BUNDESLIGA : Warum der HSV mitten in der Saison verreist ist

Ein Meer aus Licht und Farben. Bei der Stadioneröffnung von Porto Alegre wurde mit Spezialeffekten nicht gegeizt. Foto: AFP
Ein Meer aus Licht und Farben. Bei der Stadioneröffnung von Porto Alegre wurde mit Spezialeffekten nicht gegeizt. Foto: AFPFoto: AFP

Die Sache mit den Thrombosestrümpfen hätte Heiko Westermann lieber geheim gehalten. Aber der Hamburger Mannschaftsarzt Doktor Philip Catalá-Lehnen hatte es längst ausgeplaudert – um zu unterstreichen, wie gut die Profis des Hamburger SV während ihrer anstrengenden Reise nach Brasilien doch versorgt waren. Fleischfarbener Sanitätsbedarf war also an Bord, als die Hamburger Entourage am vergangenen Freitag nach dem 2:0-Sieg gegen Hoffenheim aufbrach und am Dienstagmorgen aus Porto Alegre zurückkehrte: mit 825 000 Euro Gage und einer 1:2-Niederlage bei Gremio im Gepäck.

Die langen Flüge, der Temperaturunterschied, die kurze Vorbereitung auf das Spiel in Leverkusen am heutigen Samstag, das rief Kritiker auf den Plan. Unprofessionell sei die ganze Aktion. Ihnen hielt Trainer Thorsten Fink entgegen: „Der HSV ist in einer Lage, in der er eine solche Einnahme mitnehmen muss.“ Eine üppige Gage kassierte der Klub für den Auftritt. Denn als Gegner wollten die Brasilianer unbedingt den Klub, gegen den sie 1983 im Weltpokal gewonnen hatten. Viel Ehre. Und viel Geld. Auf allen Ebenen spart der HSV, da kam es niemandem in der Vereinsführung in den Sinn, das Angebot auszuschlagen. Verständlich in Zeiten, in denen die meisten Klubs händeringend nach Einnahmequellen suchen. Klubchef Carl-Edgar Jarchow entgegnete den Kritikern, dass solche Ausflüge mitten in der Saison nicht zum Standardprogramm eines Bundesligisten gehören sollten. Es war eben die gutbezahlte Ausnahme. Die HSV-Vermarkter von „Sportfive“ sondieren aber gerade den amerikanischen Markt für eine mögliche Sommertour nach der Saison. Eine solche hatte Hamburg schon vor dieser Spielzeit unternommen, als man nach Südkorea zu einem gut bezahlten Einladungsturnier reiste.

Vier Tage blieben dem HSV nun, um sich auf den Hinrunden-Abschluss vorzubereiten, immerhin doppelt so lange, wie in den Wochen zuvor manchem Europa-League-Starter. Und im Privatflugzeug aus Brasilien ging es ja auch luxuriöser zu als sonst: Bedienung nach Wunsch. Sitze, die man zu Betten ausklappen konnte. Sowieso – massenhaft Platz für sonstige Flugzeugverhältnisse. Und Thrombosestrümpfe, damit das Blut nicht stockt. Frank Heike

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