Bundesliga : Und keiner weiß, warum

Verzweiflung in Nürnberg: Auch gegen Bayern kann der Klub nicht gewinnen.

Michael Neudecker
Jan Koller
Verzweifelt: Der Nürnberger Jan Koller im Spiel gegen die Bayern. -Foto: ddp

Nürnberg Zvjezdan Misimovic stand da und blickte zu Boden, kein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Da wäre der Sack zu gewesen“, sagte er und seufzte, als er auf die Szene aus der 59. Minute angesprochen wurde, in der sein Mitspieler Jan Koller den Ball aus sechs Metern Entfernung nicht an Torhüter Oliver Kahn vorbeibrachte. Es wäre das 2:0 gewesen und wohl die Entscheidung in diesem Fußball-Bundesliga-Derby des 1. FC Nürnberg gegen den FC Bayern – so aber glich Lukas Podolski noch aus, die Partie endete 1:1, und die Nürnberger stehen in der Tabelle nun noch schlechter da als vorher. Durch den Heimsieg von Energie Cottbus gegen Hertha am Sonntag ist Nürnberg jetzt sogar Letzter.

Eigentlich ist ein Punkt gegen den Tabellenführer ein gutes Resultat, doch weil alle Konkurrenten mit Ausnahme von Rostock überraschend punkteten, haben die Nürnberger am Samstag nicht einen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren. Und deshalb wusste auch Präsident Michael A. Roth nicht so recht, was er nun anfangen soll mit diesem Ergebnis. „Wir können damit gut leben“, sagte er zuerst, stellte aber kurz darauf fest: „Wir sind dadurch nicht weitergekommen.“ Das Spiel passte ins Bild dieser Saison beim 1. FC Nürnberg, in der der Pokalsieger trotz guter Prognosen und interessanter neuer Spieler nicht rauskommt aus dem Abstiegskampf. „Wir waren vorige Saison so gut und erfolgreich“, sagte Roth, „in dieser Saison ist die Seuche drin. Es weiß keiner, was passiert ist und warum wir so schlecht spielen.“

Dabei hatten vor gar nicht langer Zeit zwei Namen neue Hoffnung gebracht: In der Winterpause kam Jan Koller, und Mitte Februar löste Thomas von Heesen den einst erfolgreichen, aber nun eben glücklosen Hans Meyer als Trainer ab. Doch unter von Heesen hat Nürnberg noch nicht gewonnen, und Koller hat in acht Spielen nur ein Tor erzielt. Immerhin sagt Roth: „Wir wechseln auf keinen Fall noch mal den Trainer.“ Das wäre auch merkwürdig – der Trainer hat in Nürnberg am allerwenigsten mit der Situation zu tun. Oft zeigen die Nürnberger eine ordentliche, bisweilen sogar gute Leistung, bekommen aber trotzdem kaum Punkte. Und keiner weiß, warum. Auch die Bayern wunderten sich am Sonnabend, dass die Partie 1:1 endete. „Nürnberg hätte gewinnen können“, sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

Einen positiven Aspekt hatte das Unentschieden: „Es war genau die Leistung, die man braucht, um im Abstiegskampf zu bestehen“, sagte von Heesen. Und Misimovic fand: „Wenn wir weiter so spielen, haben wir gute Chancen im Abstiegskampf.“ Auch Hitzfeld würde den Club gerne weiter in der Liga sehen: „Wir drücken den Nürnbergern die Daumen – einen Punkt haben wir ihnen ja heute schon geliefert.“ Michael Neudecker

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