Bundesliga-Vermarktung : TV-Sender pochen auf freie Berichterstattung

Die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga zur Vermarktung der Bundesligarechte über Leo Kirch birgt Zündstoff. Die DFL will keine Garantie abgeben, dass es die "Sportschau" weiter zur gewohnten Zeit geben wird.

Andreas Schirmer[dpa]

DüsseldorfBei den deutschen Fernsehsendern und Medienexperten ist das Vermarktungs-Milliarden-Geschäft zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Leo Kirch auf Kritik, Skepsis, aber auch Gelassenheit gestoßen. "Wir sind Realisten. Fußball ist keine humanitäre Aktion. Das ist ein Geschäft", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Für vergleichbare Rechte an der Bundesliga werde man jedoch nicht mehr bezahlen. "Mit oder ohne Zwischenhändler. Wir verhandeln aber mit allen, die von der DFL damit beauftragt wurden", so Brender.

Eine ähnliche Position vertritt ARD-Programmdirektor Günter Struve, der durch die neue Entwicklung mehr denn je um den Sendeplatz der "Sportschau" um 18:30 Uhr bangen muss. "Ich bin mir sicher, dass die ARD-Sportschau auch 2009 die Bundesliga am Samstag deutlich vor 20 Uhr zeigen wird", sagte Struve der "Bild"-Zeitung. Bei der im Frühjahr 2008 geplanten Ausschreibung der TV-Rechte ab 2009 wird die DFL wie beim letzten Bieterverfahren wieder zwei Szenarien - mit einer "Sportschau" um 18:30 Uhr und ohne - offerieren.

"Grundsätzlich hat sich an dem Verfahren nichts geändert. Das Ergebnis der Ausschreibung jetzt vorweg zu nehmen, wäre Spekulation und unredlich", erklärte Peter Peters, Vizepräsident des Liga Verbandes. Bei der Vergabe der TV-Rechte 2005 hätten der Pay-TV-Sender Premiere und das ZDF insgesamt einen dreistelligen Millionen-Betrag mehr bezahlt, wenn die "Sportschau" gekippt worden wäre. "Wir haben damals auf viele Millionen verzichtet", so Peters. Deshalb wäre es falsch, jetzt schon den Teufel an die Wand zu malen. Allerdings wollte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert keine Garantie abgeben, dass es die "Sportschau" weiter "um die bisherige Zeit geben wird".

Premiere will auf jeden Fall mitbieten

Der Bezahlsender Premiere will trotz der Verstimmungen nach dem Zuschlag für Kirch wieder in den Wettstreit um die Bundesliga-Liverechte einsteigen. "Bieten werden wir auf jeden Fall", sagte ein Premiere-Sprecher in München. Interesse bekundete auch der Privatsender RTL. "Wir sind grundsätzlich am Fußball interessiert und sind gespannt, welche Auswirkungen die neue Konstellation auf die Ausschreibung haben wird", sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Auch beim TV-Sender Sat.1, der die Champions League derzeit überträgt, beobachtet man mit Interesse das Geschehen. "Wir schauen auf alle attraktiven Sportrechte, dazu gehört auch die Bundesliga", erklärte Katja Pichler, Sprecherin der ProSieben-Sat.1-Gruppe. Bisher kassierte die DFL pro Saison etwa 420 Millionen Euro an TV-Lizenzgebühren - Kirch garantiert nun 500 Millionen.

Erlöst werden soll diese Summe auch dadurch, dass die DFL mit dem Kirch-Unternehmen Sirius die Live-Berichterstattung der Bundesliga-Spiele inklusive Interviews produzieren wird. Dieses Vorhaben stößt mit Verweis auf die journalistische Freiheit auf erhebliche Kritik. "Die eigene Produktion ist ein wichtiges Differenzierungsmittel für uns." Derzeit könne sich Premiere nicht vorstellen, fertige DFL-Bilder zu senden. "Das sehen wir nicht." Auch das ZDF will von dieser konfektionierten Ware nichts wissen. "Die redaktionelle Hoheit lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen", sagte Brender.

Journalisten-Verband spricht von "Knebelung der Sender"

Eine Gefahr für den Sportjournalismus ist das geplante fertig produzierte "Bundesliga TV" für den Deutschen Journalisten-Verband (DJV). "Die Pflichtabnahme der produzierten Beiträge von der DFL ist eine Knebelung der Sender", sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken. Aufgabe des Sportjournalismus sei es, ohne inhaltliche Vorgaben über die Bundesliga-Spiele zu berichten. Die DFL stehe in der Pflicht, den Redaktionen diese unabhängige Berichterstattung zu ermöglichen.

Die DFL sieht hingegen keinen Angriff auf die Pressefreiheit gegeben. Schließlich werde Kirch an der Produktionsfirma 51 Prozent und die DFL 49 Prozent halten. "Ich gehe davon aus, dass dies hundert Prozent ausreicht, die journalistische Unabhängigkeit zu gewährleisten", meinte Peters. "Das Geschrei um die redaktionelle Freiheit kann ich nicht nachvollziehen", konterte Michael Meier, Manager des Zweitligisten 1. FC Köln. "Die Liga denkt nicht daran, sie zu beeinträchtigen." Für Peters ist es eine Chance, nicht nur die Rechte, sondern auch die Fußball-Inhalte fertig zu verkaufen. "Damit können wir die Zahl der Bieter erhöhen. Die hohen Produktionskosten konnten sich nur wenige erlauben", sagte er.

0 Kommentare

Neuester Kommentar