Bundesliga : Training für Bayer

Leverkusen bezwingt Nürnberg locker 4:0. Bayer klettert an die Spitze, der Club rutscht in die Abstiegszone.

Jörg Strohschein[Leverkusen]
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Foto: ddpddp

Michael Oenning wirkte sehr geknickt, als er sich zu dieser Partie äußern sollte. „Das ist für unsere Situation alles andere als erfreulich“, sagte der Trainer des 1. FC Nürnberg nach dem 0:4 (0:3) bei Bayer Leverkusen. Die Franken rutschen in der Bundesligatabelle immer weiter ab, während die Werkself zumindest bis zur Beendigung der Sonntagsspiele die Tabellenführung übernommen hat. „Wir haben zeitweise hervorragend Fußball gespielt“, lobte Trainer Jupp Heynckes seine Mannschaft. Es war ein Ergebnis, das in dieser Höhe sogar noch schmeichelhaft war, weil die Rheinländer locker und leicht noch einige Treffer mehr hätten erzielen können.

Oenning wirkte wohl deshalb so desillusioniert, weil er sah, dass seine Mannschaft gegen die Leverkusener nicht auf Augenhöhe agieren konnte. „Das ist schon toller Fußball, den ihr da spielt“, sagte Nürnbergs Coach anerkennend zu seinem Leverkusener Kollegen. „Wir müssen akzeptieren, dass uns der Gegner einfach überlegen war.“ Die Nürnberger waren an diesem Nachmittag nicht mehr als ein Trainingspartner der Leverkusener, der höflich genug war, die Bemühungen von Bayer über 90 Minuten mit großzügiger Zurückhaltung zu unterstützen. Ein Umstand, der den ohnehin bereits in die Kritik geratenen Oenning weiter unter Druck bringen dürfte.

Angefangen hatte das Nürnberger Debakel bereits nach zwei Minuten, als Toni Kroos einen Freistoß von der Strafraumgrenze unhaltbar ins Tor zirkelte. Im Anschluss konnten die Rheinländer ohne große Gegenwehr kombinieren und sich eine in der Bundesliga ungewöhnlich große Dominanz erarbeiten. Das Tempo, das Bayer vor 26 785 Zuschauern anschlug, war eindeutig zu hoch für Nürnberg. In ihrer Spielfreude vergaßen die Leverkusener aber zwischenzeitlich, die Torchancen zu nutzen. So dauerte es bis zur 28. Minute, bis es 2:0 stand. Jaouhar Mnari foulte Toni Kroos im Nürnberger Strafraum, den fälligen Elfmeter verwandelte Simon Rolfes sicher. Nur sechs Minuten später fiel der dritte Treffer, nachdem sich in der Nürnberger Abwehr bereits erste Auflösungserscheinungen abzeichneten. Erst durfte sich Stefan Kießling zweimal in Folge aus kurzer Distanz versuchen. Der abgeblockte Ball prallte dann zu Eren Derdiyok, der nur zwei Meter neben Kießling völlig ungedeckt den Ball in die Maschen befördern konnte.

Die Nürnberger waren so mutlos und überfordert, wie es nur ein Abstiegskandidat sein kann. Vor allem ihre Naivität in den Zweikämpfen sowie ihre mangelnde Aggressivität waren eine willkommene Einladung für Bayer Leverkusen.

Und trotz ihrer Überlegenheit achteten die Leverkusener Spieler im Gegensatz zu vergangenen Spielzeiten peinlichst genau auf den Erhalt einer kompakten Defensive. „Mich hat gefreut, dass wir hinten nichts haben anbrennen lassen und weiter nach vorne gespielt haben“, sagte Heynckes. Bayer erspielte sich im weiteren Verlauf noch einige Chancen, ehe Stefan Kießling per Kopf noch den vierten Treffer zum hoch verdienten Erfolg folgen ließ.

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