigste Geldgeber des deutschen Fußballs ist pleite. Der für das Insolvenzverfahren bestellte Sanierer, Wolfgang van Betteray, kündigte in München an, dass Premiere trotzdem weitersenden werde und auch die zur Kirch-Gruppe gehörenden Sender Sat 1 und Deutsches Sportfernsehen (DSF) ihre Sport-Berichterstattung fortsetzen. "Der Fan muss für den Rest der Saison nicht auf die Bundesliga verzichten", sagte Betteray. Trotz der angestrebten Sanierung von Kirch durch mehrere Gläubigerbanken sind die Manager der Fußball-Vereine längst auf der Suche nach neuem Geld.

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Zur weiteren Finanzierung der Bundesliga gibt es drei Möglichkeiten. Erstens: Das Kerngeschäft von Kirch wird mit Hilfe der Banken saniert. Die Vereine müssten nur eine Übergangsphase finanziell überbrücken. Zweitens: Der Staat hilft aus, entweder mit Bürgschaften und Krediten oder über die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, die die Fußball-Rechte kaufen könnten. Drittens: die Liga muss die Krise selbst ausbaden. Millionengehälter der Spieler müssten gekürzt werden, unrentable Vereine hätten abgewirtschaftet. Eine Schocktherapie, die vielleicht heilsam wäre.

Öffentlich geben die Vereine zunächst Entwarnung. Der Spielbetrieb in der Ersten und Zweiten Liga soll am Wochenende weitergehen, als sei nichts passiert. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kann auf finanzielle Rückstellungen von 40 Millionen Euro zurückgreifen. "Wir bringen die Saison ohne Probleme über die Bühne", sagt Liga-Boss Werner Hackmann. Selbst ein Ausbleiben der nächsten Kirch-Rate in Höhe von 100 Millionen Euro zum 15. Mai könne überbrückt werden.

Was aber passiert danach? Die SPD hat staatliche Bürgschaften für die Vereine ins Gespräch gebracht. Doch im Lande und bei der Opposition regt sich Protest gegen Steuergeld für Fußball-Millionäre. Selbst die Grünen, die mit der SPD in der Regierung sitzen, wollen nicht den Retter spielen. "Die Bundesliga soll sich selbst sanieren", sagte der sportpolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, dem Tagesspiegel. "Der Staat darf den Millionenstars nicht noch staatliche Gelder hinterherwerfen."

Bei manchem Verein hat bereits das Nachdenken über das eigene Wirtschaften eingesetzt. Als erster räumte Reiner Calmund, Manager von Bayer Leverkusen, ein: "Die Gehälter der Spieler sind zu hoch." Von den Spielern selbst haben sich bisher nur wenige bereit erklärt, auf ihr Geld zu verzichten. Als erster hatte Stefan Beinlich von Hertha BSC erklärt, die Gehaltsspirale sei überdreht.

Angesichts der Krise üben sich die Klubs in Krisen-Managment. Der FC Hansa Rostock, der 14 Millionen Euro an Fernsehgeldern einnimmt - das entspricht fast der Hälfte des 30-Millionen-Euro-Etats -, hält sich bei Spielerkäufen zurück. "Derzeit unterschreiben wir keinen neuen Vertrag", sagte Hansa-Vorstandschef Horst Klinkmann dem Tagesspiegel. In der nächsten Saison will der Verein lieber Nachwuchsspieler integrieren, zudem soll die Vermarktung des eigenen Stadions Geld bringen. 14 Millionen Euro dürften damit aber kaum zu ersetzen sein.

Fest steht: Die versprochenen Einnahmen für den Fußball sind nicht mehr sicher. Kirch hat für die laufende Saison 357,9 Millionen Euro an Fernsehgeldern zugesichert, in der nächsten Saison sollen laut Vertrag 360,5 und in der übernächsten 460,2 Millionen Euro fließen. Nach Angaben von Kirchs Gläubigern soll nun nachverhandelt werden, die Sanierer wollen den Preis drücken. Auch andere Sender könnten sich das Produkt Bundesliga sichern. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat die Übernahme der Senderechte durch die ARD vorgeschlagen. Doch die ARD antwortet darauf nur mit dem Hinweis: Wer soll das bezahlen? "Wir lauern nicht auf Beute", sagt ARD-Sprecher Rüdiger Oppers. Die Wiederbelebung der traditionellen "Sportschau im Ersten" sei zwar eine verlockende Vorstellung, aber derzeit nicht bezahlbar. "Eine Gebührenerhöhung für den Fußball ist mit uns nicht zu machen", sagt Oppers.

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben sowieso ein anderes Problem: die Übertragung der in sechs Wochen beginnenden Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Kurz vor ihrem Insolvenzantrag hat die Kirch-Gruppe die Fernseh-Rechte für das Turnier auf die schweizerische Tochterfirma Kirch Sport übertragen. Damit kann der Insolvenzverwalter die Rechte nicht weiterverkaufen. "Die Übertragungen von der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 in Südkorea und Japan sind gesichert", lässt die Fifa wissen. Doch solche Meldungen hat man in den vergangenen Tagen schon oft gehört.

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