Bundesliga-Vorschau, Teil 14 : SC Freiburg: Das Ende der Black Box

Der SC Freiburg steht vor einer schwierigen Saison. Die prägenden Spieler haben den Verein verlassen, die Stärken der Mannschaft von Trainer Christian Streich sind allseits bekannt. Trotzdem: Der Europa-League-Teilnehmer will der Dreifachbelastung trotzen.

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Plötzlich im Scheinwerferlicht: SC-Trainer Christian Streich. Foto: dpa
Plötzlich im Scheinwerferlicht: SC-Trainer Christian Streich.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Am Anfang stand die Sorge, die namhaften Abgänge (Calligiuri/Wolfsburg, Flum/Frankfurt, Kruse/Mönchengladbach und Makiadi/Bremen) nicht ersetzen zu können. Man kann sich nur zu gut an die Klagelieder erinnern und spürte manchen späten Vorwurf an den Exmanager Dirk Dufner, der Verträge abschloss, die Ausstiegsklauseln beinhalteten. Das Abwanderungsproblem von Spielern, die sich gut entwickelten, ist aber in Freiburg nicht neu. Auch diesmal musste der SC seinen Kader neu auffüllen, mit Spielern, die über internationale Erfahrung verfügen. Das scheint gelungen. Außerdem gibt es die Spannungen, die es zwischen Dufner und Christian Streich gab, nicht mehr. Der Trainer ist nun alleiniger Chef – und muss die Dinge alleine richten.

Wer sind die Stars?

Bisher gab es nur regionale Stars. Oliver Baumann, den U-21-Nationaltorhüter. Oder Jonathan Schmid und Matthias Ginter; zudem im letzten Jahr die nun abgewanderten Max Kruse und Cedric Makiadi. Jetzt gibt es den deutschen Ex-Nationalspieler Mike Hanke und die Schweizer Nationalspieler Gelson Fernandes (kam von Sporting Lissabon) und Admir Mehmedi (Dynamo Kiew) sowie Francis Coquelin vom FC Arsenal. Und natürlich Christian Streich.

Wer hat das Sagen?

Christian Streich, Christian Streich, Christian Streich. Und Fritz Keller, der Präsident. Aber beide sehen sich als Teamplayer, wobei Streich als prägender Teamplayer bezeichnet werden darf. Die beiden neuen Manager sind Klemens Hartenbach (jahrelang Chefscout) und Jochen Saier (Leiter der Fußballschule).

Was erwarten die Fans?

Sie freuen sich (noch) auf jedes Europa-League-Spiel, weil es den gestiegenen Stellenwert des Sportklubs nachweist. Was es bedeutet, im kalten November um 21.05 Uhr gegen ein unbekanntes Team aus Soundso zu spielen, werden die Freiburger noch erfahren müssen. Wenn Leistung und Leidenschaft stimmen, sind die Fans im Allgemeinen zufrieden. Vorerst beherrscht die Vorfreude die Szenerie. Ansteckend bleibt die Leidenschaft, mit der in Freiburg Fans und die Verantwortlichen ans Werk gehen. Für die neuen Spieler heißt das, sich an die intensive Laufarbeit des Streichstils zu gewöhnen.

Was ist in dieser Saison möglich?

Nicht absteigen – das scheint das Wichtigste. Die Freiburger mussten ein ähnliches Szenario schon einmal erleben. Sie starteten 2001/2002 im Uefa-Cup – und stiegen ab. Diesmal soll das in der Europa League nicht passieren. Die Freiburger haben sich vorbereitet, und deshalb steht die Prognose, sie werden einigermaßen gut durch die Saison kommen. Man sieht die ungewohnte Dreifachbelastung als Abenteuer. Der SC Freiburg, meinte Saier, sei für andere Vereine „keine Black Box“ mehr. Was er damit meint: Der SC ist anders als in der letzten Saison keine Kundschaft mehr, von der man nichts weiß, und die erst mühsam entschlüsselt werden muss.

Und sonst?

Es gibt auch schlechte Nachrichten in Freiburg. Sensationstrainer Christian Streich wurde bei der Wahl zum Trainer des Jahres nur Zweiter hinter Ex-Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Allerdings wirkte Streich keineswegs verbittert über diese Mitteilung. Der Mann lächelte kurz und knapp – und ging dann zur Arbeit auf den Trainingsplatz.

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