Bundesliga-Vorschau, Teil 17 : BVB: Neue Gier auf dem Abenteuerspielpatz

Am 9. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre 51. Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Vorlieben der Vereine. Folge 17: Borussia Dortmund hat die Bayern im Blick und sehnt sich nach weiteren Festspieltagen in der Champions League.

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Macht's noch einmal, Jungs - aber diesmal noch besser: Trainer Jürgen Klopp schwört seine Spieler auf die Bayern-Jagd ein.
Macht's noch einmal, Jungs - aber diesmal noch besser: Trainer Jürgen Klopp schwört seine Spieler auf die Bayern-Jagd ein.Foto: dpa

Was hat sich verbessert?

Borussia Dortmund hatte bereits einen exzellent besetzten Kader, dürfte jedoch in der Breite besser aufgestellt sein als bislang. Mit dem nach München abgewanderten Mario Götze gab es nur einen – wenn auch äußerst schmerzhaften – Abgang. Dafür verpflichtete der Klub für die Rekordsumme von 50 Millionen Euro Henrich Mchitarjan, Pierre-Emerick Aubameyang und Sokratis. Während Sokratis in der Dortmunder Hintermannschaft noch nach seiner Bestimmung sucht, haben die beiden anderen in der Offensive schon einiges Aufsehen erregt – auch wenn der schnelle Gabuner Aubameyang beim Pokalspiel in Wilhelmshaven eine Chance nach der anderen versiebte. Das ändert nichts an der Grundhaltung von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der die Überzeugung vertritt: „Vom Gefühl her sind wir bestimmt nicht schlechter geworden.“ Verbessert hat sich auch das Arbeitsethos bei der kickenden Belegschaft, zumindest ist das der Eindruck aller Beobachter nach der Vorbereitung. Mit Platz zwei hinter den Bayern können sie in Dortmund zwar durchaus leben, aber 25 Punkte Rückstand auf den Branchenprimus waren dann doch ganz schön heftig. Die Lücke konnte so weit auseinanderklaffen, weil in zu vielen Partien das fehlte, was Trainer Jürgen Klopp gern mit „Gier“ und „Galligkeit“ umschreibt. Ein Indiz dafür, dass es künftig wieder mehr von diesen Tugenden zu sehen geben könnte, war der mit großer Leidenschaft herausgespielte Sieg im Supercup gegen den FC Bayern.

Wer sind die Stars?

In Dortmund laufen eine ganze Reihe von Profis mit Glitzerpotenzial über die Wiese, aber der wahre Star sitzt weiterhin auf der Bank: Wenn einer die Schlagzeilen bestimmt, weil er sich ein paar Büschel Haare umpflanzen lässt, wenn einer gefühlt in jedem zweiten Werbespot auftaucht, dann muss er einfach einen großen Glamourfaktor haben. Jürgen Klopp entfaltet längst über die Fußballbranche hinaus Strahlkraft. Seine bühnenreifen Auftritte während der Champions-League-Pressekonferenzen sorgen dafür, dass der 46-Jährige mittlerweile auch in England und Spanien nicht nur als überdurchschnittlicher Trainer, sondern auch als Entertainer wahrgenommen wird. Die britischen Journalisten hätten Klopp am liebsten eingepackt und auf die Insel verfrachtet.

Wer hat das Sagen?

Was die Führungsstrukturen betrifft, befindet sich Borussia Dortmund seit Jahren auf sicherem Terrain: Die Troika Watzke, Zorc, Klopp dirigiert den Klub mit größtmöglicher Einmütigkeit, alle drei betonen immer wieder, wie gut Übereinstimmung und Harmonie ausgeprägt sind. Wobei die Rollen klar verteilt sind: Watzke, der Unternehmer aus dem sauerländischen Marsberg, marschiert voran und ist dabei bereit, seine Überzeugungen vehement zu vertreten. Dabei scheut er nicht davor zurück, mit klaren Worten und Thesen anzuecken. Sportdirektor Michael Zorc ist der stille Arbeiter, der in der Öffentlichkeit nie den Zampano geben würde. Das ist so, seit er vor über 30 Jahren zur Borussia kam, und so wird es bleiben. Der Part des Zampanos ist ohnehin an Jürgen Klopp vergeben.

Was erwarten die Fans?

Weitere Feiertage in der Champions League. Wer in der vergangenen Saison die famosen vier Minuten gegen den FC Malaga erlebt hat, das grandiose Heimspektakel gegen Real Madrid und das furiose Endspiel von Wembley gegen die Bayern, der will mehr davon. Wenn es weitere europäische Festtage auf dem Dortmunder Abenteuerspielplatz zu erleben gibt, dürfen die Bayern gerne wieder vorwegmarschieren. Ach so: Aber bitte vor Schalke stehen!

Und sonst?

Sie werden sich wundern, an dieser Stelle lesen Sie 117 Zeilen ohne Wasserstandsmeldung zu Robert Lewandowski. Für die schwarz-gelben Fans ist das ebenso beruhigend wie die Meldung, dass sie ihre Fahnen weiterhin im heimischen Garten hissen dürfen. Zu diesem Urteil kam jüngst das Verwaltungsgericht Arnsberg. Um üblen Nachreden einen Riegel vorzuschieben: Geklagt hatte kein Schalker Fan, sondern eine Nachbarin, die sich von den Windgeräuschen und vom Schlagschatten belästigt fühlte. Ihr Ansinnen wurde abgeschmettert, was bedeutet: Dortmunder Fans, holt gefälligst eure schwarz-gelben Tücher raus und zeigt Flagge! Felix Meininghaus

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