Bundesliga-Spitzenspiel : Duell der Brüder

Das Schlüsselspiel zwischen Bayern und Schalke wird zum Treffen der Zwillingsbrüder. Hamit spielt gegen Halil Altintop.

Michael Neudecker[München]
Altintops Foto: dpa
Bruderkampf. Bayerns Hamit Altintop spielte bereits im Ligapokal-Finale gegen seinen Zwillingsbruder Halil (Schalke 04). -Foto: dpa

Hamit Altintop hat es wirklich versucht. Sagt er zumindest. „Ich wollte gegen ihn wetten, aber Halil hat abgeblockt“, also haben sie es gelassen: Hamit Altintop, Mittelfeldspieler beim FC Bayern München, und sein Zwillingsbruder Halil Altintop, Stürmer beim FC Schalke 04, spielen heute in der Münchner Arena mit ihren Vereinen nun einfach so Fußball gegeneinander (15.30 Uhr, live bei Premiere). „Ich kann das verstehen“, sagt Hamit und grinst, „ich würde ja auch nicht wetten, wenn ich auswärts bei Bayern München spielen müsste.“

Seine ganze Altersweisheit spielt Hamit da aus. Schließlich ist er der Ältere von beiden – zwölf Minuten mehr Lebenserfahrung hat Hamit gegenüber seinem Bruder Halil. Es war auch Hamit, der als erster die Initiative zur Selbstständigkeit ergriff. Bis dahin waren die heute 24-jährigen Türken, die in Gelsenkirchen geboren wurden, alle Wege im Fußballgeschäft gemeinsam gegangen. Angefangen bei ihrer ersten Station Schwarz-Weiß Gelsenkirchen Süd über die TuS Rotthaus und die SG Wattenscheid 09. Dann nahm Hamit im Jahr 2003 ein Angebot von Schalke 04 an. Sein Bruder Halil wechselte daraufhin zum 1. FC Kaiserslautern. Erst drei Jahre später spielten sie wieder zusammen: beim FC Schalke 04 – und das, obwohl Halil eigentlich immer für den verhassten Nachbar aus Dortmund geschwärmt hat. Die Reunion dauerte nur ein Jahr, weil Hamit wieder als erstes den nächsten Karriereschritt machte – zum FC Bayern.

Jetzt treffen sie im Spitzenspiel der Bundesliga aufeinander. Aber Bayern gegen Schalke ist kein Spiel, bei dem man einfach so gegeneinander spielt. „Das ist etwas Besonderes für mich“, sagt Hamit Altintop. Und Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld sagt auch: „Dieses Spiel hat eine große Bedeutung.“ Erstens, weil die Bayern danach wissen, ob sie wirklich so gut sind wie alle sagen, und zweitens, weil auch die restliche Liga das danach besser einschätzen kann. Wer bei den Bayern auflaufen wird, ist allerdings noch nicht klar. Verteidiger Martin Demichelis hat Rückenschmerzen, dessen Kollege Lucio kam erst am Freitag von seinem USA-Ausflug mit der brasilianischen Nationalmannschaft zurück und ist deshalb noch vom Jetlag geplagt. Und Luca Toni? Der ist nach seiner Oberschenkelverletzung wieder im Training, genauer: im Torschusstraining, womit der zuletzt zwischen den Ärzten der italienischen Nationalmannschaft und des FC Bayern offen ausgetragene Streit um die richtige Behandlung des Stürmers wohl ausgestanden sein dürfte. Ob Toni am Samstag aufläuft, das sei „eine Entscheidung von Stunden“, wie Hitzfeld sagt. Statt Toni könnte Lukas Podolski auflaufen: Hitzfeld lobte Podolskis Länderspiel-Auftritt mit Tor beim 3:1 gegen Rumänien. Er sei in einer „körperlich guten Verfassung“.

Das ist Hamit Altintop sowieso, weshalb er wohl in der Abwehrkette auftreten wird, hinten rechts, anstelle des verletzten Philipp Lahm. „Ich freue mich sehr auf dieses Spiel“, sagt er. Wahrscheinlich freuen sich die Bayern-Fans auch auf ihn, und das ist erstaunlich: Noch vor der Saison erschien der Transfer Altintops als Verzweiflungstat von Uli Hoeneß. Mittlerweile hat sich Altintop bewährt. Anfangs, als er zu Pressekonferenzen erschien, saß er nervös auf dem Stuhl, sagte wenig und stotterte oft. Jetzt, vor dem Spiel gegen Schalke, sitzt er wieder da. Er wirkt entspannt, reißt ein paar Witze, das Stottern ist nahezu verschwunden. Hamit Altintop ist innerhalb kurzer Zeit ein Teil des FC Bayern geworden.

Und wie ist das nun, gegen den Zwillingsbruder zu spielen? „Früher, als Halil in Kaiserslautern war, da war das anfangs komisch“, erzählt Hamit. Da habe er oft, wenn der Ball im Aus war, geguckt, was Halil so macht. Aber das habe sich gelegt, „wir konzentrieren uns nur noch auf unser Spiel“.

Das wird auch nötig sein: Bayern ist nicht Kaiserslautern, Zeit zum gucken dürfte kaum bleiben. Erst nach dem Schlusspfiff werden sie sich umarmen, miteinander reden und noch ein paar Minuten miteinander verbringen – dabei wird es aber bleiben. „Ich hatte gehofft, dass Halil noch hier bleibt und mein neues Umfeld kennenlernt, aber im Moment bleibt einfach keine Zeit für Pausen“, sagt Hamit, und zuckt mit den Schultern.

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