Bundesliga : Verhinderte Führungskraft

Der erneut nur eingewechselte Piotr Trochowski rettet Hamburg einen Punkt gegen Wolfsburg

Frank Heike[Hamburg]
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Später Jubel. Piotr Trochowski erzielte in letzter Sekunde das 1:1. -Foto: dpa

Es sind schwere Zeiten für Piotr Trochowski. Daran können auch so schöne Tore wie am Freitagabend gegen den VfL Wolfsburg wenig ändern.

Obwohl erst 25 Jahre alt, ist er einer der dienstältesten Spieler beim Hamburger SV. Er hat sich immer zum HSV bekannt und wurde hier zum Nationalspieler. Aber wieder fehlte er auf dem Zettel mit den Namen der ersten Elf, als es am Freitagabend gegen den Deutschen Meister ging. Dabei soll diese Rückrunde doch den endgültigen Durchbruch für „Trotsche“, wie er genannt wird, zur Führungskraft beim HSV bringen. Wie schon sein Vorgänger Martin Jol hält auch der aktuelle Hamburger Trainer Bruno Labbadia Trochowskis taktische Schwächen und seine Neigung, sich das Spiel in sicht- und unsichtbare Viertelstunden einzuteilen, für so gravierend, dass Trochowski beim HSV eine viel geringere Wertschätzung genießt als in der Nationalmannschaft: Dort preist Bundestrainer Joachim Löw seine Qualitäten, seine Torgefährlichkeit und Schussstärke.

All das wird auch beim HSV gesehen, nur: „Trotsche muss das viel mehr und viel öfter einbringen“, sagte Labbadia auch am Freitag wieder. Da hatte Trochowski seinem HSV einen späten Punkt gerettet nach der Wolfsburger Führung durch Edin Dzeko. Es lief die Nachspielzeit, als er einen Freistoß aus 20 Metern mit seiner einzigartigen Schusstechnik ins Netz wuchtete – der Ball drehte sich vom Wolfsburger Torwart André Lenz weg ins lange Eck, als wäre er noch abgelenkt worden. War das Absicht? „Das ist die Schusstechnik, die den Ball so fliegen lässt“, erklärte Trochowski, „so ein Tor habe ich auch gegen Schalke geschossen. Mit den neuen Bällen geht das gut.“

Erst in der 77. Minute hatte Labbadia ihn eingewechselt, und zwei andere Chancen hatte Trochowski vor seinem Freistoßtreffer schon gnadenlos vergeben. Trochowksi hat es gerade besonders schwer beim HSV, weil ein anderer, der auch sein Rivale bei Löw werden könnte, auf seiner Position im linken Mittelfeld richtig gut spielt: Marcell Jansen. Am Freitag übernahm Trochowski sofort eine Führungsrolle im zentralen Mittelfeld. So stellt er sich das auch für die Zukunft vor: nicht nach links oder rechts verschoben zu werden, sondern in der Mitte Verantwortung zu übernehmen. Dass das bislang nie so richtig geklappt hat, obwohl seine Fertigkeiten immer wieder mal aufblitzen, weiß der selbstkritische Profi: „Ich muss im Spiel mehr Konstanz zeigen und das dann mal über zehn, zwölf Spiele hinweg. Aber um das zu schaffen, muss ich spielen.“

Der angenehm zurückhaltende, selten verletzte und immer topfitte Musterprofi leidet in Hamburg unter der geringe Wertschätzung. Man nimmt es hier so hin, dass er da ist, zählt ihn zum Inventar – und übersieht ihn gerne mal.

Keine Homestories, keine Skandale. Manchmal ist es gar nicht so leicht, in der Hamburger Medienlandschaft als Saubermann überhaupt wahrgenommen zu werden.

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