Bundesliga : VfB Stuttgart vor ungewisser Zukunft

Mit einer Truppe eigenwilliger Charaktere wie dem Niederländer Boulahrouz und der Rückkehr des ungeliebten Ljuboja steht die Mannschaft von Trainer Armin Veh vor neuen Herausforderungen.

Oliver Trust

Stuttgart - Wie Khalid Boulahrouz am späten Sonntagabend im Fernsehen des Südwestrundfunks mit niederländischem Akzent artig auf Deutsch plauderte – das sah schon fast nach Imagekampagne aus. Wenige wussten vom Sprachtalent des Niederländers, zudem haftet dem 26-Jährigen seit seiner Zeit beim HSV der Ruf an, ein Flegel zu sein. Nun gehört Boulahrouz wie auch Jens Lehmann und Jan Simak dem VfB Stuttgart an. Aufgrund der Ansammlung eigenwilliger Charaktere muss sich der Meister von 2007 inzwischen als Klub für Problemfälle bezeichnen lassen.

Eine Aufbesserung des Rufes ist nach der Leistung der Schwaben beim rumpeligen 3:0-Sieg nach Verlängerung im UI-Cup gegen den russischen Klub Saturn Ramenskoje auch nötig. Lehmann stand gegen die Russen noch nicht im Tor – er entspannt sich nach der EM und seinem Wechsel vom FC Arsenal noch am Starnberger See bei seiner Familie. „Er wird am Mittwoch kommen“, sagte VfB-Manager Horst Heldt und offenbarte trotz des Sieges den Zustand leichter Gereiztheit. „Für die Mannschaft ist das überhaupt kein Problem.“ Dennoch werden die Privilegien des Torwarts öffentlich ebenso thematisiert wie die Vergangenheit von Simak (Burnout-Syndrom) und Boulahrouz sowie die eines ungeliebten Rückkehrers. Danijel Ljuboja wurde am Sonntag nach dem Spiel von den eigenen Fans heftig beschimpft. Der Serbe hatte nach der Vertragsverlängerung vor zwei Jahren den VfB quasi erpresst und eine Verdoppelung seiner Bezüge gefordert. Man lieh ihn nach Hamburg und Wolfsburg aus; Ljuboja werde nie wieder für den VfB spielen, hieß es. Der Mangel an verfügbaren Stürmern im UI-Cup nach der Verletzung von Cacau hatte ihn jedoch zumindest in den Kader gespült.

Nicht nur der Fall Ljuboja zeigt, wie zerbrechlich der neue VfB ist. Nach dem Umbau – Spielmacher Yildiray Bastürk wurde auf die Bank gesetzt und Thomas Hitzlsperger ersetzt den zu Galatasaray Istanbul abgewanderten Fernando Meira als Kapitän – steht das Team vor einer ungewissen Zukunft. Dazu kommt, dass Starstürmer Mario Gomez unbedingt zum FC Bayern wollte, der Verein ihn aber nicht ziehen ließ. Die Verantwortlichen sind trotz der Unruhe zuversichtlich. „Die Vorbereitung lief diesmal viel besser als letzte Saison“, sagte Trainer Armin Veh. „Wir können noch gar nicht in Form sein – wir trainieren doch nicht für den UI-Cup, sondern für die Bundesliga. Dieser UI-Cup kommt eigentlich zur Unzeit.“ Hoffentlich kommt wenigstens die Bundesliga zur richtigen Zeit. Oliver Trust

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