Bundesliga-Vorschau, Teil 12 : Hamburger SV: Wer ist hier der Boss?

Am 9. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 51. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 12: Hamburger SV. Mit wenig Geld und vielen Meinungen will der HSV in die Europa League – ein hehres Ziel.

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Sind beide nicht der Boss: Maskottchen Dino Herrmann (rechts im Bild) und der aussortierte Innenverteidiger Paul Scharner.
Sind beide nicht der Boss: Maskottchen Dino Herrmann (rechts im Bild) und der aussortierte Innenverteidiger Paul Scharner.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Auf jeden Fall ist ein bisschen mehr Ruhe da, seit Frank Arnesen weg ist. Der Sportdirektor arbeitete eher gegen als mit dem Trainer und holte immer wieder Spieler, die Thorsten Fink nicht wollte. Mit Oliver Kreuzer hat Fink nun jemanden, dem er absolut vertraut. Fink kennt Kreuzer aus gemeinsamen Basler Tagen und setzte ihn gegen den anderen Kandidaten Jörg Schmadtke durch. Schön ist auch, dass es mit der Eierei um das Saisonziel endlich ein Ende hat. Statt vager Aussagen wie „Wir wollen uns verbessern“ – sagt Fink klar: Die Europa League, also Platz sechs, soll es sein. Auch deshalb, weil der klamme HSV die Einnahmen dringend braucht, um nicht noch den letzten Rest vom Tafelsilber, sprich Adler und van der Vaart, verkaufen zu müssen.

Wer sind die Stars?

Ganz klar Nationaltorhüter René Adler und Spiellenker Rafael van der Vaart. Darüber hinaus ist der HSV eine Mannschaft der Namenlosen. Nicht ganz unbekannt ist Johan Djourou, der für die rechte Abwehrseite ausgeliehen wurde, doch dessen Prominenz rührt vor allem vom abgebenden Verein FC Arsenal. Djourou selbst war zuletzt in Hannover nur Ersatz und ist derzeit ohnehin verletzt.

Wer hat das Sagen?

Wie jede Saison die spannendste Frage beim HSV. Trainer Fink hat schnell erkannt: „Hier macht jeder, was er will.“ Kern allen Übels ist die Frage, ob nun der Vorstand um Präsident Carl-Edgar Jarchow oder der 11-köpfige Aufsichtsrat den Hut aufhat. Die Fronten waren zuletzt beruhigt, doch bei der Mitgliederversammlung im Juni wurde wieder der Fleischwolf rausgeholt. Und es ist keine Besserung in sich. Der Aufsichtsrat müsste sich im Grunde selbst verkleinern, aber das wird keine Mehrheit finden. Außerdem fehlt die Fußball-Expertise in dem von eitlen Kaufleuten und Semiprominenten besetzten Gremium. Ein weiteres Ärgernis sind die ständigen Indiskretionen: Als Jörg Schmadtke zu geheimen Verhandlungen über die Sportdirektorenstelle in Hamburg aufschlug, wurde er von Reportern empfangen. Auch die Mannschaft ist auf der Suche nach Hierarchie. Seit der Degradierung von Heiko Westermann ist van der Vaart offiziell Kapitän. Er ist aber zu sehr mit sich beschäftigt, um ein starker Anführer zu sein. Immerhin tragen seine privaten Eskapaden zur Belustigung in der Kabine bei.

Was erwarten die Fans?

Die Zeit der überzogenen Erwartungen scheint vorbei. Die HSV-Anhänger waren schon in der vergangenen Saison recht zahm – sie registrieren das Bemühen, trotz des dritten Geschäftsjahrs in Folge mit Verlust etwas auf die Beine zu stellen. Mit vernünftigem Fußball und Platz sieben bis elf wäre man auf den Rängen wohl zufrieden.

Was ist in dieser Saison möglich?

Der sechste Platz ist utopisch, Rang neun bis elf ist realistisch. Das Team ist durch den Verlust des besten Angreifers Heung-Min Son geschwächt, den man aus finanziellen Gründen verkaufen musste. Vieles hängt von Rafael van der Vaart und dessen Form ab. Der Regisseur ist unverzichtbar für das HSV-Spiel und genießt Narrenfreiheit. Die nutzt er auch: Zuletzt hat er sich ein kleines Bäuchlein zugelegt.

Und sonst?

Der letzte sportliche Titel datiert aus dem Jahr 1987, dafür steht der HSV nun vor einem speziellen Rekord. Demnächst wird das Stadion zum vierten Mal umbenannt werden müssen. Der Namenssponsor Imtech ist pleite und will schnellstmöglich aussteigen.

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