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Bundesliga : VfB Stuttgart trennt sich von Gross

Erste Trainer-Entlassung der Bundesliga-Saison: Der VfB Stuttgart hat sich von Christian Gross getrennt. Der Schweizer ist mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, übergangsweise übernimmt sein Assistent Jens Keller das Training des Tabellenletzten.

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Christian Gross.
Christian Gross.Foto: dpa

Eigentlich fand die Entlassung von Christian Gross schon am vergangenen Donnerstag statt. An diesem Tag rieb sich mancher beim VfB Stuttgart verwundert die Augen, und fasste die Äußerungen auf einer turnusmäßigen Pressekonferenz als provokanten Angriff auf, den man sich nicht gefallen lassen würde. Die Reaktion erfolgte allerdings erst vier Tage nach der sechsten Saisonniederlage gegen Eintracht Frankfurt (1:2). Gestern setzte der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga den 56 Jahre alten Gross vor die Tür und machte ihn fünf Tage vor dem Kellerduell gegen Schalke 04 mit deftigen Vorwürfen allein für die Krise verantwortlich.

Gleichzeitig präsentierte man dessen bisherigen Assistenten, den ehemaligen VfB-Profi Jens Keller, als Nachfolger. Gross` Vertrag lief eigentlich noch bis Saisonende. Wie lange Keller, der am 24. November 40 Jahre alt wird, im Amt bleibt, ist ungewiss. "Herr Keller wird vorerst auf der Bank sitzen und das Training leiten. Und wir werden die Entwicklung abwarten", sagte VfB-Präsident Erwin Staudt.

Zuletzt war über potentielle Nachfolger wie Christoph Daum, Krassimir Balakow und Matthias Sammer spekuliert worden, die aber offenbar nicht in Frage kommen, während "Wunschkadidaten" wie Thomas Tuchel (Mainz), Jürgen Klopp (Dortmund) und Robin Dutt (Freiburg) nicht zu bekommen sind. Die Entscheidung, Gross zu entlassen, sei am Montag gefallen sagte Staudt. "Dies ist eine der schwierigsten Situationen der Vereinsgeschichte, ich nenne das bewusst Ausnahmezustand. Wir haben allergrößte Sorge." Ohne baldige Siege wird Keller schnell wieder gehen müssen und am Neckar steht das nächste Trainer-Casting an.

Mancher sah in den jüngsten Attacken des 56 Jahre alten Schweizers den Versuch, die eigene Entlassung zu provozieren. Seit Wochen wurde dem Ex-Profi nachgesagt, nicht mehr mit voller Überzeugung hinter seinem Job zu stehen. Gross, im Dezember 2009 als Nachfolger von Markus Babbel verpflichtet, stellte mehrfach die Personalpolitik des Klubs in Frage und schien die Bindung zu seinen Spielern zu verlieren. Zudem waren die Spannungen zwischen ihm und dem neuen Manager Fredi Bobic unübersehbar. Kurzum: Gross hatte es sich am Ende mit allen verscherzt nachdem sein Anlaufpunkt, Ex-Manager Horst Heldt, den Verein im Groll in Richtung Schalke verließ.

Gross musste in der Saisonvorbereitung über Wochen ohne Manager auskommen und fühlte sich allein gelassen. "Der Verein hat seine Priorität auf die Fertigstellung des Stadions ausgerichtet", sagte Gross und zeigte wie wenig er mit den Vorgaben des Klubs einverstanden war, auf junge Spieler zu setzen. Wie zerrüttet das Verhältnis gewesen sein muss, zeigten die scharfen Attacken von Aufsichtsratschef Dr. Dieter Hundt, der Gross in den vergangenen Tagen öffentlich wie einen Schulbuben maßregelte. Der VfB gehöre, was den Etat angehe zum ersten Drittel der Liga. Man habe über "13 Millionen Euro" in den Umbau der Mannschaft investiert.

Am Dienstagmorgen gab es im Klubzentrum ein letztes Gespräch mit Gross, den Manager Bobic anschließend scharf angriff: "Ich habe keine Lösungsansätze von ihm gesehen. Arbeit nach Vorschrift kann man in so einer Situation nicht machen". Jetzt gehe es "einzig und allein um den Klassenerhalt. Der Fokus liegt auf dem Spiel in Schalke". Nachfolger Keller kündigte an, "Herz, Leidenschaft und Leistungswillen" zu vermitteln. "Dafür stand ich als Spieler, dafür stehe ich auch als Trainer". Gross sei ein sehr "dominanter Trainer" und es sei schwierig gewesen, "immer Gehör zu finden".

Im Zuge der 31. Trainerentlassung in 46 Jahren aber gerät auch die Vereinsführung um Staudt, Finanzchef Ulrich Ruf und Hundt in die Kritik. Der Vorgabe, junge Spieler einzusetzen, um den teuren Stadionumbau bewältigen zu können, folgten Panik-Transfers wie der des 34 Jahre alten Mauro Camoranesi, den Juventus Turin aussortierte. Klubchef Staudt gestand ein, man müsse sich Gedanken über allzu häufige Trainerwechsel machen. Als sei es eine lieb gewonnene Tradition, müssen im Herbst in Stuttgart die Trainer gehen. Gross kam nicht mal auf ein Jahr. "Wir hinterfragen uns, auch ich hinterfrage mich, aber ich bin noch zu keinem Ergebnis gekommen", sagte Erwin Staudt. "Wir haben uns nicht geändert, wir sind die konstanteste Größe". Mancher in Stuttgart sieht ein grundlegendes Problem, in einer Vereinsführung, der sportliche Kompetenz fehlt, die sich aber, wie im Falle von Dieter Hundt immer nachhaltig einbringt.

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