Bundesliga-Urgestein : "Mehmet kann mal den FC Bayern mitgestalten"

Fußballer Ansgar Brinkmann über Mehmet Scholls Abschied vom Fußball.

Scholli
Authentisch: Mehmet Scholl im Fritz-Walter-Stadion. -Foto: dpa

Ansgar Brinkmann, 38, war fast 20 Jahre lang Profi in der Bundesliga und der Zweiten Liga. Er trug den Beinamen „weißer Brasilianer“, weil er das konnte, was auch Mehmet Scholl so gerne tat: zaubern, wenn er den Ball hatte. Von Anfang an hat Brinkmann die Laufbahn von Mehmet Scholl verfolgt. Er hat ihn im Laufe der Jahre auch persönlich kennengelernt, als Fußballer und als Mensch – und: Er verehrt ihn. Vor Scholls heutigem Abschiedsspiel in München gegen den FC Barcelona (18 Uhr; live in der ARD) würdigt Brinkmann seinen Freund im Tagesspiegel.

Ich hatte schon immer zwei Lieblingsspieler – Stefan Effenberg und Mehmet Scholl. Weil beide mehr sind als einfach nur Fußballer, sie sind authentisch. Der Mehmet war nie so wie die anderen Profis. Wenn ihn einer gefragt hat: ‚Wie fühlen Sie sich?’, dann hat er nicht gesagt: ‚Moment, da muss ich meinen Berater fragen.’ Stattdessen hat er eine klare Meinung gehabt und vertreten. Klasse.

Der Mehmet Scholl, der ist so ein besonderer Typ. Wer den nicht toll findet, dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn der in Cottbus mit dem FC Bayern aufgelaufen ist, haben alle geklatscht und sich gefreut, dass der Scholl da ist. Das musst du erst mal schaffen als Bayern-Spieler, dass sie dir in Cottbus applaudieren. Keinem ist das sonst gelungen.

Zum ersten Mal gesehen habe ich ihn 1988, er hat damals in Karlsruhe gespielt, ich in Osnabrück. Wir sind ja fast derselbe Jahrgang, er ’70, ich ’69. Sein Talent konnte man damals schon auf Anhieb erkennen: seine Ballbehandlung, die Übersicht. Er konnte Tore vorbereiten und schießen, eine außergewöhnliche Mischung. Und mit seiner Art hat er das ganze Geschäft belebt. Von Anfang an war er der absolute Teenie-Star, die Mädchen haben immer gekreischt, wenn er da war. Neidisch? Nein, das war ich nie, er sieht ja besser aus als ich. Und er ist auch noch sehr intelligent. Ehrlich gesagt, ich glaube, der Mehmet ist so ein Typ, der mal einen Verein wie den FC Bayern mitgestalten kann.

In einer Mannschaft habe ich nie mit ihm gespielt, leider nicht. Aber ich habe einen Traum: Ich werde ja auch ein Abschiedsspiel veranstalten im kommenden Frühjahr, und es wäre fantastisch, wenn er dann kommen würde, ja, er wäre das Maß aller Dinge. Das werde ich ihm auch noch persönlich sagen, wir treffen uns ja ab und zu. Am Montagabend erst waren wir in Hamburg einen Kaffee trinken, mit unserem gemeinsamen Freund Soner Uysal, der früher beim HSV gespielt hat.

Bei seinem Abschiedsspiel am Mittwochabend kann ich leider nicht dabei sein. Aber dafür kommt der FC Barcelona, das ist ja der Wahnsinn. Mehmet hat diese große Bühne verdient.

Eine Anekdote zum Abschluss? Puh, da gibt’s schon ein paar witzige Sachen, die uns passiert sind. Aber ich weiß nicht, ob er das in der Zeitung lesen will. Und gerade heute ist doch Respekt angebracht. Da soll er lieber selbst erzählen, das kann er doch so gut, ja, das kann er wirklich. Weil er eben alles kann.

Aufgezeichnet von Michael Neudecker.

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