Bundesliga : Spitzenclubs sind unter Druck

Besonders in Schalke und Stuttgart wird man langsam unruhig. Verlieren die Knappen das Spitzenspiel gegen Bremen, finden sie sich im Mittelfeld der Tabelle wieder. Wenig Sorgen hat man dagegen beim HSV.

Heinz Büse
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Gemeinsam ratlos. Stuttgarts Trainer und Manager, Armin Veh und Horst Heldt. -Foto: ddp

Hehre Ziele, trübe Aussichten - den Spitzenclubs der vorigen Saison drohen unruhige Zeiten. Bereits nach zehn Spieltagen ist sowohl beim Titelverteidiger VfB Stuttgart als auch beim Meisterschafts-Zweiten aus Gelsenkirchen keine Rede mehr davon, den übermächtigen Bayern Paroli bieten zu wollen. Stattdessen macht sich Ernüchterung breit. Vor allem die Schwaben sind nach schwachem Saisonstart und dem Fall auf den 14. Tabellenplatz um Schadensbegrenzung bemüht. "Das Nervenkostüm ist angespannt, keine Frage. Die Verunsicherung ist nicht wegzudiskutieren", bekannte VfB-Sportdirektor Horst Heldt im "Kicker" vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen.

Auch beim FC Schalke 04 wächst der Druck. Nach nur vier Bundesliga-Siegen beträgt der Abstand auf Spitzenreiter FC Bayern München schon neun Punkte. Bleibt auch im Schlagerspiel des 11. Spieltags gegen den Tabellenzweiten Werder Bremen ein Erfolgserlebnis aus, könnte es ungemütlich werden. Präsident Josef Schnusenberg machte keinen Hehl aus seiner Erwartungshaltung: "Setzen wir die nächsten Spiele in den Sand, haben wir alle gemeinsam ein Problem."

Noch keine offene Trainerdiskussion

Noch halten sich die Arbeitgeber der betroffenen Fußball-Lehrer Armin Veh und Mirko Slomka zurück. "Allein die Frage nervt mich schon", entgegnete Sportdirektor Heldt den Andeutungen über eine drohende Trainerdiskussion beim VfB, der nur noch einen Punkt von einem Abstiegsplatz entfernt ist.

Auch "auf Schalke" stellte man die Arbeit von Slomka in den vergangenen Tagen nicht prinzipiell in Frage, übte aber nach der Heimschlappe gegen Karlsruhe erstmals leise Kritik. Schnusenberg erinnerte vor dem richtungweisenden Duell mit Werder an die Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts: "Mirko Slomka steht genauso wie der Vorstand in der Verantwortung. Ob ich meine Kritik an ihm erweitern muss, wird sich in den nächsten Wochen zeigen." Slomka glaubt, die "volle Rückendeckung des Präsidenten" zu haben.

Von der Erfolgsstory ihres Kollegen Ottmar Hitzfeld können Veh und Slomka derzeit nur träumen. Obwohl der Rekordmeister beim 3:2 im UEFA-Cup-Spiel bei Roter Stern Belgrad lange Zeit wankte, verließ er am Ende mal wieder als Sieger den Platz. "Wir waren in dieser Saison noch nie so dicht an einer Niederlage", befand der Coach. Ob seine Profis am Sonntag in Dortmund weiter ungeschlagen bleiben, hängt nach dem Kraftakt auf dem "Kartoffelacker" in Belgrad von deren Regenerationsfähigkeit ab. Zur Erleichterung des ehemaligen BVB-Trainers Hitzfeld sind die Comebacks von Luca Toni und Martin Demichelis so gut wie sicher. "Es ist immer schön, in das Dortmunder Stadion zurückzukehren. Noch schöner ist es, es mit drei Punkten zu verlassen", sagte Hitzfeld, der weiter um den Einsatz von Franck Ribéry bangen muss.

Hamburg will Siegesserie fortsetzen

Ähnlich wie dem FC Bayern bleibt auch dem Hamburger SV bis Sonntag Zeit, sich von den Strapazen im UEFA-Cup zu erholen. Drei Tage nach dem 1:0 in Bergen soll in Duisburg der nächste Auswärtssieg folgen. Dagegen müssen die Profis aus Leverkusen mit einer kürzeren Regenerationsphase auskommen. Zum Leidwesen von Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, der vor der Partie schon am Samstag in Stuttgart heftige Kritik an der Spielplan-Gestaltung übte: "Das ist Wettbewerbsverzerrung. Die Spieler sind bis an ihre Grenzen gegangen und werden danach dafür bestraft, dass sie in den UEFA-Cup gekommen sind."

Neben den sechs Teams, die den deutschen Fußball während der Woche auf europäischer Bühne vertraten, steht Energie Cottbus am 11. Spieltag im Mittelpunkt des Interesses. Als einziges Bundesliga-Team ist die Mannschaft von Trainer Bojan Prasnikar noch immer ohne Sieg. Eine Niederlage in Bielefeld könnte die ohnehin prekäre Lage weiter verschärfen. Ein Torwartwechsel von Tomislav Piplica auf Gerhard Tremmel soll helfen, den Abwärtstrend zu stoppen. "Der Druck auf Piplica ist zu groß geworden", begründete Prasnikar die Entscheidung. (mit dpa)

 
 

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